ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2010Hochvalenter Pneumokokken-Impfstoff: Prävention invasiver Erkrankungen

PHARMA

Hochvalenter Pneumokokken-Impfstoff: Prävention invasiver Erkrankungen

Dtsch Arztebl 2010; 107(15): A-719

Nickolaus, Barbara

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Streptococcus pneumoniae ist meist paarweise gelagert und von einer Polysaccharidkapsel umgeben, die eine entscheidende Rolle für die Pathogenität spielt. Foto: cdc
Streptococcus pneumoniae ist meist paarweise gelagert und von einer Polysaccharidkapsel umgeben, die eine entscheidende Rolle für die Pathogenität spielt. Foto: cdc
Der Pneumokokken-Konjugat-Impfstoff Prevenar 13 erfasst derzeit die meisten Serotypen des Bakteriums – auch den Serotyp 19A, der für schwere Krankheits­verläufe verantwortlich ist.

Erkrankungen im Säuglings- und frühen Kindesalter, die durch Streptococcus pneumoniae ausgelöst werden, gehören zu den risikoreichsten Akutgeschehen in dieser Altersklasse; sie können tödlich enden, mit lebenslangen Behinderungen oder zumindest nichtinvasiven schweren Verläufen verbunden sein. Nicht ohne Grund haben zahlreiche Staaten Impfempfehlungen gegen Streptococcus pneumoniae, bei dem 91 Serotypen derzeit bekannt sind, erlassen. Die Impfprogramme in den einzelnen Ländern variierten je nach den in der Region dominierenden Serotypen, erklärte Prof. Dr. Ralf René Reinert (Wyeth Vaccines Research).

Ab 1983 gab es eine 23-valente Pneumokokken-Polysaccharid-Vakzine, die aber keine ausreichende Immunogenität bei Kleinkindern und Risikogruppen zeigte. Seit 2001 ist eine klinisch wirksame 7-valen-te Pneumokokken-Konjugat-Vakzine (PCV) auf dem Markt, die die sieben Serotypen 4, 6B, 9V, 14, 18C und 23F enthält. Jedoch zeigt sich eine Zunahme von Erkrankungsfällen, die von PCV-7 nicht abgedeckt wird.

Dies manifestiert, dass die Eradikation bestimmter Pneumokokken-Serotypen durch andere gleichsam ersetzt wird (Replacement). Dies betrifft zurzeit vor allem den Serotyp 19A, der durch zusätzliche Antibiotikaresistenzen ein besonderes Risiko darstellt.

Während in Europa darunter vor allem Frankreich und Spanien leiden, trifft dies derzeit (noch) nicht auf Deutschland oder Norwegen mit ihren Impfprogrammen zu. Ebenfalls muss der Serotyp 1, der nicht von PCV-7 abgedeckt wird, eingehend beobachtet werden, da es vereinzelt zu einer Zunahme an Pleuraempyemen durch Typ-1-Pneumokokken kam. In Staaten, die eine Impfung mit Pneumokokken-Konjugat-Impfstoff nicht durchführen (zum Beispiel Korea), wird von einer erhöhten Inzidenz von 19A und 6A zwischen 1991 und 2005 berichtet. Der Dominanz bestimmter Problemkeime trägt nunmehr der 13-valente Pneumokokken-Konjugat-Impfstoff Prevenar 13 (PCV-13) Rechnung; er enthält zusätzlich die Serotypen 1, 3, 5, 6A, 7A und 19A Damit verfügt diese Vakzine über die derzeit breiteste Serotypenabdeckung.

Mit den Standardimpfungen gut verträglich
Prevenar 13 ist für Säuglinge und Kinder zwischen sechs Wochen und fünf Jahren zur Prävention von -invasiven Pneumokokkenerkrankungen, Pneumonie und akuter Otitis media geeignet. Besondere Bedeutung erlangt diese Vakzine dadurch, dass sie als einzige auch den zunehmend häufiger sich zeigenden und besonders schwere Krankheitsverläufe verursachenden Serotyp 19A abdeckt. Damit ist in Deutschland mit einem Impfschutz gegen invasive Pneumokokkenerkrankungen von 90 bis annähernd 100 Prozent zu rechnen (unter PCV-7 sind es derzeit 60 bis 80 Prozent).

Aus den insgesamt 13 Zulassungsstudien ergibt sich, dass PCV- 13 in der Anwendung unter anderem bei 4 400 Säuglingen und einer Boosterimpfung bei 1 700 Kindern keine klinisch signifikanten Unterschiede gegenüber PCV-7 in Sicherheit und Verträglich aufwies und eine Immunantwort erzielt, die der von PCV-7 nicht unterlegen ist. PCV-13 ist aufgrund der Breite des Serotypenspektrums dazu geeignet, einen größtmöglichen Schutz gegen invasive und nichtinvasive Pneumokokkenerkrankungen zu bieten.

Da bei beiden Vakzinen der gleiche Trägerstoff CRM197 eingesetzt wird, an den die Kapselpolysaccharide gebunden sind, ist ein Wechsel zwischen PCV-7 und -13 einfach und jederzeit im Impfzyklus möglich. PCV-13 ist gleichermaßen sicher wie PCV-7 in der Anwendung und gemeinsam mit anderen Standardimpfungen im Säuglings- und Kindesalter gut verträglich.

Eine allgemeine Impfempfehlung für das effektive PCV-7 wurde von der Ständigen Impfkommission im Jahr 2006 ausgesprochen. Die erste Zulassung von PCV-13 erfolgte im Juli 2009 in Chile. Die Zurückdrängung schwerer Pneumokokkenerkrankungen im Rahmen von Impfprogrammen in den vergangenen Jahren wurde nicht nur in den geimpften Kohorten, sondern auch infolge von Herdenimmunitätseffekten bei Nichtimpflingen erzielt. Derzeit wird mit einer Studie an 80 000 Erwachsenen mit Prevenar 13 begonnen.
Dr. phil. Barbara Nickolaus
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