ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2010Science-Center: Begreifen, was uns bewegt

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Science-Center: Begreifen, was uns bewegt

Dtsch Arztebl 2010; 107(15): A-717 / B-623 / C-615

Ehrhardt, Jana

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LNSLNS Das Medizintechnikunternehmen Otto Bock hat in Berlin eine Dauerausstellung zum Thema Bewegung und Behinderung eröffnet. Inhaber Hans Georg Näder geht davon aus, dass Mobilität eines der großen Themen unserer Gesellschaft ist.

Fotos: Otto Bock Science Center
Fotos: Otto Bock Science Center
Unter dem Motto „Begreifen, was uns bewegt“ hat das Orthopädietechnik-Unternehmen Otto Bock in Berlin ein Science-Center eröffnet. Mobilität ist eines der großen Themen der heutigen Zeit. Künftig wird es sogar noch an Bedeutung zunehmen: In zehn Jahren sind 24 Millionen Menschen in Deutschland älter als 60 Jahre. Damit wächst auch die Anzahl der Menschen, die auf Hilfsmittel angewiesen sind, um bis ins hohe Alter mobil bleiben zu können.

Wenn Patienten in Zukunft eine Wahl haben, kann es für Medizinproduktehersteller von Vorteil sein, sich bereits als Marke etabliert zu haben. Vor diesem Hintergrund ist die Idee des Otto-Bock-Inhabers Hans Georg Näder, in Berlin eine Dauerausstellung zum Thema Bewegung und Behinderung zu eröffnen, nicht annähernd so verrückt, wie seine Manager anfangs dachten. „Der Chef spinnt“, hieß es, als Näder seine Idee eines Science-Centers erstmals aussprach. 20 Millionen Euro investierte er am Potsdamer Platz, die eine Hälfte für Grundstück und Haus, die andere für die Ausstattung.

Der weiße Würfel in der Nähe des Potsdamer Platzes ist ein Blickfang. Helle Lichtpunkte tanzen über die Fassade, die wie ein faseriger Muskel aus mehreren übereinandergeschichteten Ebenen zu bestehen scheint. Bei genauerem Hinsehen offenbart sich, dass die Punkte dem Gang eines Menschen entsprechen. „Walker“ nennt sich diese Simulation, die auch im Inneren des Hauses zu sehen ist. An einem Bildschirm kann man einstellen, ob der Gang männlich oder weiblich, fröhlich oder traurig sein soll. „Der Walker ist unser neues Leitbild, mit dem wir eine weltweite neue Bewegung begründen“, freut sich Näder – innerhalb einer Woche wurde er bereits 7 000-mal heruntergeladen, täglich kommen 600 Downloads hinzu. Im Foyer hängt außerdem eine Installation aus neun Bildschirmen, die hin- und herpendeln und dabei Hände zeigen, die ineinandergreifen.

Das Science-Center ist zum einen eine Unternehmensrepräsentanz, wie es sie in Berlin viele gibt. Treffen von Experten aus Orthopädietechnik, Medizin und Rehabilitationstechnik sollen dort ebenso stattfinden wie Seminare der Otto Bock Academy. Darüber hinaus steht es der Öffentlichkeit offen:

Das Science-Center ist mehr als eine Unternehmensrepräsentanz: Auf drei Ebenen können Besucher sich mit dem Thema „Begreifen, was uns bewegt“ auseinandersetzen.
Das Science-Center ist mehr als eine Unternehmensrepräsentanz: Auf drei Ebenen können Besucher sich mit dem Thema „Begreifen, was uns bewegt“ auseinandersetzen.
Jeweils von Donnerstag bis Sonntag zwischen zehn und 18 Uhr werden Besuchergruppen unentgeltlich durchs Haus geführt. Zwölf Science Guides erläutern die Ausstellung. An großformatigen Monitoren werden scheinbar selbstverständliche Bewegungsabläufe wie das Gehen oder Greifen erklärt und ein Eindruck von der komplexen Funktionsweise des menschlichen Körpers vermittelt.

Sehenswert ist beispielsweise der „Blick unter die Haut“, ein abgedunkelter Raum, in dem an verschiedenen Bildschirmen Bewegungsmuster erklärt werden oder die Besucher über eine virtuelle, 250 Meter tiefe Schlucht balancieren. Ein weiterer Themenschwerpunkt ist die Bedeutung von medizintechnischen Innovationen für Menschen mit Handicap. Am spannendsten sind jedoch die Ausblicke in die Zukunft der Technik: So wird derzeit verstärkt an Neuroimplantaten gearbeitet. Der Träger muss sich eine Bewegung vorstellen, die die Prothese dann ausführt. Was wie Science-Fiction klingt, soll in zwei Jahren Realität sein. „Ein Leben mit Behinderung muss kein behindertes Leben sein“, sagt Designer Sebastian Peichl, dessen Agentur die Ausstellung konzipiert hat. Weitere Informationen unter: www.sciencecenter-medizintechnik.de
Jana Ehrhardt
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