ArchivDeutsches Ärzteblatt33/19971947/1997 – Bundes­ärzte­kammer im Wandel (X): Fortbildung in Freiheit Gestern und heute: Eine Hauptaufgabe der ärztlichen Selbstverwaltung

THEMEN DER ZEIT: 50 Jahre Bundes­ärzte­kammer

1947/1997 – Bundes­ärzte­kammer im Wandel (X): Fortbildung in Freiheit Gestern und heute: Eine Hauptaufgabe der ärztlichen Selbstverwaltung

Loch, Franz Carl; Odenbach, P. Erwin

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LNSLNS Der große Heidelberger Kliniker Ludolf von Krehl sagte einmal: "Das Beste, das allem vorangeht, ist selbst lernen, den Trieb zu immer weiterer Ausbildung in sich selbst fühlen." Hier meinte er die freiwillige berufliche Fortbildung, wie sie aus ethischer Verantwortung von jedem Arzt als selbstverständlich erachtet werden sollte, wie sie aber auch als Verpflichtung in der ärztlichen Berufsordnung postuliert ist.
Dem steht gegenüber: die Fortbildung in Freiheit, laut Rudolf Virchow - um gleich noch einen der großen akademischen Lehrer und Forscher (zugleich Reichstagsabgeordneter) zu benennen - nicht Freiheit im Nichtstun, sondern Lernfreiheit, Freiheit also auch in der Wahl eines Lernprogramms, das individuellen Bedürfnissen des Arztes entspricht, wie in der Wahl verschieden gearteter Fortbildungsmöglichkeiten.
An diesen Prinzipien hat sich in den fünf Jahrzehnten ärztlicher Selbstverwaltung in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg nichts gewandelt, wohl aber manches in den Formen organisierter Fortbildung.
Die Tradition der ärztlichen Fortbildung
Die Lan­des­ärz­te­kam­mern, und mit ihnen die Bundes­ärzte­kammer als deren Arbeitsgemeinschaft, sind laut Landesgesetzen verpflichtet, den Berufsangehörigen Voraussetzungen und Möglichkeiten zur Erfüllung ihrer Berufspflicht stetiger Fortbildung zu schaffen. Das hat Tradition.
Seit mehr als 150 Jahren ist Fortbildung Hauptaufgabe ärztlicher Zusammenschlüsse in Deutschland. Sie stand bereits im Mittelpunkt des Wirkens der Ärztlichen Vereine des 19. Jahrhunderts und ist auch heute noch eine zentrale Aufgabe der Kammern, der ärztlichen Bezirks- und Kreisvereine. Selbst zu einer Zeit, als die Bestimmungen über ärztliche Fortbildung in der Berufsordnung weniger genau definiert waren als heute, waren Programmangebote und die Beteiligung an den von den Kammern veranstalteten Fortbildungskursen ausgewogen; sie brauchten den Vergleich mit anderen Berufen nicht zu scheuen.
Die schon 1903 gegründete Kaiserin-Friedrich-Stiftung für ärztliche Fortbildung war nach dem Zweiten Weltkrieg in Berlin (West) erneuert worden - ein Verdienst von Prof. Dr. Wilhelm Heim; nun hat sie erfreulicherweise ihr stattliches Gebäude neben der Charité wieder in Besitz.
1931 hatte der 50. Deutsche Ärztetag den Antrag auf Einführung einer besonderen Fortbildungspflicht abgelehnt; dagegen wurde im "Dritten Reich" die Fortbildung sehr stark reglementiert. Zu den Aufgaben der Reichsärztekammer gehörte es, für Schulung und Fortbildung der Ärzte zu sorgen und hierfür erforderliche Einrichtungen zu schaffen. Aufgrund der von der Reichsärztekammer erlassenen Bestimmungen mußte sich jeder Arzt (auch der Facharzt), soweit er das 60. Lebensjahr noch nicht überschritten hatte, alle fünf Jahre einer drei Wochen dauernden Fortbildung in einem zu diesem Zweck bestimmten Krankenhaus unterziehen. Während des Besuchs von Fortbildungsveranstaltungen wurde dem Arzt eine Entschädigung in Form eines Tagessatzes gezahlt.
Ebenfalls stark reglementiert war die Fortbildung in der DDR, und auch dort bestand eine Teilnahme- beziehungsweise Nachweispflicht.
