ArchivDeutsches Ärzteblatt33/1997Börsebius zu Immobilienfonds: Fest gemauert?

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu Immobilienfonds: Fest gemauert?

Dtsch Arztebl 1997; 94(33): [56]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Wenn Sie heute in ein Beratungsgespräch zu einem Banker gehen und, sagen wir mal, aus einer Erbschaft 200 000 Mark anzulegen hätten, dann dürfen Sie getrost damit rechnen, daß Ihnen auch ein offener Immobilienfonds wärmstens ans Herz gelegt wird.
Ob es der Grundwertfonds ist, der DespaFonds, Hansaimmobilia oder welcher auch immer, die Argumente lauten heuer wie ehemals: stetige Wertentwicklung seit Jahren, kein Risiko, Substanzwert par excellence, nicht zu vergleichen mit den riskanten geschlossenen Immobilienfonds (richtig!). Neu hinzugekommen ist die Einschätzung, Immobilienfonds seien genau das richtige für Leute, die den Euro fürchten wie der Teufel das Weihwasser.
So nimmt es denn auch nicht wunder, daß die 14 wichtigsten offenen Immobilienfonds derzeit ein Vermögen von fast 80 Milliarden Mark verwalten, und jeden Tag fließen die Einlagen munter weiter zu. So kam alleine der DespaFonds in den ersten sechs Monaten dieses Geschäftsjahres zu neuen Geldern in Höhe von 778 Millionen Mark.
Indes, wo soll das Geld angelegt werden? Der deutsche Markt für Gewerbeimmobilien blüht nicht gerade, um es mal vorsichtig auszudrücken. In Berlin zum Beispiel und in den neuen Bundesländern sowieso gibt es jede Menge Großprojekte, die partout nicht zu vermieten sind, die Leerstände in Frankfurt, Düsseldorf und München sind auch nicht von Pappe. Mietvorstellungen von ehemals sind längst nicht mehr durchzusetzen, das drückt natürlich auch auf die Rendite der Immobilienfonds.
Auf der anderen Seite kann das Geld auch nicht ewig in der Kasse bleiben, dort fallen ja noch niedrigere Zinsen an. Es gibt Immobilienfonds, deren Barvermögen fast ein Drittel des Vermögens ausmacht. Bloß, es kann nicht Aufgabe des Fonds sein, Gelder kurzfristig anzulegen, das kriegt der Kunde notfalls auch selber hin.
Also suchen die Manager neue Märkte: Hotels, Gewerbeparks und Sozialimmobilien zum Beispiel. Die meisten aber haben längst ihre Fühler ins Ausland gerichtet. Die wichtigsten Ziele sind die Immobilienmärkte in den Niederlanden, Belgien, Österreich, Großbritannien und den USA, um nur einige zu nennen. Der GrundbesitzInvest macht bereits rund ein Fünftel seiner Geschäfte nicht mehr hierzulande, und er will das Auslandsgeschäft sogar auf 30 Prozent hochziehen.
Auslandsgeschäft heißt neben zweifellos bestehenden Chancen aber auch: höhere Kosten für die Devisenabsicherung, höhere Kosten für die Kontrolle, schärfere Konkurrenz. Es muß jedem klar sein, den Fondsmanagern zuvorderst, daß damit auch die Risiken steigen. Börsebius
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