ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2010Notfallbehandlung: Nur schwer vorstellbar
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Ich war erfreut festzustellen, dass die Fachvertreter unter Führung von Prof. Dr. Gries die Bedeutung der interdisziplinären Notaufnahme hervorheben. Wie im Artikel richtig dargestellt, ist die Notaufnahme wahrhaftig interdisziplinär, da sie mit nichtdifferenzierten Symptomenkomplexen konfrontiert wird, die sich über alle medizinischen Fächer erstrecken. Dies muss sich auch in der Ausbildung des Notaufnahmepersonals widerspiegeln, sonst wird sie dem Anspruch des Patienten auf eine hochqualifizierte Notfallbehandlung nicht gerecht. Hierbei ist festzustellen, dass die in dem Artikel dargelegte Minimalbesetzung, die einen Großteil der Krankenhäuser in Deutschland betrifft, wesentliche Gebiete der Notfallmedizin, wie etwa psychiatrische, toxikologische oder pädiatrische Notfälle, in ihren jeweiligen Weiterbildungsverordnungen nicht oder nur unzureichend abdeckt.

Die im Artikel aufgeführte Prognoseverbesserung bei früher Schlaganfall- und Meningitistherapie als Argument gegen interdisziplinär ausgebildete Notfallmediziner sehe ich sehr kritisch. In der heutigen Struktur ist es eher vorstellbar, dass zusätzliche Konsile oder eine Triage in den falschen Bereich diese entscheidende Zeit vergeuden. Hier hat sich am Beispiel der Sepsistherapie gezeigt, dass Notfallmediziner die Mortalität durch zügige Diagnostik und Therapie wesentlich verringern konnten.

Ein Notfallpatient hat die berechtigte Erwartung, dass Erkrankungen erkannt werden, die die Gesundheit unmittelbar oder in absehbarer Zeit gefährden. Die Synkope ist ein Paradebeispiel, bei dem die Differenzialdiagnose von der Inneren Medizin und Chirurgie über die Gynäkologie und Neurologie reicht. Die notfallmedizinische Forschung hat hier Ansätze gezeigt, wie ein diagnostisch weites Spektrum ressourcenschonend aufgearbeitet werden kann ohne das Patientenwohl zu gefährden. Eine derartige interdisziplinäre Forschung ist in der heutigen Struktur der Notfallmedizin in Deutschland nur schwer vorstellbar.
Literatur bei dem Verfasser
Dr. med. Tobias Kummer, Department of
Emergency Medicine, Brown University,
Providence (USA)
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