ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2010Deutsche Apotheker- und Ärztebank: Durch Schaden klug

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Deutsche Apotheker- und Ärztebank: Durch Schaden klug

Dtsch Arztebl 2010; 107(16): A-729 / B-637 / C-625

Flintrop, Jens

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Jens Flintrop. Redakteur für Gesundheits- und Sozialpolitik
Jens Flintrop. Redakteur für Gesundheits- und Sozialpolitik
Nun ist es sicher. Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) hat sich an den Kapitalmärkten verspekuliert und muss deshalb erstmals in ihrer 107-jährigen Geschichte einen Verlust ausweisen. Der Fehlbetrag für das Geschäftsjahr 2009 beläuft sich auf 283,1 Millionen Euro, die Dividende für die 101 176 Mitglieder der Genossenschaftsbank – darunter viele Ärztinnen und Ärzte – entfällt in diesem Jahr. Der seit Juli 2009 amtierende Vorstandssprecher, Herbert Pfennig, zieht die einzig richtige Konsequenz aus diesem Verlust: Die „Standesbank der Heilberufe“ werde sich künftig wieder voll auf ihr Kerngeschäft mit der attraktiven Klientel von Ärzten, Zahnärzten und Apothekern konzentrieren, sagte er am 15. April in Düsseldorf. Riskante Ausflüge auf dem Kapitalmarkt soll es unter seiner Ägide nicht mehr geben.

Der Jahresfehlbetrag kam zustande, weil die Bank in ihrer Bilanz für 2009 Wertberichtigungen in Höhe von 485,1 Millionen Euro auf komplizierte Wertpapiere vorgenommen hat, die in der Branche inzwischen als „toxisch“ bezeichnet werden. „Wir wollten einen Schlussstrich unter die Vergangenheit ziehen und haben deshalb die Risikovorsorge deutlich erhöht, um allen erkennbaren Risiken Rechnung zu tragen“, betonte Pfennig, der das Engagement in die Anlagen von seinem Vorgänger Günter Preuß geerbt hatte. Auf der Suche nach einer exorbitanten Rendite hatte auch die Apobank mit US-amerikanischen Immobilienkrediten gehandelt. Der Markt dafür war in der Finanzkrise zusammengebrochen. Gemessen an ihrer Bilanzsumme (41 Milliarden Euro) und ihrem Eigenkapital (2,5 Milliarden Euro) sei das entsprechende Portfolio der Apobank mit 5,5 Milliarden Euro ungewöhnlich hoch gewesen, räumte Pfennig ein. Inzwischen habe man diesen Bilanzposten auf vier Milliarden Euro reduziert. Bis 2014 sollen es nur noch 2,5 Milliarden Euro sein.

Das gescheiterte Investment in den US-Immobilienmarkt ist um so ärgerlicher für die Mitglieder, weil das operative Geschäft der Apobank besser läuft denn je. So stieg das Teilbetriebsergebnis vor Risikovorsorge von 315,9 auf 317,8 Millionen Euro. Dies ist ebenfalls ein Rekordwert, aber diesmal ein positiver. Hauptertragsquelle der Bank war einmal mehr der Zinsüberschuss. Dieser stieg durch Neuausleihungen im Kreditgeschäft um 8,4 Prozent auf 618,2 Millionen Euro.

Trotz der bereits seit Monaten diskutierten riskanten Spekulationen der Apobank ist die Zahl der Kunden 2009 noch einmal um 14 000 auf jetzt 333 100 gestiegen. Dies belegt das immer noch große Vertrauen der Ärzte, Zahnärzte und Apotheker in „ihre Standesbank“. Um dieses Vertrauen nicht aufs Spiel zu setzen, darf sich die größte genossenschaftliche Primärbank keine weiteren Zockereien erlauben. Pfennigs Ankündigung, sich wieder voll auf das Kerngeschäft mit den Heilberuflern zu konzentrieren, ist deshalb alternativlos. Und der neue Vorstandssprecher ließ seinen Worten auch bereits Taten folgen. So wird der Vertrieb um 45 Personen aufgestockt, in Berlin, Tübingen und Heidelberg eröffnen neue Filialen, und um sich intensiver ihren Kunden widmen zu können, sollen die Vertriebsmitarbeiter von administrativen Aufgaben entlastet werden.

Offen bleibt, ob die Apobank durch Schaden klug geworden ist oder ob der Aufsichtsrat der Bank (dem auch Bundes­ärzte­kammerpräsident Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe und KBV-Chef Dr. med. Andreas Köhler angehören) den Vorstand zur Konzentration aufs Kundengeschäft gedrängt hat. In dieser Frage bestehe große Einigkeit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat, sagt Pfennig nur vielsagend.

Jens Flintrop
Redakteur für Gesundheits- und Sozialpolitik
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