ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 2/2010IT für das Gesundheitswesen: Branche im Wandel

SUPPLEMENT: PRAXiS

IT für das Gesundheitswesen: Branche im Wandel

Dtsch Arztebl 2010; 107(15): [12]

Krüger-Brand, Heike E.

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Der Verband der Hersteller für IT im Gesundheitswesen (VHitG) will die Standardisierung von Healthcare-IT-Lösungen voranbringen und sich stärker als Ansprechpartner für Politik und Selbstverwaltung profilieren.

Die IT-Unternehmen der Gesundheitsbranche stehen vor großen Herausforderungen: Direkter als andere Branchen sind sie den Auswirkungen strukturpolitischer Entscheidungen unterworfen und bewegen sich in einem sehr regulierten Markt. Im ambulanten Sektor beispielsweise wird das Vertragsmanagement derzeit fundamental umgestaltet: „Es explodiert förmlich durch die Selektivverträge nach § 73 b SGB V“, erklärte Jens Naumann, Vorstandsmitglied des Verbands der IT-Hersteller im Gesundheitswesen (VHitG; www.vhitg.de) und Geschäftsführer der medatiXX GmbH, bei einem Pressegespräch in Berlin. „Die Frage ist: Wie setzt man Selektivverträge in IT um?“ Statt der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hätten Krankenkassen und Hausarztverbände hierfür die Spezifikationshoheit übernommen. Derzeit betreffe das noch vorrangig den ambulanten Sektor, doch mit einer Zunahme der Facharztverträge werden auch die Krankenhäuser davon betroffen sein, und die intersektorale Kommunikation verschärfe die Situation zusätzlich, meinte Naumann. Die Folge seien eine Vielzahl von Schnittstellenbeschreibungen und Datenformaten sowie unterschiedliche Gebührenordnungen für die Verträge, die viele Hausärzte in ihrer Logistik überforderten. „Die EDV muss hierfür Lösungen schaffen“, sagte Naumann.

Weil Arztpraxen, Krankenhäuser und andere medizinische Einrichtungen zunehmend darauf angewiesen sind, immer mehr Daten aus heterogenen Quellen möglichst effizient und wirtschaftlich elektronisch zu verarbeiten, sind informationstechnische Inseln obsolet geworden. Wissens- und Prozessmanagement werden aus Sicht des IT-Verbands immer wichtiger. Hinzu kommt als weitere Herausforderung die Konvergenz von Medizintechnik und IT, die künftig eine intensivere Zusammenarbeit der beiden Branchen erfordert.

Der VHitG als Repräsentant der führenden IT-Anbieter im Gesundheitswesen macht sich daher stark für Vernetzungs- und Kommunikationsstandards, um den Austausch von Daten und Prozessinformationen im Rahmen der sektorenübergreifenden Kommunikation voranzutreiben und praktikable Organisations- und Infrastrukturlösungen umzusetzen. Dies geschieht nicht nur im Interesse der Anwender, sondern auch, „weil das dem Eigeninteresse nutzt“, betonte Andreas Lange von Tieto Deutschland und VHitG-Vorstandsvorsitzender. Eigeninteresse bedeutet: Man will den Entwicklungsaufwand für die Mitgliedsunternehmen minimieren und Fehlentwicklungen sowie unpraktikable Workflows bei den Anwendern vermeiden.

Inzwischen gibt es elf Arbeitsgruppen innerhalb des VHitG, die regelmäßig tagen und branchenrelevante Themen bearbeiten, etwa zur Arznei­mittel­therapie­sicherheit, zu Entgeltsystemen, zur Interoperabilität, zur Qualitätssicherung und zur Gesundheitskarte/Tele­ma­tik­infra­struk­tur. Die Ergebnisse werden allen Mitgliedsunternehmen zur Verfügung gestellt, wie etwa zuletzt eine FAQ (Frequently Asked Questions)-Liste zu den neuen Regelungen und Auswirkungen des Medizinproduktegesetzes. Erst kürzlich hat der VHitG zudem mit dem Verein elektronische Fallakte ein Memorandum of Understanding vereinbart, um den standardisierten einrichtungsübergreifenden Datenaustausch in diagnosebezogenen Versorgungsnetzen zu ermöglichen. Ein erfolgreiches Beispiel der Standardisierungsbemühungen ist auch der VHitG-Arztbrief für den Austausch strukturierter ärztlicher Dokumente, der frei öffentlich verfügbar ist. Darüber hinaus will sich der Verband als wettbewerbsneutrale Plattform der IT-Anbieter künftig noch stärker als Ansprechpartner für die Politik profilieren und frühzeitig branchenrelevante gesetzliche und strukturelle Neuregelungen begleiten.

Als eine offene Dialogplattform dient dabei auch die IT-Kongressmesse „conhIT“ (www.conhit.de), die der Verband bereits zum dritten Mal gemeinsam mit der Messe Berlin ausrichtet (Kasten). Heike E. Krüger-Brand


Branchentreff conhIT in Berlin
Bereits zum dritten Mal richtet der VHitG gemeinsam mit der Messe Berlin die conhIT, den „Branchentreff für Healthcare-IT“, aus. Vom 20. bis 22. April 2010 können sich Ärzte und andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen auf dem Berliner Messegelände über aktuelle Entwicklungen in der Gesundheitstelematik, etwa im Wissensmanagement oder im Hinblick auf Archivierungs- und Vernetzungslösungen, informieren.

Messe: An der Industriemesse beteiligen sich 200 Aussteller, darunter große Unternehmen wie Agfa Healthcare, SAP, Isoft, Tieto, Siemens Healthcare, Cisco, Nexus und 3M.

Kongress: Zusätzlich zur Ausstellung findet jeweils vormittags ein Kongress statt, den die Ärztekammer Berlin mit drei Punkten je Tag für die ärztliche Fortbildung zertifiziert hat. Er befasst sich hauptsächlich mit den Themen Tele­ma­tik­infra­struk­tur, rechtssichere Archivierung, IT-gestützte Kooperation, Konvergenz von Medizintechnik und IT sowie Telemedizin.

Akademie: Dritte Komponente der dreitägigen Veranstaltung ist die conhIT-Akademie. Sie bietet drei mehrstündige Intensivseminare zu den Themen „rechtliche Fallen bei IT-Projekten“, „Risikomanagement bei medizinischen IT-Systemen“ und „Usability Engineering“ an. Akademietickets müssen zusätzlich zur conhIT-Eintrittskarte erworben werden.

In diesem Jahr kooperiert die conhIT zudem erstmals mit dem Deutschen Chirurgenkongress: Der 127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie findet ebenfalls vom 20. bis 23. April 2010 im ICC Berlin statt. Erwartet werden rund 5 000 Besucher aus allen Teilfächern der Chirurgie. Zentrale Themen: fächerübergreifende Schnittstellen, funktionierende Kommunikation und Patientensicherheit. Informationen und Registrierung online unter www.chirurgie2010.de. Die Tickets von conhIT und Chirurgenkongress sind für beide Veranstaltungen gültig.
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