ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2010Börsebius: Versteckspiele

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Börsebius: Versteckspiele

Dtsch Arztebl 2010; 107(14): A-672 / B-584 / C-576

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LNSLNS Schiffsbeteiligungen, Großmärkte, Flugzeugleasing, Container, Wolkenkratzer. Wer wollte nicht gerne Eigner von so was Tollem sein? Und da hier offenbar tiefsitzende Wünsche befriedigt werden, haben geschlossene Fonds bei deutschen Anlegern einen Riesenerfolg – und das seit Jahren.

Obwohl viele die Verkaufsprospekte nur ungenügend verstehen, obwohl die Anleger eine unternehmerische Risikobeteiligung (mit dem Wagnis des Totalverlustes) eingehen und das Ding jahrelang an der Backe haben, weil es einfach keinen Zweitmarkt gibt, auf dem solche Produkte zwischendurch verkauft werden können, laufen geschlossene Fonds wie geschnitten Brot. Das Zauberwort heißt „Steuern sparen“, und schon werden sämtliche Alarmglocken in den hintersten Winkeln versteckt.

Dabei wäre ein genaueres Hinsehen mit Fug und Recht vonnöten. Es fließt beileibe nicht die gesamte Zeichnungssumme in die gesuchte Investition, sondern ein ganz erheblicher Betrag bleibt als Provisionszahlung für Banken, Vermittler, Treuhänder und eine Reihe von Zwischengesellschaften auf der Strecke. Die Summe, die nicht dem Hauptzweck – der Investition – zugeführt wird, überschreitet die Marke von zehn Prozent in den meisten Fällen locker. Manchmal werden gar bis zu 20 Prozent erreicht.

Soll etwa eine Immobilie fünf Prozent abwerfen, was eh schon gut gerechnet ist, kommen beim Anleger aber wegen der Provisionen eben nicht fünf Prozent an, sondern bestenfalls 4,5 Prozent. Liegen die Renditen niedriger, kann auch schon mal ein effektives Verlustgeschäft dabei herausgekommen.

Nun könnte der Betrachter einwenden, dem Anleger seien ja die Provisionen hinlänglich bekannt, und er sei selbst schuld. So einfach ist die Sache aber dann doch nicht, denn ein erheblicher Teil der einbehaltenen Gelder ist apart versteckt und auf die Schnelle als „verdeckte Kosten“ nicht erkennbar. Die verdächtig unverdächtigen Renditevernichter heißen etwa „Eigenkapitalbeschaffungskosten“, „Eigenkapitalvermittlungsgebühr“ oder Einwerbung „Eigenkapital“.

Diese Versteckspielchen haben natürlich ihre Gründe. Gäbe es die verdeckten Provisionen nicht, sondern wären sie vielmehr offen ausgewiesen, würden viel mehr Anleger verstehen, warum sich ein Großteil dieser Fondskonstruktionen gar nicht rechnen kann, also aufgrund aufgeblähter Kosten schlichtweg nicht rentabel ist. Dann aber würden auch die meisten Investoren verstehen, was Sache ist, und gar nicht zur Tat (der Unterschrift) schreiten.

Um dem Kunden das Hirn zu vernebeln, werden daher weiterhin einerseits wunderschöne Prospekte mit tollen Bildchen und wichtigen Kurven kreiert, dortselbst aber andererseits wichtige Preis-und Kosteninformationen ins Kleingedruckte verschoben. Hier also öffnet sich dem Gesetzgeber ein weites Feld, dem Anlegerschutz tatsächlich zu dienen. Das kann allerdings noch ziemlich lange dauern, Bis dahin werden noch Heerscharen von Anlegern weiterhin über den Tisch gezogen. Schrecklich, aber wahr.
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