ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2010Interview: Was ethisch geboten ist
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LNSLNS Wie dem Interview des Ge­sund­heits­mi­nis­ters an ganz prominenter Stelle zu entnehmen ist, widerspricht eine Priorisierung medizinischer Leistungen seinen ethischen Vorstellungen. Dass man jedem alles geben muss, ist ja eigentlich die luxuriöse Sichtweise eines Heiligen, gehört aber sicherlich nicht zur Haltung, die der höchste Verantwortliche für das Gesundheitssystem einnehmen sollte. Seine ureigenste Aufgabe wäre es, die immer (!) beschränkten Mittel optimal zum Wohl aller zu verteilen und nicht, sich seinen altruistischen Fantasien hinzugeben. Nun glaube ich nicht, dass Herrn Rösler das Prinzip der Priorisierung im medizinethischen Kontext unbekannt ist – das wäre auch zu traurig. Denn: Eine transparente Priorisierung von Leistungen ist fundamentaler Bestandteil einer jeden ethisch verantworteten Entscheidung – zumindest auf einer höheren organisatorischen Ebene. Wer dies leugnet, leistet einer verdeckten Rationierung Vorschub und dies sicherlich nicht zum Wohle der Patienten. Wem es nützt? Darüber kann man spekulieren – aber ethisch wäre eine solche Haltung nicht.

Was allerdings ethisch geboten ist, ist eine offene und sachliche Priorisierungsdebatte unter Einbeziehung aller Fachverbände, der Standesvertretungen und der Industrie. Dass ein solches Projekt unendlich schwierig ist und jederzeit davon bedroht ist, von Partikularinteressen zerrieben zu werden, muss jedem klar sein. Die Bundesregierung täte gut daran, eine solche Debatte mit allen Kräften zu unterstützen. Ist sie doch wahrscheinlich die einzige Autorität, die in der Lage wäre, die allgegenwärtigen Interessenvertreter und Lobbyisten zur Raison zu bringen.
Dr. Gregor Scheible, 81675 München
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