ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2010Notfallbehandlung: Die Realität
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. . . In der „idealen ZNA“, welche von den Kollegen der verschiedenen Fachgesellschaften beschrieben wird, arbeiten hochmotivierte Fachärzte aller Fachrichtungen Hand in Hand und harmonisch unter der Ägide eines einzelnen Facharztes eines für die Notfallmedizin relevanten Fachgebietes. Symptome werden problemlos zu einem Fachgebiet zugeordnet (durch wen eigentlich?) und dort nach „Facharztstandard“ versorgt. Begeisterte HNO-Fachärzte kümmern sich um die Rhinosinusitis und Gastroenterologen um den Oberbauchschmerz. Chirurgen erkennen im EKG die kardiogene Ursache der Synkope des betagten Patienten mit Rippenserienfraktur sofort und verweisen weiter zum kardiologischen Kollegen der ZNA.

Und die Realität? Nach der Arbeit in mehreren Krankenhäusern der Grund- bis hin zur nichtuniversitären Maximalversorgung sehen ich und meine dort tätigen ärztlichen Kollegen die Situation gänzlich anders. Für die meisten der operativ tätigen Kollegen, ebenso wie für viele Kollegen der nichtoperativen Disziplinen, ist die Ambulanzarbeit irgendwo zwischen notwendigem Übel und Strafmaßnahme angesiedelt, chirurgische Assistenten wollen operieren, internistische und neurologische Assistenten streben auf die Intensivstation oder in die Funktionen. Die Notaufnahmen, welche zum allergrößten Teil mit Nichtfachärzten besetzt sind (soviel zum Thema „Facharztstandard“), werden somit aktuell nicht nur von Unerfahrenen, sondern zum großen Teil auch von denen versorgt, die zu diesem Zeitpunkt eigentlich lieber Koloskopien, Appendektomien oder Neurographien durchführen würden . . .

Die Schaffung eines Facharztes für Notfallmedizin ist unter den oben genannten medizinischen und wirtschaftlichen Bedingungen unausweichlich . . . Bleibt die Blockadepolitik der etablierten Gesellschaften wie sie ist, werden junge motivierte Kollegen mit Interesse an der klinischen Notfallmedizin mit den Füssen abstimmen und ihren Kollegen folgen, die bereits aus finanziellen oder hierarchischen Gründen ins Ausland abwandern, wenn ihnen im Inland keine entsprechende Perspektive angeboten wird . . .
Lars Lomberg, 40235 Düsseldorf
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