Bald nach dem Krieg war den durch Ländergesetze geschaffenen Lan­des­ärz­te­kam­mern im westlichen Teil Deutschlands im Rahmen der Selbstverwaltung die Fortbildung als ureigene Aufgabe zugewiesen worden. Die in diesen Gesetzen verankerte allgemeine Verpflichtung aller Ärzte zur Teilnahme am Notfalldienst erforderte und erfordert gerade auch vom fachlich spezialisierten Arzt Fortbildung über die Grenzen seines Faches hinaus. Die Ausrichtung von Fortbildungsveranstaltungen und die Veröffentlichung geeigneter Fachbeiträge in kammereigenen Zeitschriften waren damals die Anfänge, aus denen sich bis heute ein sehr differenziertes, aber effizientes System entwickelte.
Die Fortbildungskongresse der Bundes­ärzte­kammer
Erste bundesweit koordinierte Fortbildungsaktivitäten löste Prof. Dr. Albert Schretzenmayr (Augsburg) auf dem 54. Deutschen Ärztetag 1951 in München aus, wo er im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Westdeutscher Ärztekammern, der späteren Bundes­ärzte­kammer, die Bildung eines Fortbildungsausschusses anregte. 1952 wurde dieser Gedanke mit Bildung des "Deutschen Senats für ärztliche Fortbildung" realisiert. Durch Beschluß des Deutschen Ärztetages 1952 in Berlin wurde die ärztliche Fortbildung als selbstverständliche Berufspflicht eines jeden Arztes, deren Erfüllung in erster Linie dem Kranken zugute kommt, festgelegt, und die Ärztekammern wurden als verantwortliche Träger mit der organisatorischen Durchführung verpflichtet.
Die Bundes­ärzte­kammer selbst widmete sich in der Folge vor allem der Kongreßfortbildung, ab 1953 von Professor Schretzenmayr initiiert und aufgebaut. Verantwortlicher Programmgestalter war seither der neugegründete Deutsche Senat für ärztliche Fortbildung. Seine Aufgabe war und ist es, die Bundes­ärzte­kammer in allen grundsätzlichen Fragen der Fortbildung zu beraten und sich um deren Ausbau und Entwicklung zu bemühen. Um dies zu erreichen, stehen den sieben ordentlichen, vom Deutschen Ärztetag zu wählenden Mitgliedern des Senats außerordentliche und korrespondierende Mitglieder zur Seite, die einmal jährlich zu einer Sitzung des sogenannten "Großen Senats" zusammentreten. Ihm gehören auch die Fortbildungsbeauftragten aller Lan­des­ärz­te­kam­mern sowie Vertreter der größeren ständigen Fortbildungskongresse im Bundesgebiet an.
Seit 1953 fanden, meist in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Ärztekammer, internationale Fortbildungskongresse zweimal jährlich in Davos, in Grado und in Meran, einmal jährlich in Montecatini Terme und in Badgastein statt. In den 70er Jahren konnte man jährlich nicht selten 10 000 Besucher insgesamt zählen, die von den ausgezeichnet organisierten Veranstaltungen - schon sehr früh in Seminarform - Gebrauch machten.
Mit insgesamt 250 internationalen Fortbildungskongressen der Bundes­ärzte­kammer, an denen 241 146 Kolleginnen und Kollegen teilnahmen, hat die Bundes­ärzte­kammer eine imponierende Fortbildungsleistung erbracht: Hunderte prominenter Referenten und Referentinnen haben dies ohne Honorar und die vielen Ärztinnen und Ärzte meist in ihrer Ferienzeit geleistet. Mit diesen Kongressen wurden auch Kontakte mit der internationalen Medizin und nach dem Krieg eine Überwindung der Grenzen möglich.
Unvergessene, internationale Eidophor-live-Übertragungen auf Riesenleinwänden von Krankheitsbildern, Patientenbefragungen und Operationen mit der Möglichkeit direkten Kontaktes zum Auditorium haben Tausenden Ärzten lebendige patientennahe Fortbildung geboten.
Seit Jahrzehnten wurden bei den Kongressen nicht zuletzt ethisch wichtige Referate mit bedeutenden Referentinnen und Referenten und folgender Diskussionsmöglichkeit geboten.
