ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2010Depressionen: Männer suchen keine Hilfe

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Depressionen: Männer suchen keine Hilfe

PP 9, Ausgabe April 2010, Seite 182

MS

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LNSLNS Wie gehen Männer mit Depressionen um? Dieser Frage sind Psychologen der University of Iowa, USA, anhand von Tiefeninterviews mit 15 betroffenen Männern nachgegangen. Obwohl die Studie nicht repräsentativ ist, zeigten sich einige typische Verhaltensmuster. Beispielsweise verschweigen, verheimlichen oder überspielen Männer es in der Regel, wenn es ihnen schlecht geht, und sie suchen keine Hilfe. Sie haben Angst, als Schwächlinge zu gelten und ausgegrenzt oder benachteiligt zu werden. Stattdessen versuchen sie, sich selbst zu „therapieren“: Sie betäuben sich durch Medikamente, Drogen, Alkohol und andere Suchtmittel, lenken sich durch Arbeit, Sexualität, Medien oder Sport ab, leben aggressive oder kriminelle Impulse aus, ziehen sich zurück, vermeiden Kontakte, verlieren an allem das Interesse oder wählen den Freitod. Dies verschlimmert die Erkrankung jedoch meist noch. Aus Scham und Angst vor Stigmatisierung gelingt es nur wenigen, konstruktive Strategien im Umgang mit Depressionen anzuwenden und sich soziale Unterstützung oder professionelle Hilfe zu suchen. Genau das sollten betroffene Männer aber nach Meinung der Psychologen versuchen. Sie empfehlen depressiven Männern, offen zu sein, Gefühle zu zeigen, Schwächen zuzugeben und ihre Erkrankung nicht länger zu tabuisieren. Darüber hinaus sollten sie sich jemandem aus dem sozialen Umfeld anzuvertrauen. Ist diese Hemmschwelle erst einmal überwunden, fällt der nächste Schritt, der beispielsweise das Aufsuchen einer Therapiestelle oder einer psychotherapeutischen Praxis beinhaltet, schon leichter. Da Männer oft erst in einem fortgeschrittenen Erkrankungsstadium freiwillig nach Hilfe suchen, kommt Angehörigen, die sie für eine Therapie gewinnen können, eine besondere Bedeutung zu. ms

Chuick C et al.: A qualitative investigation of depression in men. Psychology of Men & Masculinity 2009; 10(4): 302–13.
Christopher Chuick, University of Iowa, USA, E-Mail: Christopher.Chuick@va.gov
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