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LNSLNS Den Kolleginnen sei für die klare Stellungnahme gedankt: „Nabelschnurblut ist eben nicht der Jungbrunnen unserer Zeit!“ – und die ethischen Implikationen der „Kombispenden“ sind nicht zu unterschätzen.

Die Feststellung: „Das Potenzial autologer Stammzellen aus Nabelschnurblut für den Einsatz in der regenerativen Medizin ist gering, da die Zellen bis zu ihrem Gebrauch kryokonserviert werden müssen und es nicht möglich ist, aus kryokonserviertem Material klinisch relevante Mengen nicht hämatopoetischer Stammzellen anzuzüchten“ bedarf jedoch der Relativierung.

Neben den beiden hauptsächlichen Schädigungsmechanismen beim Einfrieren (osmotische Dehydratation und intrazelluläre Eisbildung) treten beim Abkühlen, Lagern und Erwärmen biologischer Zellen noch weitere Phänomene auf (zum Beispiel Toxizität der Kryoprotektive, „Kälteschock“, pH-Verschiebungen, Phasenumwandlungen und -separationen, Lipidperoxidation, Vesikulation, Proteindenaturierung, „freie“ Radikale, thermoelastischer Stress, Versprödung, Rissbildung, Devitrifikation, Rekristallisation), die Gegenstand kryobiologischer Forschung sind. In solchen bekannten Schädigungen dürfte die Ursache für das bisher unbefriedigende Ergebnis der Anzüchtung von relevanten Mengen nicht hämatopoetischer Stammzellen durch die Autorinnen liegen (1).

Es ist aber bei Anzüchtungshäufigkeiten von 13 beziehungsweise 19 Prozent eben doch möglich, nicht hämatopoetische Stammzellen auch aus Nabelschnurblut anzuzüchten. Die Autorinnen scheinen jedoch stets ein ähnliches Kryokonservierungsverfahren wie das vor 15 Jahren publizierte zu benutzen (2) und haben keine Variationen hinsichtlich bekannter Einflussfaktoren (zum Beispiel Art und Konzentration des Kryoprotektivs, Kühl- und Erwärmungsrate, Zellkonzentration, Verfahren zur Entfernung des Kryoprotektivs) durchgeführt.

Wir sollten uns deshalb nicht zu sehr auf das Detail „Kryokonservierung gelingt nicht“ berufen, das dachte man auch vor dem Jahr 1949 (3), sondern uns besser auf die ethischen Momente verlassen, wenn wir unsere Patientinnen dahin gehend beraten, auf eine Einlagerung autologer Nabelschnur-Präparate zu verzichten.
DOI: 10.3238/arztebl.2010.0293a


Dr. med. Andreas Sputtek
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Transfusionsmedizin
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
E-Mail: sputtek@uke.uni-hamburg.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Kögler G, Trapp T, Critser P, Yoder M: Future of cord blood for non oncology uses. Bone Marrow Transplant 2009; 44: 683–97. MEDLINE
2.
Rubinstein P, Dobrila L, Rosenfield RE, et al.: Processing and cryopreservation of placental/umbilical cord blood for unrelated bone marrow reconstitution. Proc Natl Acad Sci U S A 1995; 92: 10119–22. MEDLINE
3.
Polge C, Smith AU, Parkes AS: Revival of spermatozoa after vitrification and dehydratation at low temperatures. Nature 1949; 164: 666. MEDLINE
4.
Reimann V, Creuztig U, Kögler G. Stem cells derived from cord blood in transplantation and regenerative medicine [Stammzellen aus Nabelschnurblut in der Transplantations- und regenerativen Medizin]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(50): 831–6. VOLLTEXT
1. Kögler G, Trapp T, Critser P, Yoder M: Future of cord blood for non oncology uses. Bone Marrow Transplant 2009; 44: 683–97. MEDLINE
2. Rubinstein P, Dobrila L, Rosenfield RE, et al.: Processing and cryopreservation of placental/umbilical cord blood for unrelated bone marrow reconstitution. Proc Natl Acad Sci U S A 1995; 92: 10119–22. MEDLINE
3. Polge C, Smith AU, Parkes AS: Revival of spermatozoa after vitrification and dehydratation at low temperatures. Nature 1949; 164: 666. MEDLINE
4. Reimann V, Creuztig U, Kögler G. Stem cells derived from cord blood in transplantation and regenerative medicine [Stammzellen aus Nabelschnurblut in der Transplantations- und regenerativen Medizin]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(50): 831–6. VOLLTEXT

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