POLITIK

Ambulante Operationen: Patienten sind zufrieden – aber es ginge noch mehr

Dtsch Arztebl 2010; 107(16): A-740 / B-647 / C-635

Rieser, Sabine

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Eine Befragung hat ergeben: Fast jeder, der sich einem ambulanten Eingriff unterzogen hat, war hinterher zufrieden. Die Interessenvertreter ambulanter Operateure sind es nicht ganz. Sie fordern mehr Anreize, damit sich die kostengünstigen Eingriffe stärker durchsetzen.

Patienten sind mit der Qualität von ambulanten Operationen sehr zufrieden. Das ergab zumindest eine Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München in Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), die am 19. April in Berlin vorgestellt wurde. Ausgewertet wurden knapp 2 000 ambulante Operationen an der Leiste, der Gebärmutter, der Nase und der Schulter. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 betrug die Zahl der ambulanten Operationen 1,9 Millionen.

Alles gut gelaufen – Details zur Patientenzufriedenheit sind in einer Broschüre zu finden, die einem Teil der Auflage beiliegt.
Alles gut gelaufen – Details zur Patientenzufriedenheit sind in einer Broschüre zu finden, die einem Teil der Auflage beiliegt.
„97,5 Prozent der Patienten haben den Eingriff mit sehr gut oder gut bewertet“, erläuterte KVB-Vorstand Dr. med. Axel Munte. 95,5 Prozent der befragten Patienten würden sich wieder einer ambulanten Operation unterziehen. 94,9 Pro-zent gaben an, dass sie das Gefühl hatten, zu Hause ausreichend betreut zu sein. „Dies zeigt ganz deutlich: Die niedergelassenen Operateure und Anästhesisten bieten eine hohe Qualität“, so Munte.

Finanziert hatten die Studie mehrere Krankenkassen in Bayern: die AOK, der Landesverband der Betriebskrankenkassen und die Signal-Iduna-IKK. Bei der Befragung bewerteten die Patienten freiwillig und anonym die Prozesse in der Praxis sowie eventuell aufgetretene postoperative Komplikationen. Der Rücklauf lag bei 824 Bögen (43,1 Prozent). Von 243 Ärzten aus den Fachgruppen Chirurgie, Orthopädie, Gynäkologie und Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde kamen insgesamt 1 910 Bögen zurück.

Die Verwendung von pseudonymisierten Identifikationsnummern auf Arzt-und Patientenbögen machte es Munte zufolge möglich, Angaben von Arzt und Patient abzugleichen. Außerdem wurden stationäre Patientendaten ausgewertet, um nachzuvollziehen, ob beispielsweise wegen Komplikationen ein Kranken­haus­auf­enthalt notwendig wurde. Dies war nur bei 1,1 Prozent der Patienten der Fall.

Dr. med. Axel Neumann, Präsident des Bundesverbandes für Ambulantes Operieren, begrüßte den Studienansatz. Es sei das erste Mal, dass man die Meinung von Patienten erfolgreich mit Routinedaten der Versorgung verknüpft habe. Er bedauerte jedoch, dass in Deutschland weniger ambulant operiert werde als im Ausland.

Als Beispiel führte Neumann
arthroskopische Operationen von Meniskusschäden an. Dieser Eingriff werde in anderen europäischen Ländern in durchschnittlich 90 Prozent aller derartigen Fälle ambulant erbracht, in Deutschland lediglich bei etwas mehr als 30 Prozent.

Hauptursache für die insgesamt geringe Anzahl an ambulanten Operationen ist nach Ansicht von Dr. med. Andreas Köhler die ungleiche Vergütung der Leistungen im ambulanten und im stationären Sektor. Krankenhäuser entschieden sich häufig für einen stationären Eingriff, weil dieser besser bezahlt werde, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Folglich beträgt die Quote an ambulanten Operationen bei dafür geeigneten Eingriffen nur knapp 60 Prozent.

Die KBV strebt für ambulante Operationen zwar keine Vergütung wie für stationäre Eingriffe an, wohl aber eine verbesserte Bezahlung. Derzeit liege der Orientierungswert für die Honorare bei 3,5 Cent, in einzelnen Bundesländern aufgrund von Zuschlägen bei vier Cent, erläuterte Köhler. Ziel seien jedoch 5,1 Cent; darum streite man allerdings nach Meinungsverschiedenheiten im Bewertungsausschuss mit den Krankenkassen seit zwei Jahren vor Gericht.

Ein Orientierungswert in Höhe von 5,1 Cent würden etwa 70 Millionen Euro mehr an Honorar bedeuten, so der KBV-Vorstand. Diese Mehrkosten wären, folgt man einer Studie des Bayreuther Gesundheitsökonomen Prof. Dr. Peter Oberender, leicht zu verkraften, wenn häufiger ambulant statt stationär operiert würde. Oberender hat für 25 ambulant wie stationär erbringbare Operationen die Kosten verglichen. Je nach Szenario wären durch eine Verlagerung hin zu mehr ambulanten Eingriffen Kosteneinsparungen bis zu 515 Millionen Euro pro Jahr möglich. Köhler geht davon aus, dass man noch mehr sparen könnte. Er tritt dafür ein, für etwa 400 weitere Eingriffe ambulante Operationen als Regelfall vorzusehen.
Sabine Rieser
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