ArchivDeutsches Ärzteblatt33/1997Schwangerschaft: Jodmangel wird häufig übersehen

POLITIK: Medizinreport

Schwangerschaft: Jodmangel wird häufig übersehen

Herberhold, Cornelia

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LNSLNS Jodmangel macht einen Kropf. In Deutschland hat jede fünfte Frau eine vergrößerte Schilddrüse. In der Schwangerschaft nimmt die Zahl zu: Im ersten Trimenon haben 30 Prozent, im zweiten 50 Prozent und im dritten zwei Drittel aller Schwangeren eine vergrößerte Schilddrüse. Diese Entwicklung setzt sich in der postpartalen Periode fort. In der Schwangerschaft fällt die vergrößerte Schilddrüse oft nicht auf. Die Symptome sind unspezifisch. Häufig fühlen sich die Patientinnen überfordert und sind nervös.
Ein relativ sicheres Zeichen ist die Obstipation, die in der Schwangerschaft aber oft als normal abgetan wird. Einen Hinweis können auch das Blutbild und der Hämoglobin-Wert geben. Bei Hypothyreosen ist die Anämierate hoch, denn die Eisenspeicherkapazität des Ferritin kann rasch aufgebraucht werden. Ein plötzlicher Hämoglobinabfall, der nicht auf orale Eisengabe reagiert, kann darauf hinweisen. Schwangere und Stillende können ihren erhöhten Jodbedarf nicht ausreichend über die Ernährung abdecken. Deshalb sollte eine Schwangere auch ohne größere Diagnostik auf jeden Fall eine Jodtablette mit 200 Mikrogramm pro Tag oder eine Depotpille einmal pro Woche erhalten, war die Empfehlung bei einem Seminar zum Thema Schilddrüsenerkrankungen in Beaulieu-sur-Mer. Bei Schwangeren mit großen Kröpfen und Hypothyreose leidet die Entwicklung des Kindes deutlich. Betrifft die Schilddrüsenunterfunktion den Fetus, wird Wachstumshormon unzureichend ausgeschüttet. Die Kinder sind kleiner, haben eine Trinkschwäche, und der postpartale Ikterus ist verlängert. Bei Frühgeborenen mit zusätzlicher Schilddrüsenunterfunktion ist die Sterblichkeit besonders wegen unzureichender Lungenreife drastisch erhöht. Die Schilddrüse eines Neugeborenen sollte einen Milliliter nicht überschreiten und nicht tastbar sein. Nach fünf bis sechs Tagen wird routinemäßig TSH gemessen, ein eher grobes Screening, da TSH bei leichten Störungen nicht signifikant erhöht ist. Für den Säugling gilt dann, daß Mütter, die stillen, ihre Kinder unter Umständen schlechter mit Jod versorgen. Aber selbst in der vorgefertigten Säuglingsnahrung variiert der Jodgehalt stark. Dr. med. Cornelia Herberhold

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