ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2010KV Brandenburg: „Wir glauben an eine erfolgreiche Zukunft“

POLITIK

KV Brandenburg: „Wir glauben an eine erfolgreiche Zukunft“

Dtsch Arztebl 2010; 107(16): A-741 / B-648 / C-636

Jachertz, Norbert

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LNSLNS Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg wird 20 Jahre alt, blickt kurz zurück und zuversichtlich nach vorn.

Vieles in Brandenburg scheint nicht nur anders, sondern auch besser zu laufen als andernorts. Dieser Eindruck drängt sich auf, folgt man dem alles andere als nostalgischen, vielmehr selbstbewussten Auftritt der Matadoren anlässlich des 20. Bestehens der KV Brandenburg (KVBB) am 6. April 2010 in Potsdam. Unisono betonten KV-Vorstand Dr. med. Hans-Joachim Helming und Kammerpräsident Dr. med. Udo Wolter, wie harmonisch man zusammenarbeite. Helming vermochte – anspielend auf die Debatte, ob sich die KVen insgesamt von der Basis gelöst hätten – „keinen Riesengraben zwischen KVBB und Ärzteschaft zu erkennen“. Nicht einmal der neuralgische Punkt „Hausarztverträge“ scheint die Ärzteschaft zu entzweien. 61 Prozent der Hausärzte, teilte Helming mit, hätten der KV ein Mandat zum Abschluss eines hausarztzentrierten Vertrags erteilt.

Dr. med. Daniel Rühmkorf (links), Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg, versichert der KVBB – rechts deren Vorstandsvorsitzender Dr. med. Hans-Joachim Helming – , ein wichtiger Partner in der Gesundheitspolitik des Landes zu sein. Fotos: KV Brandenburg
Dr. med. Daniel Rühmkorf (links), Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg, versichert der KVBB – rechts deren Vorstandsvorsitzender Dr. med. Hans-Joachim Helming – , ein wichtiger Partner in der Gesundheitspolitik des Landes zu sein. Fotos: KV Brandenburg
Der ärztliche Friede scheint sich auch politisch auszuzahlen. Die Meinung der ärztlichen Selbstverwaltung sei gefragt, versicherte Kammerpräsident Wolter. Und der noch neue brandenburgische Gesundheitsstaatssekretär Dr. med. Daniel Rühmkorf – vom alternativen zum staatstragenden Politiker gewandelt – bescheinigte der KV an ihrem Jubiläumstag, ein wichtiger Partner bei der Gesundheitspolitik im Lande zu sein. Besonders angetan zeigte sich Rühmkorf davon, dass mehr als 50 Prozent der ambulant tätigen Ärzte und Psychotherapeuten Brandenburgs in kooperativen Strukturen wie Ärztehäusern, Gemeinschaftspraxen und Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) tätig sind. Auch Rühmkorf sprach die Zersplitterung der Ärzteschaft an, die es laut Helming und Wolter in Brandenburg ja nicht gibt. Käme es aber dazu, so Rühmkorf, „dann hätten wir als Land es schwer, noch mit jemand Verantwortlichem zu reden“.

Die KVBB sieht sich beispielgebend für andere: sei es bei der von Rühmkorf erwähnten Förderung kooperativer Strukturen oder bei innovativen Vertragskonzepten für die Behandlung chronisch Kranker, sei es mit dem bundesweit ersten Sicherstellungsstatut oder mit der Gründung des Dienstleisters KV COMM, der Konzepte für neue Versorgungsstrukturen offeriert. Auf eine noch frische Innovation waren Helming wie auch Dr. med. Carl-Heinz Müller, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), besonders stolz: auf die einheitliche Bereitschaftsdienstnummer 116 117, ein Modellprojekt, das von KVBB und KBV entwickelt wurde und jetzt in Brandenburg startet.

Nach 20 Jahren durfte auch in Potsdam, am Tag der offiziellen KV-Gründung, ein wenig Rückblick nicht fehlen, zumal nach diesem abrupten Systemwechsel, der mit der Wende gekommen ist. Dr. med. Torsten Braunsdorf, der Präsident der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der KVBB, erinnert sich: „Es war eine völlig neue Welt.“ Er spricht von der unglaublichen, in den Folgejahren nie wieder erreichten Aufbruchstimmung. „Neuland schreckte uns nicht.“ Die überwiegende Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen sei „hungrig auf die eigene Praxis“ gewesen. Spricht da, wie auch bei anderen Männern und Frauen der ersten Jahre ein wenig Bedauern mit, dass diese Aufbruchstimmung nun dem schnöden Alltag gewichen ist?

Der hält große Herausforderungen bereit, bedingt vor allem durch die demografische Entwicklung. Auch in Brandenburg, einem Flächenland ähnlich groß wie Baden-Württemberg, mit heute noch 2,5 Millionen Einwohnern und nahezu 3 700 niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten, mit einer traditionell geringen Arztdichte (zurzeit ein Vertragsarzt auf 752 Einwohner), dünnen die ländlichen Gebiete aus, müssen junge Ärzte angelockt und neue Versorgungsformen entwickelt werden. Dr. Helming blickt auf das Erreichte und nach vorn: „Wir glauben auch an eine erfolgreiche Zukunft.“
Norbert Jachertz
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