Finanzgerichtsurteile erzwangen Ende der siebziger Jahre bei den internationalen Kongressen der Bundes­ärzte­kammer bürokratische Teilnahmenachweise mit weitgehenden Anforderungen - begleitet von nachweislich schikanöser Praxis einzelner Finanzämter -, wodurch sich die Ärztinnen und Ärzte zu Recht verletzt fühlten, mit der Folge entsprechender Abkühlung der Akzeptanz solcher Kongreßfortbildung. Auf dem Deutschen Ärztetag in Würzburg im Jahr 1990 wurde schließlich beschlossen, die Veranstaltungsorte im europäischen Ausland zugunsten von zentral gelegenen deutschen aufzugeben, was verständlicherweise von vielen Kolleginnen und Kollegen bedauert wurde.
40 Jahre hatten jährlich Tausende Ärztinnen und Ärzte durch die Kongresse der Bundes­ärzte­kammer ein oder zwei Wochen ständige Gesprächsmöglichkeiten, Gedanken- und Erfahrungsaustausch mit Kolleginnen und Kollegen sowie mit bewährten Referentinnen und Referenten, frei von jeder Hektik, nicht zu vergessen die Jahrzehnte so gegebene und genutzte Chance der direkten Kontakte von Ärztinnen und Ärzten mit Repräsentanten der Bundes­ärzte­kammer und anderen "Offiziellen".
Die von Prof. Schretzenmayr begründeten, später von Dr. Hannelore Roemer-Hoffmann im Deutschen ÄrzteVerlag redigierten "Monatskurse für die ärztliche Fortbildung" haben wesentliche Themata all dieser Kongresse auch mnemotechnisch so aufgearbeitet, daß auch Ärzte und Ärztinnen, die aufs Lesen angewiesen waren, von den Kongressen profitieren konnten.
Die Bedeutung der Fortbildung der sogenannten Assistenzberufe (wie es damals hieß) wurde 1973 durch die Gründung des Augsburger Zentralkongresses für die medizinischen Assistenzberufe von Prof. Dr. Schretzenmayr unterstrichen: Angehörige verschiedenster Fachberufe im Gesundheitswesen sind dort im Laufe der Jahre zusammengeführt und fortgebildet worden (ab 1977 von der Bundes­ärzte­kammer), zeitgleich unter einem Dach mit dem Augsburger Kongreß für praktische Medizin.
Der Film in der ärztlichen Fortbildung
Wegen der besonderen Möglichkeiten des Fortbildungsmediums "Film" wurde schon 1959 im Rahmen des Senats ein eigener Ausschuß "Film in der ärztlichen Fortbildung" gegründet. Aufgabe dieses Ausschusses ist es, den Filmherstellern Themenanregungen zu geben, neu erscheinendes Filmmaterial zu sichten, nach bestimmten Kriterien zu werten bis hin zur Auszeichnung herausragender Fortbildungsfilme mit einem Preis der Bundes­ärzte­kammer, ferner die Filme zu katalogisieren und die gewonnenen Informationen allen Fortbildungsveranstaltern zu vermitteln. Bei allen internationalen Fortbildungskongressen der Bundes­ärzte­kammer lief täglich ein Programm mit diesen Filmen: frühe Videofortbildung, später zum Teil ergänzt durch individuell abrufbare Videosynthesen von Eidophor-Sendungen.
Die Veröffentlichung und Katalogisierung der Fortbildungsfilme geschieht im Filmkatalog der Bundes­ärzte­kammer, der in regelmäßigen Abständen überarbeitet und neu aufgelegt wird. Der aktuelle Katalog enthält rund 350 Fortbildungsfilme der letzten acht bis zehn Jahre. Im Laufe des letzten Jahrzehnts haben individuell nutzbare Video-Bänder breiten Platz in der ärztlichen Fortbildung gefunden und die Produktion neuer Filme entscheidend reduziert.
Seit 1995 obliegt die Beschäftigung mit Fortbildungsfilmen nicht mehr einem eigenen Ausschuß bzw. einer Kommission, sondern einem Arbeitskreis im Rahmen des Senats.
Das Interdisziplinäre Forum - Fortschritt und
Fortbildung in der Medizin
1974 beschloß der Vorstand der Bundes­ärzte­kammer auf Vorschlag des damaligen Präsidenten, Prof. Dr. Dr. h. c. Hans Joachim Sewering, die Gründung einer eigenen BÄK-Abteilung Fortbildung und Wissenschaft unter der Leitung von Dr. Erwin Odenbach, die nicht nur die internationalen Fortbildungskongresse der Bundes­ärzte­kammer koordinierte, sondern im Verlauf nach und nach auch die Geschäftsführung des Wissenschaftlichen Beirates von Hamburg nach Köln übernahm. Internationale Umfragen im Auftrag der World Medical Association (Weltärztebund) zum Fortbildungswesen der verschiedenen nationalen Ärzteschaften wurden durchgeführt und vorgetragen, unterschiedliche Fortbildungsformen und Fortbildungsforschung in den USA im Land mit Senat und Kongreßgestaltern systematisch untersucht.
