ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2010Notfallbehandlung: Aus der Schweiz
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Die Zahl der Länder in der Europäischen Union, welche über eine offizielle Weiterbildung (Facharzttitel) in Notfallmedizin verfügen, nimmt stetig zu. Als größeres Land bleibt einzig Deutschland ganz ohne Weiterbildungstitel in klinischer Notfallmedizin.

Die Notfallchefärzte in der Schweiz sind deshalb vermehrt mit dem Problem konfrontiert, dass gut ausgebildete Notfallärzte als Leiter von Notfallstationen nach Deutschland berufen werden . . .

Aus dem Artikel von Prof. Gries et al. geht hervor, dass ein Qualitätsverlust gefürchtet wird. Deshalb wird gefordert, dass „die Patientenbehandlung direkt und ohne Verzug fachbezogen und nach Facharztstandard erfolgen muss“. Dies mag kaum jemand bestreiten. Die Frage stellt sich viel eher, ob der einzige Weg dies sicherzustellen die Delegation von Assistenzärzten auf die Notaufnahme darstellt – oft ohne präsente Supervision durch einen Facharzt! Alternativen sind Standards auf Facharztniveau, eine permanente Präsenz von Fachärzten, die nicht anderweitig beschäftigt sind (in Operationssälen) und vor allem eine ausgezeichnete Weiterbildung in guter, breiter allgemeiner Medizin, die verhindert, dass aufgrund fachlicher Lücken zwischen den Fächern, gewisse Patienten hin- und her triagiert werden.

Die zweite große Befürchtung scheint die Unmöglichkeit einer notfallmedizinischen Weiterbildung für Spezialisten zu sein, sobald Notfallmediziner die Notaufnahmen betreiben . . . Auch hier stellt sich die Frage, ob die Delegation von Weiterzubildenden in die Notaufnahme wirklich das einzige Modell ist, das existiert und Sinn macht. Selbstverständlich ist in allen uns bekannten Gesundheitssystemen die Rotation von Anwärtern auf Facharzttitel wie Chirurgie und Innere Medizin in die Notaufnahme, wo sie unter Supervision von Notfallmedizinern und ihren eigenen Vorgesetzten die Notfallmedizin erlernen. Sie sollten anschließend in der Lage sein, kompetent die multidisziplinäre Koordination von Patienten, welche gleichzeitig eine Versorgung durch mehrere Spezialisten benötigen, zu übernehmen. Schließlich sind auch Fachkenntnisse für das Management von außerordentlichen Situationen, wie zum Beispiel im Rahmen von Massenunfällen bei Großereignissen von zunehmender Bedeutung. Bereits heute sind alle Chefärzte von Notaufnahmen in der Schweiz in regionale Katastrophenorganisationen eingebunden . . .
Prof. Dr. med. Roland Bingisser, Chefarzt der
interdisziplinären Notfallstation, Universitätsspital, CH-4031 Basel
Prof. Dr. Francois Sarasin, Hôpital Universitaire Genève, CH-1211 Genf 14
Prof. Dr. Heinz Zimmermann, Chefarzt und Direktor des Notfallzentrums, Inselspital, CH-3010 Bern
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige