ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2010Art Karlsruhe: Kaufinteresse für die Klassische Moderne

KULTUR

Art Karlsruhe: Kaufinteresse für die Klassische Moderne

Dtsch Arztebl 2010; 107(16): A-767 / B-671 / C-659

Jaeschke, Helmut

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Fotos: Jürgen Rösner
Fotos: Jürgen Rösner
Die meisten der 208 Kunsthändler aus zwölf Nationen waren zufrieden mit den Verkäufen.

Der bei der vorjährigen Besprechung der Karlsruher Kunstmesse (DÄ, Heft 19/2009) geäußerte Wunsch, die Finanzkrise möge ein Jahr später beigelegt sein, ist angesichts neuer Turbulenzen in der Eurozone offensichtlich nicht in Erfüllung gegangen, andererseits hat die Angst vor drohender Inflation den Kunstmarkt eher belebt. Jedenfalls waren die meisten der auf der diesjährigen Art Karlsruhe vertretenen 208 Kunsthändler aus zwölf Nationen zufrieden mit den Verkäufen. Nicht überraschend, sorgte besonders das Kaufinteresse für die Klassische Moderne für fröhliche Gesichter bei Händlern wie Werner Fischer, Berlin, der neusachliche Malerei von Otto Dix und George Grosz verkaufen konnte. Mittlerweile hat sich auch die Informelle Malerei der Nachkriegszeit im klassischen Sektor etabliert, allen voran Ernst Wilhelm Nay, von dem die Galerie Schlichtenmaier, Grafenau, eine „fugale Komposition“ von 1951 für mehr als 100 000 Euro in eine südbadische Sammlung abgeben konnte.

Bei der einen oder anderen Arbeit aus dem Bereich der Klassischen Moderne konnte der aufmerksame Beobachter allerdings ein Déjà-vu-Erlebnis verzeichnen, waren diese Arbeiten doch erst kürzlich auf einer der zahlreichen Kunstauktionen versteigert worden, und das meist zur Hälfte des jetzt geforderten Preises. Bei jüngeren Künstlern sollte man nicht warten, bis sie auf Auktionen gehandelt werden, sie sind meist sowieso noch günstig im Preis. Das haben sich wohl auch die Käufer von Bildern von Eckart Hahn (Galerie Rothamel), Roland Schauls (Galerie Supper) oder Michael Triegel (Galerie Schwind) gesagt. Um Letzteren entwickelte sich unlängst ein erheblicher Presserummel, weil der Bischof von Regensburg an Triegel den offiziellen Auftrag für ein Porträt von Papst Benedikt XVI. vergeben hatte.

Die Angst vor drohender Inflation hat den Kunstmarkt eher belebt.
Die Angst vor drohender Inflation hat den Kunstmarkt eher belebt.
Eine Besonderheit, die diese Messe auszeichnet, sind die zahlreichen „One Artist Shows“. So präsentierte die Wasserwerk-GalerieLange, Siegburg, Werke von Josef Wittlich, der mit seinen unverwechselbaren Figurenbildern den Besten der „Art brut“ wie Gaston Chaissac oder Henry Darger zuzurechnen ist, preislich jedoch weit darunter liegt. Die Galerie Rehberg, Mainz, widmete ihre Soloausstellung dem 2007 verstorbenen Karlsruher Hochschullehrer Peter Ackermann. Er hatte insbesondere in seiner Berliner Zeit in den 60er und 70er Jahren mit seinen an Piranesi erinnernden Architekturvisionen eine außerordentliche Präsenz in der Kunstszene und ist heute zu Unrecht weitgehend vergessen.

Unbedingt zu empfehlen ist, sich zusätzlich zur Messe Zeit für den Besuch der Kunsthalle Karlsruhe mit der sehenswerten Sammlung zu nehmen und das Zentrum für Kunst und Medientechnologie mit seiner imposanten Industriearchitektur zu besuchen. Außerdem werden dort jeweils wechselnde, interessante Ausstellungen geboten (diesmal baden-württembergische Sammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst).

Mit einem erneuten Besucherrekord von 43 500 Kunstinteressierten in den unübertroffen schönen Tageslichthallen ist die Art Karlsruhe für die Zukunft gut aufgestellt. Die nächste Art Karlsruhe findet vom 10. bis 13. März 2011 statt. Informationen: www.art-karlsruhe.de.
Helmut Jaeschke
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