ArchivDeutsches Ärzteblatt33/1997Kunstprojekt: Eine Stadt geht auf Tuchfühlung

VARIA: Feuilleton

Kunstprojekt: Eine Stadt geht auf Tuchfühlung

Planko, Tanja

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LNSLNS Um die Jahrhundertwende war Velbert-Langenberg eine Stadt von internationaler Bedeutung in der Herstellung und im Export von Seidenprodukten. Die Aktion "Tuchfühlung" des Kunstvereins Langenberg nimmt Bezug auf die Geschichte des Ortes: Rund 120 Künstler werden ein Segel gestalten. Diese Segel werden dann bis zum 27. August in den beiden Bächen aufgestellt, die durch den Ort fließen.
Der Düsseldorfer Künstler Mario Reis gestaltet zum Beispiel in den Farben Blau und Gelb. Die beiden Farben werden deckungsgleich auf die beiden Seiten des Segels aufgetragen. Wenn man beide Seiten zusammensetzt, ergibt sich die gelbe Gestalt eines Menschen mit ausgebreiteten Armen auf blauem Untergrund. Dieser Mensch steht der Welt offen gegenüber. Beschränkt sich der Besucher in Langenberg jedoch darauf, eine Seite des Segels zu betrachten, erinnert die gelbe Form an die Strahlen eines Sterns. Und Sterne wurden in der Seefahrt früher als Wegweiser benutzt. So steht am Ende der Überlegungen wieder das Segel.
Weitere 130 Künstler werden auf den Untertitel der Aktion "Die Haut - das Gewand - das Haus" eingehen und Ecken und Nischen des historischen Stadtkerns umgestalten. Hier wird dem Besucher erst richtig bewußt, wie viele verschiedene Formen Kunst annehmen kann: Karin Veldhues aus Münster wird eine Lichtprojektion auf ein halbmondförmiges Waldstück kreieren. Der Düsseldorfer Künstler Rainer Junghanns wird drei seismographische Kästen in Nischen installieren. Seismographie bekommt durch diese Arbeit eine ganz andere Dimension: "Seismographie hat für mich vor allem mit Schwingungen, Balance und Disbalance, kurz: mit Erleben zu tun", stellt der Künstler fest.
Das Erleben steht auch bei Cornelius Hirsch aus München im Vordergrund: er errichtet eine begehbare TonHalle (Klangskulptur). In Anlehnung an Wagners "Rheintöchter" werden drei Deilbachtöchter dem gleichnamigen Bach entsteigen und in der Halle zu den Tönen B A C H musizieren. Währenddessen wird ein jeweils neunköpfiges Publikum gemeinsam mit den drei Sängerinnen den Pauschalchor "Weg und Ort" aufführen und dabei Tonkugeln kneten. Tanja Planko
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