ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2010Deutsche Einheit: Wesentliche Akzente gesetzt
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Zum Zeitpunkt der Wende waren viele Mitglieder der Ärzteschaft bereit, politische Verantwortung bei der Umgestaltung zu übernehmen . . . Neben den kirchlichen Vertretern war die Ärzteschaft die zahlenmäßig stärkste „Fraktion“ in der „Übergangsvolkskammer“ nach der Wahl vom 18. März 1990.

Ich selbst war Abgeordneter der CDU. Kaum einer von uns hatte echte Erfahrungen in politischer Arbeit, aber das wurde durch den Enthusiasmus, mit dem wir uns der unbekannten Aufgabe stellten, ausgeglichen . . .

Unsere Arbeitsbedingungen waren denkbar schlecht, so erhielten die meisten Abgeordneten erst Mitte Juni 1990 ein eigenes Arbeitszimmer, Computer und Kopierer waren Mangelware. Der Arbeitstag zählte 15 bis 18 Stunden, eine Unzahl von Gesetzen galt es in kürzester Zeit zu erstellen, die Teilnahme an den Sitzungen des Plenums war durchweg sehr gut, und die verschiedenen Ausschüsse arbeiteten praktisch ständig. Ich selbst war im „Gesundheits- und Sozialausschuss“ tätig, wobei mir der Bereich „Krankenhaus und Rettungswesen“ besonders am Herzen lag und ich bei der Erarbeitung des „Krankenhausfinanzierungsgesetzes“ und des „Rettungsdienstgesetzes der DDR“, das als letztes Gesetz der Volkskammer beschlossen wurde, wesentliche Akzente setzen konnte. Mit diesem Gesetz war es mir gelungen, ansatzweise die sehr guten Erfahrungen aus dem Bereich des Rettungsdienstes – dem Bereich der SMH für den prästationären Bereich und der Rettungsstellen als Bindeglied zum stationären Bereich – einzubringen. Beispielhaft seien die Hilfsfrist von zehn Minuten, der Ärztliche Leiter Rettungsdienst, die integrierte Leitstelle, die personelle Besetzung der Rettungsfahrzeuge und die Maßnahmen beim Massenanfall von Geschädigten genannt.

Die spätere Umsetzung dieses Gesetzes in den neuen Ländern ist ein Spiegelbild der Folgen der erfolgten Einmischung von Nichtfachleuten aus den alten Bundesländern, die die bisherigen Gegebenheiten überhaupt nicht kannten und sich damit auch nicht vertraut machen wollten.

Die Mehrzahl der damaligen als Abgeordnete tätigen Ärzte hat sich bald aus dem aktiven politischen Geschäft mit ernüchternden Erkenntnissen . . . zurückgezogen.

Trotzdem muss ich retrospektiv feststellen, dass ich die damalige Tätigkeit und die daraus gewonnenen Erkenntnisse als ganz wichtigen Zeitraum meiner ärztlichen Tätigkeit ansehe und nicht missen wollte.
Dr. med. Walter Fiedler, 39615 Seehausen
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