ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2010Binge-Eating-Störung: Der Körper im Vordergrund

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Binge-Eating-Störung: Der Körper im Vordergrund

PP 9, Ausgabe April 2010, Seite 182

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LNSLNS Beim Besuch von Kaufhäusern und Modeboutiquen steht Kleidung und damit auch der Körper im Vordergrund. Hierbei geht es vor allem um Figur und Gewicht, um Proportionen, Idealmaße und Schönheit. Die Beschäftigung mit dem Äußeren ist jedoch nicht immer ein Vergnügen, sondern kann unerwünschte Folgen haben. Das belegt eine Studie, die Psychologen an der Universität Freiburg durchgeführt haben. Sie zeigten 27 Frauen, die unter einer Binge-eating-Störung litten, und 25 nichtbetroffenen Frauen einen Kurzfilm, in dem zwei Frauen beim Besuch eines Modegeschäfts zu sehen waren. Während der Film bei den nichtbetroffenen Teilnehmerinnen keine Emotionen auslöste, waren die Binge-eating-Patientinnen anschließend trauriger und ängstlicher. Außerdem verspürten sie einen verstärkten Drang zum Essen. Die Wissenschaftler vermuten, dass der körperbezogene Film bei den betroffenen Frauen zu einem Vergleich ihres Körpers mit dem der Schauspielerinnen führte. Da essgestörte Frauen oft unzufrieden mit ihrem Körper sind und eine verzerrte Körperwahrnehmung haben, fiel dieser Vergleich wahrscheinlich zu ihren Ungunsten aus. Das löste negative Emotionen aus, die dysfunktional reguliert wurden, vor allem durch unkontrollierbare Heißhungeranfälle oder den starken Drang, große Mengen an Nahrung zu verschlingen. In diesem Zusammenhang ist auch an Modezeitschriften, Model-Casting-Shows und Laufstegpräsentationen zu denken. Die Darstellung ausschließlich überschlanker Frauen erhöht nicht nur die Körperunzufriedenheit bei Mädchen und Frauen, sondern kann vor allem bei Essgestörten Symptome und Anfälle triggern. ms

Svaldi J, Caffier D, Blechert J, Tuschen-Caffier B: Body-related film clip triggers desire to binge in women with binge eating disorder. Behaviour Research & Therapy 2009; 47(9): 790–6.
Dr. Jennifer Svaldi, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Universität Freiburg, Engelbergerstraße 41, 79105 Freiburg, E-Mail: jennifer.svaldi@psycholo gie.uni-freiburg.de
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