ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/1997Allgemeinmedizin: Weiterbildungzeit von bis zu zehn Jahren verdient

SPEKTRUM: Leserbriefe

Allgemeinmedizin: Weiterbildungzeit von bis zu zehn Jahren verdient

Pietrek, Wolfgang

Zu unserer Berichterstattung vom 100. Deutschen Ärztetag zur Weiterbildung in Allgemeinmedizin ",Hausarzt-Debatte' fürs erste beendet" von Heike Korzilius in Heft 24/1997:
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LNSLNS Die fünfjährige Weiterbildung zum Allgemeinarzt ist nun also in Sicht. Sie sei zur qualitativ hochwertigen Versorgung der Bevölkerung unverzichtbar (Dr. med. G. Nick, LÄK Rheinland-Pfalz), außerdem stellte man die Frage, ob Allgemeinärzte Ärzte zweiter Klasse werden sollten, wo doch für alle kleinen Fächer eine fünfjährige Weiterbildung Pflicht sei (PD Dr. sc. med. V. Braun, ÄK Berlin). Solche "Argumente" wurden in dieser Debatte angeführt, um uns zu suggerieren, es stände schlecht um die Qualität und das Ansehen der Hausärzte in Deutschland. Ich kenne dazu keine Studien oder öffentlichen Umfragen, aber ich kenne nicht wenige hervorragende - auch junge - praktische Ärzte und Allgemeinmediziner und deren zufriedene Patienten. Allgemeinmedizin als großes Fach hätte sicher eine Weiterbildungszeit von sieben bis zehn Jahren verdient. Warum nicht - hängen wir doch die anderen Fachrichtungen endlich ab! Nicht kleinlich sein, es trifft nicht uns, sondern die überzähligen Studienabgänger des Faches.
Ich selbst mußte auch durch das Nadelöhr Innere und Chirurgie bei zirka 1 800 DM monatlich mit Familie. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß sich Perioden der Arbeitslosigkeit bestens mit den Trockenkursen von aktuell 240 Stunden (zirka 2 700 DM) und bald "nur noch" 80 Stunden bei fünfjähriger Weiterbildung überbrücken lassen.
Bevor man sich zu diesem Fach entschließt, sollte man noch einen Blick auf die Inhalte werfen; zum Beispiel: . . . Zur Allgemeinmedizin gehören . . . eingehende Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten . . . in der Koordinierung der ärztlichen Behandlung . . . auch durch Zusammenführen, Bewerten und Aufbewahren der Befunde, . . . der Versorgung Unfallverletzter und Erstversorgung chirurgischer Notfälle, . . . der Methodik und Durchführung des speziellen Labors des Gebietes . . . Vage Andeutungen, sonst nichts. Punkt eins ist nicht verkehrt, aber die Druckerschwärze nicht wert, Punkt zwei - akute Notfälle versorgen ja, aber warum explizit Unfallverletzte? Punkt drei - was gehört zum speziellen Labor des Gebietes, wo kann man eingehend Erfahrungen in der Durchführung (wie gefordert) des ominösen Labors sammeln?
Das Rätselraten ließe sich fortsetzen.
Leider habe ich bei der Vielzahl der Interessenverbände vergessen, wie sich der Deutsche Ärztetag zusammensetzt (welche Fachgruppen) und wie sich die Entscheidungsträger legitimieren. Helfen Sie mir auf die Sprünge. Danke.
Wolfgang Pietrek (AiW),
Am Wasserbogen 90, 82166 Locham
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