ArchivDeutsches Ärzteblatt33/1997Tagesklinische Behandlung: Erfolgreiches Stuttgarter Modell

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Tagesklinische Behandlung: Erfolgreiches Stuttgarter Modell

Zeyfang, Andrej; Beischer, Wolfgang

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LNSLNS Bereits seit 1977 gibt es in Deutschland geriatrische und neuerdings auch gerontopsychiatrische Tageskliniken. In Zeiten sich ändernder Strukturen in der Krankenversorgung und knapper werdender Ressourcen werden verstärkt kostengünstige Alternativen zur konventionellen Krankenhausbehandlung für ausgewählte Patientengruppen auch in der Inneren Medizin gesucht. Die teilstationäre Behandlung internistischer Patienten stellt eine neuartige Behandlungsform dar, deren Stellenwert an der Schnittstelle zwischen stationär und ambulant noch zu sichern ist.
Seit April 1995 gibt es am Bürgerhospital in Stuttgart eine medizinisch-geriatrische Tagesklinik zur Behandlung geriatrischer, diabetischer und angiologischer Patienten mit 22 Plätzen. Die Patienten befinden sich nur werktags von acht Uhr bis 16.30 Uhr in der Klinik, die Nacht und das Wochenende werden zu Hause verbracht.
Im diabetologischen Bereich liegen die Schwerpunkte bei Stoffwechselneueinstellungen, Diagnostik und Therapie von Folge- und Begleiterkrankungen, ergänzt durch strukturierte Schulung. Bei geriatrischen Patienten erfolgt ein interdisziplinäres Assessment, gefolgt von entsprechenden therapeutischen Maßnahmen. Angiologische Patienten erhalten konservative Therapiemaßnahmen (meist i.a.-Infusionen) nach entsprechender interdisziplinärer Diagnostik.
Sehr gute Akzeptanz
Die Akzeptanz der tagesklinischen Behandlung bei Ärzten und Patienten ist sehr gut, die durchschnittliche Belegung liegt bei 95 Prozent, bisher wurden 680 Patienten behandelt. Ein Drittel der Patienten wurde alternativ zur geplanten vollstationären Behandlung in die Tagesklinik aufgenommen, ein Viertel nach Akuterkrankung vom stationären Bereich übernommen, die restlichen Patienten wurden gezielt in die Tagesklinik eingewiesen.
Während des Behandlungszeitraums mußten 13 Prozent in den vollstationären Bereich verlegt werden (vorwiegend zu invasiver Diagnostik oder wegen kardio-pulmonaler Komplikationen); es gab keinen Todesfall. Die Behandlungskosten betragen 70 Prozent des stationären Bereiches.
l Ein halbes Jahr nach Entlassung wurden 136 Patienten der Tagesklinik durch Fragebogen an Hausarzt und Patienten nachuntersucht. Es zeigten sich für alle drei Behandlungsschwerpunkte gute Ergebnisse: Bei den Diabetikern sank das HbA1c von 9 auf 6,6 Prozent, auch die Untergruppe der geriatrischen Patienten mit Diabetes zeigte mit einem Absinken von 9,6 auf 7 Prozent einen guten Behandlungserfolg. Geriatrische Patienten wohnten noch in 98 Prozent der Fälle zu Hause und zeigten eine niedrige Rehospitalisierungsrate von 20 Prozent bei hoher Lebensqualität. Von den Patienten mit peripherer angiologischer Erkrankung (vorwiegend pAVK III-VI°) war bei 71 Prozent durch die Therapie eine anhaltende Beschwerdebesserung erzielt worden. Alle Hausärzte und 97 Prozent der Patienten waren mit der tagesklinischen Behandlung sehr zufrieden.
l Die Behandlung von Diabetikern, geriatrischen und angiologischen Patienten in einer Tagesklinik zeigt bei hoher Wirtschaftlichkeit sehr gute Behandlungserfolge. Ein gemischtes Belegungskonzept ist bezüglich der Nutzung von Ressourcen sinnvoll, die Patientenzufriedenheit ist hoch.


Dr. med. Andrej Zeyfang
Prof. Dr. med. Wolfgang Beischer Stuttgart

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