ArchivDeutsches Ärzteblatt33/1997Die tiefe Venenthrombose: Bedeutung der Kompressionssonographie

MEDIZIN: Diskussion

Die tiefe Venenthrombose: Bedeutung der Kompressionssonographie

Habscheid, W.

Zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Curt Diehm Dr. med. Frank Stammler Dr. med. Klaus Amendt in Heft 6/1997
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LNSLNS Sehr zu begrüßen ist, daß in der lesenswerten Abhandlung die große Bedeutung der bildgebenden Sonographie bei der Diagnostik der symptomatischen akuten tiefen Venenthrombose dargestellt wird. Durch ihren Einsatz hat sich gegenüber der "Phlebographieära" die Zahl der entdeckten Beinvenenthrombosen im Alltag des Klinikarztes etwa verdoppelt! Dies ist aber nur möglich, wenn die Methode freizügig beim geringsten klinischen Verdacht eingesetzt wird. Verfolgt man diese Strategie, so wird die "Beinvenensonographie" zu einer der häufigsten organbezogenen Einzelanforderungen im Ultraschalllabor. Bei den großen Untersuchungszahlen spielt naturgemäß die zu erwartende Untersuchungsdauer eine große Rolle. Diese liegt, wie angegeben, bei der farbkodierten Duplexsonographie (FKDS), die primär auf die Darstellung der Offenheit des Gefäßlumens abzielt, bei etwa 20 Minuten pro Bein. Da bei einer Untersuchung prinzipiell beide Beine (zirka 20 bis 30 Prozent der Thrombosen sind beidseitig) geschallt werden sollten, ist eine Dauer von 40 Minuten zu veranschlagen, was viele Ultraschalllabors bei zu erwartenden mehrfachen täglichen Anforderungen an den Rande der personellen Dekompensation bringen kann.
In diesem Zusammenhang und auch unter der Kenntnis, daß nicht überall ein Farbdopplergerät zur Verfügung steht, ist es wichtig, darauf hinzuweisen, daß die mit dem alleinigen B-Bild-Sonogramm durchführbare Kompressionssonographie ein Verfahren ist, mit dem, wie Studien zeigen (1-4), auch im Unterschenkel symptomatische akute Thrombosen mit einer Sensitivität von zirka 90 Prozent und einer Spezifität von über 95 Prozent dargestellt werden können. Da im Gegensatz zur FKDS nicht das offene, sondern das verschlossene Lumen ("nicht komprimierbarer, echoarmer Strang an typischer Stelle") aufgesucht wird, liegt die Untersuchungszeit im Vergleich zur FKDS bei etwa der Hälfte. Prinzipiell kann eine Venensonographie bei der Suche nach einer akuten Thrombose ohne Verlust an Treffsicherheit so konzipiert werden, daß mit dem Ultraschallgerät zunächst mit der Technik der Kompressionssonographie eine eventuelle Thrombose aufgespürt wird und die Farbe erst eingeschaltet wird, um einen Verschluß näher hämodynamisch zu charakterisieren (Randfluß, flottierendes Thrombusende, Kollateralen und anderes). An dieser Stelle sollte auch erwähnt werden, daß die im Unterschenkel liegenden Venen des Musculus gastrocnemius und soleus, welche bei bettlägerigen Patienten durch Thrombosierung häufig als Starter eines Verschlusses der tiefen Leitvenen fungieren, mit der FKDS wegen des inkonstant nachweisbaren Flusses nur unsicher auf Offenheit geprüft werden können. Verschlüsse in diesem Bereich sind aber ab einem Durchmesser von zirka 0,5 cm allein durch die Kompressionssonographie gut erkennbar. Unabhängig von diesen Überlegungen bleibt festzuhalten, daß jede Ultraschallmethode ein untersucherabhängiges Verfahren ist, dessen Interpretation speziell bei der Untersuchung der Unterschenkelvenen wegen der dort vorliegenden komplexeren Anatomie einer größeren Erfahrung bedarf, die durch strukturierte Ausbildung und Übung gewonnen werden muß.


Literatur
1 Elias A, Le Croff G, Bouvier JL et al.: Value of real-time B-mode ultrasound imaging in the diagnosis of deep vein thrombosis of the lower limbs. Intern Angiol 1987; 6: 175-182.
2 Habscheid W, Landwehr P: Diagnostik der akuten tiefen Beinvenenthrombose mit der Kompressionssonographie. Ultraschall 1990; 11: 268-273.
3 Krings W, Adolf J, Diedrich S et al.: Diagnostik der tiefen Becken-Bein-Venenthrombose mit hochauflösender Real-time- und cw-Dopplersonographie. Radiologe 1990; 30: 525-531.
4 Yurcel KE, Fisher JS, Egglin ThK et al.: Isolated calf venous thrombosis: Diagnosis with compression vs. Radiology 1991; 179: 443-446.


Priv-Doz. Dr. med. W. Habscheid
Medizinische Klinik
Paracelsus-Krankenhaus Ruit
Heldelfingerstraße 166
737690 Ostfildern

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