ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2010Auch Dutasterid beugt Prostatakarzinom vor

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Auch Dutasterid beugt Prostatakarzinom vor

Dtsch Arztebl 2010; 107(15): A-684 / B-596 / C-588

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Der 5-Alpha-Reduktase-Inhibitor Dutasterid hat in einer randomisierten klinischen Studie (NEJM 2010; 362: 1192–202) die Häufigkeit von bioptisch gesicherten Prostatakarzinomen signifikant gesenkt. Der Hersteller will eine Indikationsausweitung seines zur Behandlung der benignen Prostatahyperplasie zugelassenen Medikaments beantragen. Ein Editorialist erteilt dem Konzept einer Chemoprävention mit 5-Alpha-Reduktase-Inhibitoren, welche die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron hemmen, dagegen eine klare Absage (NEJM 2010; 362: 1237–8).

Vor sieben Jahren konnte im Prostate Cancer Prevention Trial gezeigt werden, dass der 5-Alpha-Reduktase-Inhibitor Finasterid die Zahl der Krebsdiagnosen relativ um 25 Prozent senkt, allerdings kam es gleichzeitig zu einem Anstieg von High-grade-Prostatakarzinomen, bei denen die Therapieaussichten am schlechtesten sind (NEJM 2003; 349: 215–24).

Kürzlich kam der Finnish Prostate Cancer Trial, eine Beobachtungsstudie (BJC 2009; 101: 843–8), zu dem Ergebnis, dass unter Finasterid zwar seltener relativ benigne Karzinome (Gleason 2–6) auftreten (Hazard Ratio 0,59; 95-Prozent-Konfidenzintervall [95%-KI] 0,38–0,91), dafür aber High-grade-Tumoren (Gleason 7–10) tendenziell häufiger (Hazard Ratio: 1,33; 95%-KI 0,77–2,30).

Jetzt liegen die Ergebnisse zum Wirkstoff Dutasterid vor, der anders als Finasterid beide Isoenzyme der 5-Alpha-Reduktase hemmt. An der „Reduction by Dutasteride of Prostate Cancer Events“(REDUCE)-Studie hatten in 250 Zentren in 42 Ländern 8 231 Männer im Alter von 50 bis 75 Jahren teilgenommen. Sämtliche Probanden hatten ein erhöhtes Risiko auf ein Prostatakarzinom, weil ihr PSA-Wert auf 2,5 bis 10 ng/ml angestiegen war. Bei allen war die Biopsie jedoch negativ ausgefallen. Die Studienteilnehmer nahmen über vier Jahre täglich Placebo oder 0,5 mg Dutasterid ein. Bei den Kontrollbiopsien nach zwei und vier Jahren wurde bei 659 Männern im Dutasterid-Arm (19,9 Prozent) und bei 858 Männern im Placebo-Arm (25,1 Prozent) ein Prostatakarzinom gefunden. Dies entspricht einer relativen Reduktion um 22,8 Prozent (95%-KI: 15,2–29,8 Prozent).

Ähnlich wie bei Finasterid war die Reduktion vor allem auf Karzinome mit dem günstigen Gleason-Score 5 bis 6 beschränkt (18,1 versus 13,2 Prozent), während die High-grade-Karzinome (Gleason-Score 7–10) nicht seltener auftraten als unter Placebo (6,7 versus 6,8 Prozent). Rüdiger Meyer
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