ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2010Stammzellforschung: Embryonen mit drei Elternteilen

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Stammzellforschung: Embryonen mit drei Elternteilen

Dtsch Arztebl 2010; 107(16): A-734 / B-642 / C-630

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Forscher am North East England Stem Cell Institute haben in einem ethisch sicherlich umstrittenen Experiment erstmals Embryonen geschaffen, deren Gene von drei Menschen stammen. Die Studie in „Nature“ (2010; doi: 10.1038/nature08958) soll neue Behandlungsmöglichkeiten für genetische Erkrankungen der Mitochondrien eröffnen.

Mitochondrien haben eigene Gene, die auch in der weiblichen Eizelle enthalten sind. Da aus der Samenzelle nur die chromosomalen Gene in die Eizelle gelangen, werden Defekte in den 37 mitochondrialen Genen (zum Vergleich: Der Zellkern enthält circa 23 000 Gene) immer von der Mutter an die Kinder weitergegeben. Solche Mitochondriopathien sind keinesfalls selten. Eines von 200 Kindern wird damit geboren, doch schwere Erkrankungen treten nur bei einem von 10 000 Kindern auf. Es handelt sich um ein großes Spektrum von Erkrankungen wie Muskelschwäche, Erblindung, tödlichen Herzerkrankungen, Leberversagen oder Diabetes mellitus.

Wie diese stammzelltechnisch verhindert werden könnten, hatten US-Forscher im September an Makaken gezeigt (Nature 2009; 461: 367–72). Sie hatten die Chromosomen der Eizelle (potenziell betroffener Tiere) in eine andere (gesunde) Eizelle transferiert und dann eine künstliche Befruchtung durchgeführt. Die Embryonen enthielten damit Gene von drei Elternteilen, die mitochondrialen Gene der Eizellspenderin und die chromosomalen Gene beider Elternteile.

In Newcastle wurde die Technik nun variiert. Am Anfang stand die künstliche Befruchtung, und die beiden Pronuclei (mit dem mütterlichen und väterlichen Erbgut) wurden dann in eine andere zuvor entkernte Eizelle transferiert. Von 80 menschlichen Oozyten, die das Erbgut dreier Menschen enthielten, teilten sich 18 bis zum Achtzellstadium, einige wurden sogar bis zu einer Blastozyste von etwa 100 Zellen kultiviert. Die Forscher können zeigen, dass weniger als zwei Prozent der mitochondrialen DNA der Mutter auf die neue Eizelle übertragen wurden. Die Chance, dass die Therapie zur Austragung eines Kindes führe, dem die Mitochondriopathie der Mutter erspart bliebe, sei mithin sehr groß. Keiner der Embryonen wurde implantiert.

Die Forscher kündigten jedoch an, bei der zuständigen Behörde (Human Embryology and Fertilisation Authority) einen Antrag auf eine therapeutische Anwendung mit Austragung der Embryonen zu stellen. Ethische Bedenken sind den Forschern fern. Rüdiger Meyer
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