Eine entscheidende Neuerung stellte die Einrichtung des "Interdisziplinären Forums - Fortschritt und Fortbildung in der Medizin" dar, das 1976 nach einer Idee und auf Initiative von Dr. P. Erwin Odenbach im Zusammenwirken mit Prof. Dr. Friedrich Loew als dem damaligen Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirats erstmals stattfand und seither jährlich in Köln durchgeführt wird. Die wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften werden jährlich befragt, aus ihrer Sicht besonders wichtige neue Erkenntnisse im Rahmen des Forums zusammen mit anderen Disziplinen hinsichtlich der Notwendigkeit einer Weitervermittlung durch die Fortbildung zu prüfen und zu diskutieren sowie über die Bedeutung dieser neuen Erkenntnisse für Diagnostik und Behandlung der Patienten und damit für die ärztliche Fortbildung mit den Verantwortlichen für die Fortbildung kritisch zu beraten. Idee, Konzept und Gründung des Interdisziplinären Forums haben ein fruchtbares Zusammenwirken von Deutschem Senat für ärztliche Fortbildung und Wissenschaftlichem Beirat, aber auch mit den wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften, im Interesse einer systematisierten, fachübergreifenden ärztlichen Fortbildung sowie auch einer "Fortbildung der Fortbilder" realisiert. (Dieses Konzept will keinen "Mammut-Kongreß": Neben den Wissenschaftlern ist es vor allem vielen in der Fortbildung tätigen Ärzten möglich, am Gesamtprogramm teilzunehmen; bis einschließlich 1996 wurden in 21 "Foren" 148 Themenbereiche interdisziplinär behandelt.)
Die jährliche Veröffentlichung der auf dem Interdisziplinären Forum gehaltenen Referate und der folgenden Diskussionen in einem Berichtband ermöglicht Weiterverbreitung. Die Bundes­ärzte­kammer leistet den Ärzten damit wesentliche Hilfestellung, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Mit dem Forum ist bewiesen, daß sich die Bundes­ärzte­kammer nicht nur mit der Regelung berufspolitischer Fragen - wesentliche Aufgabe ihrer Haupt­ver­samm­lung, des Deutschen Ärztetages -, sondern auch mit unmittelbar die Patienten angehenden medizinischen Problemen stetig befaßt.
Bei der in zeitlichem Zusammenhang mit diesem Interdisziplinären Forum stattfindenden Sitzung des Deutschen Senats für ärztliche Fortbildung (im Beisein des Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirats der Bundes­ärzte­kammer) kann als Ergebnis darüber entschieden werden, welche Schwerpunkte, welche Einzelerkenntnisse vordringlich in die Fortbildungsarbeit der Bundes­ärzte­kammer, der Lan­des­ärz­te­kam­mern, der Akademien für ärztliche Fortbildung, der ärztlichen Kreis- und Bezirksorganisationen aufgenommen werden.
Die Akademien für die ärztliche Fortbildung
Organisatorisch sind zwei weitere Neuerungen bedeutsam:
1. Neben dem Deutschen Senat für ärztliche Fortbildung hat der Vorstand der Bundes­ärzte­kammer 1978 die Bildung einer Ständigen Konferenz "Ärztliche Fortbildung" beschlossen, die die Fortbildungsexperten und Sachbearbeiter der Lan­des­ärz­te­kam­mern beziehungsweise die Vorsitzenden der Fortbildungsakademien vereint, um gemeinsam mit der Bundes­ärzte­kammer Fragen der kammereigenen Fortbildungsorganisation zu besprechen und zu regeln.
2. In vielen Ärztekammerbereichen sind in den letzten Jahrzehnten Akademien für ärztliche Fortbildung ins Leben gerufen worden. Die erste war 1971 die der Hessischen Lan­des­ärz­te­kam­mer in Bad Nauheim mit eigenen Gebäuden und Nachweisverpflichtung. Von diesen zum Teil unterschiedlich organisierten Akademien gehen starke Impulse auf die regionale und lokale Fortbildung aus. Die Akademien schaffen die organisatorischen Voraussetzungen und bieten die Koordination für langfristig geplante, methodisch moderne Fortbildung sowie für die didaktische Fortbildung von Referenten. Dr. Hermann Kerger, der mit Prof. Dr. Horst Joachim Rheindorf wesentlich die Hessische Akademie prägte, faßte "Die ärztliche Fortbildung - Ziele, Organisation, Programmgestaltung und Modelle einer permanenten Fortbildung" in einem praktischen "Manual" zusammen.
Die Akademien bieten auch Möglichkeiten zur Untersuchung und zum kritischen Experimentieren mit Methoden zur Bewertung sowie zum Studium der Probleme des Fortbildungsnachweises. 1979 wurde schließlich eine Arbeitsgemeinschaft der Akademien für ärztliche Fortbildung gegründet, deren Federführung bei der Hessischen Akademie liegt. Von ihr ging 1979 auf Initiative von Dr. Wolfgang Bechtoldt auch die Gründung einer Europäischen Akademie für Fortbildung aus, deren Geschäftsführung jetzt bei der Bundes­ärzte­kammer ist.
Seit Jahren veranstaltet diese Europäische Akademie im zweijährigen Turnus Kongresse: Die letzten drei befaßten sich mit "Ärztliche Fortbildung in Europa" (der 7.), der 8. mit "Qualitätssicherung und ärztliche Fortbildung" und der 9. (1997) mit "Neue Techniken und ärztliche Fortbildung".
Die Weiterentwicklung der ärztlichen Fortbildung
Auf Bundesebene war die Weiterentwicklung der ärztlichen Fortbildung auf dem Deutschen Ärztetag 1975 in Hamburg Gegenstand der Tagesordnung. Vor allem wurden strukturverbessernde Maßnahmen vorgeschlagen. Die Bedeutung von Lehr- und Lernpsychologie, Lernmotivation, Medien, die Gründung von Fortbildungsakademien, Effizienzermittlung und Effizienzsicherung wurden behandelt. Ebenso wurde auch auf die individuell unterschiedlichen Bedürfnisse der Fortzubildenden eingegangen.
Die ein Jahr später vom 79. Deutschen Ärztetag 1976 in Düsseldorf beschlossene Berufsordnung formulierte die Verpflichtung des Arztes zur Fortbildung unter anderem wie folgt:
1. Der Arzt ist verpflichtet, sich beruflich fortzubilden und sich dabei über die für seine Berufsausübung jeweils geltenden Bestimmungen zu unterrichten.
Ferner:
4. Der Arzt muß eine entsprechende Fortbildung gegenüber der Ärztekammer in geeigneter Form nachweisen können.
Daß Literaturstudium und damit die sogenanten "Print-Medien" an erster Stelle individueller Fortbildung standen, wurde entsprechend berücksichtigt: Nach diesen Bestimmungen ist es dem einzelnen Arzt freigestellt, für welche Form der Fortbildung er sich entscheidet, also welches Medium er zur Erfüllung seiner Fortbildungspflicht wählt.
Der 82. Deutsche Ärztetag 1979 in Nürnberg empfahl, durch geeignete organisatorische Maßnahmen in den Ärztekammern alle Ärzte dazu anzuhalten, den Erfolg der ärztlichen Fortbildung zu überprüfen und zu verdeutlichen. Staatliche Fortbildungsregelungen und -kontrollen wurden als überflüssig abgelehnt, zumal sie nicht geeignet erschienen, eine dem individuellen Fortbildungsbedarf entsprechende und somit wirksame Fortbildung zu gewährleisten.
Noch vom 93. Deutschen Ärztetag 1990 in Würzburg wurde der Antrag auf Einführung einer quantifizierbaren Fortbildungs-Nachweispflicht abgelehnt, nachdem 1989 der 92. Ärztetag in Berlin den Auftrag zu Vorschlägen hierzu gegeben hatte. Dies hinderte aber einige Lan­des­ärz­te­kam­mern nicht, einen solchen Nachweis von ihren Mitgliedern zu verlangen.
Vier Jahre später beschloß der 97. Deutsche Ärztetag 1994 in Köln in seinem gesundheitspolitischen Grundlagenpapier, daß zur Qualitätssicherung der Fortbildung die Überprüfbarkeit des Fortbildungserfolges - und zwar die Kontrolle des Fortbildungserfolges im Sinne einer Selbstkontrolle, aber auch in Form einer Überprüfung - durch die Organe der ärztlichen Selbstverwaltung möglich sein muß.
Die Bundes­ärzte­kammer hatte zuvor in Dresden mit ihrem "Fortbildungskonzept 1993 - Empfehlungen für ,gute' ärztliche Fortbildung" eine Neuorientierung ihrer Fortbildungsarbeit beschlossen. Mit der Einstellung ihrer internationalen Kongresse erklärte sie ihre Absicht, zur Qualitätssicherung ihren Einfluß auf die sachliche und methodische Qualität von Fortbildungsmaßnahmen deutlich zu verstärken, vermehrt Defizite der medizinischen Versorgung zu analysieren und hieraus Fortbildungsschwerpunkte für die Ärzteschaft abzuleiten.
Das wurde beispielsweise erleichtert durch die regelmäßige Veröffentlichung wichtiger Beiträge zur "Notfallmedizin nach Leitsymptomen", in Buchform im Auftrag der Bundes­ärzte­kammer herausgegeben von F. C. Loch, 1986 begründet und 1995 bereits in dritter Auflage im Deutschen Ärzte-Verlag erschienen.
Neue Kongreßformen der Bundes­ärzte­kammer, die sich ausschließlich mit didaktischen Fragen und der Erprobung neuer Fortbildungsmodelle und -inhalte befassen, sind entstanden. Das erste Fachsymposium für ärztliche Dozenten fand 1993 in Würzburg statt. Parallel dazu wurde seither jeweils in Würzburg ein Fortbildungsseminar durchgeführt, das sich unter anderm mit neuen Themen wie "Klinische Arzneimittelprüfung" befaßt.
Daneben zielt die neue Fortbildungspolitik der Bundes­ärzte­kammer auf die Bereitstellung entsprechender Normen für gute ärztliche Fortbildung, die Verabschiedung von Leitlinien und die Bereitstellung von Lernzielkatalogen, zum Beispiel Allgemeinmedizin, Umweltmedizin, zum Fachkundenachweis "Rettungsdienst", Arbeitsmedizin, Rehabilitation.
Schließlich entwickelte sich das Forum der Bundes­ärzte­kammer "Gesundheit und Umwelt", das auf Initiative von Prof. Dr. Heyo Eckel seit1991 jährlich stattfindet, von einem umweltmedizinischen Expertentreffen zu einer Multiplikatorenfortbildung mit Themen wie zum Beispiel Umweltschutz im Krankenhaus, Umweltbelastungen von Nahrungsmitteln, umweltmedizinische Untersuchungen in Mitteleuropa sowie Umwelt und Verkehr.
In der allerjüngsten Zeit haben neue Medien - audiovisuelle Medien, Telemedizin - neue Bereiche für die Fortbildung erschlossen und die damit bestehenden grenzüberschreitenden Möglichkeiten, wobei sich mit dieser Art Fortbildung der Kreis zum internationalen Wissensaustausch schließt. Im Laufe der Jahre wurden viele Referenten und um die Fortbildung verdiente Persönlichkeiten mit der vom Vorstand der Bundes­ärzte­kammer am 13. Januar 1962 für Verdienste um die ärztliche Fortbildung geschaffenen Ernst-von-Bergmann-Plakette ausgezeichnet zum Dank für ihre ehrenamtliche Mitwirkung in der ärztlichen Fortbildung, nicht nur im Rahmen der Bundes­ärzte­kammer, sondern auch in anderen Bereichen.
Ausblick
Die mittelfristige Einführung neuer Wege, ein evolutionärer Wandel in der medizinischen Fortbildung, erfordert eine Umorientierung mancher Referenten. Sie müssen sich mit allen didaktischen Möglichkeiten vertraut machen und sollten mit einem veränderten Lehr- und Lernablauf eigene positive Erfahrungen gemacht haben, um sie überzeugend einsetzen zu können. Dies ist eine große Aufgabe, eine Verpflichtung für Veranstalter, Planer und Referenten, den organisatorischen und methodischen Stand nicht nur zu halten, sondern an seiner ständigen Verbesserung zu arbeiten: Eine Verpflichtung der ärztlichen Selbstverwaltung, die der Fortbildungspflicht des einzelnen Arztes entspricht.


Zitierweise dieses Beitrags:
Dt Ärztebl 1997; 94: A-2121-2126
[Heft 33]


Anschriften der Verfasser
Sanitätsrat Prof. Dr. med.
Franz Carl Loch
Riegelsberger Straße 10
66125 Saarbrücken-Dudweiler


Dr. med. P. Erwin Odenbach
Kapellenstraße 22-24
50997 Köln-Rondorf

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