ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2010Telemedizin: COPD-Patienten unterstützen

TECHNIK

Telemedizin: COPD-Patienten unterstützen

Dtsch Arztebl 2010; 107(16): A-769 / B-673 / C-661

Imhoff-Hasse, Susanne

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LNSLNS In Bayern ist im Rahmen der integrierten Versorgung ein Projekt gestartet, dass die Betreuung von Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung erprobt.

Mit dem Ziel, die Selbstmanagementkompetenz von Patienten mit einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) durch den Einsatz von Telemedizin zu stärken, ist ein Pilotprojekt des pneumologischen Netzwerks Südbayern, niedergelassenen Pneumologen, der Asklepios-Lungenfachkliniken München-Gauting sowie des Unternehmens Robert Bosch Healthcare gestartet. Angelegt als Vorhaben zur regionalen integrierten Versorgung, ist eigens dafür an der Klinik ein telemedizinisches Zentrum mit drei Atmungstherapeuten und bedarfsweiser Unterstützung durch einen fachärztlichen Hintergrunddienst aufgebaut worden.

Patienten mit einer COPD (Schweregrad: GOLD-Stadien III oder IV oder mit COPD-bedingtem Kranken­haus­auf­enthalt innerhalb der letzten drei Monate) beantworten zu Hause Fragen zu typischen Symptomen, zur Medikamenteneinnahme, zu Aktivitäten und dem Sekretmanagement. Zusätzlich messen sie Parameter wie das Gewicht, die Sauerstoffsättigung des Blutes oder die Pulsfrequenz. Dazu erhalten sie die einfach zu bedienende Basisstation „Bosch Telemedizin Plus“, mit der sie an das telemedizinische Zentrum angebunden werden.

Das Gerät dient zur Übertragung der selbst gemessenen Vitalparameter, zur Erfassung krankheitsbezogener Symptome und zur Wissensvermittlung mittels kurzer Dialoge einschließlich eines Quiz aus einem strukturierten Therapiemanagementprogramm. Eine der wechselnden Fragen lautet etwa: „Wenn ich erschöpft bin, mache ich (a) weiter wie geplant oder (b) mache eine kleine Pause.“ Auf ihre Antworten erhalten die Kranken Lob oder Erklärungen.

Die telemedizinische Basisstation ist mit einem großen Display und vier großen Tasten ausgestattet. Sie wird an die Telefonleitung angeschlossen. Foto: Robert Bosch Healthcare
Die telemedizinische Basisstation ist mit einem großen Display und vier großen Tasten ausgestattet. Sie wird an die Telefonleitung angeschlossen. Foto: Robert Bosch Healthcare
Nach verschlüsselter Übertragung an einen Datenserver können die Betreuer des telemedizinischen Zentrums oder der Arztpraxis auf die Patientenantworten per Internet und Standardbrowser mit ihrem persönlichen Log-in sicher zugreifen. „Das System arbeitet eng mit den niedergelassenen Pneumologen zusammen, die weiterhin voll verantwortlich die Therapie des COPD-Patienten steuern“, sagte Dr. med. Michael Weber, Vorsitzender des Berufsverbandes der Pneumologen in Bayern. Die Kollegen würden durch das System darin unterstützt, frühzeitig Exazerbationen zu erkennen und durch rechtzeitige Intervention ungünstige Verläufe zu vermeiden.

Therapieverantwortung bei den Niedergelassenen
Das pneumologische Netzwerk Südbayern hat die Programminhalte mit den beteiligten Ärzten abgestimmt. Das primäre Monitoring nehmen demnach an Werktagen die Atmungstherapeuten im telemedizinischen Zentrum (jeweils vier Stunden besetzt) wahr, die bei Auffälligkeiten den behandelnden Arzt informieren. Bei Arztvisiten soll dies zusätzlich als Informationsgrundlage für das Arzt-Patienten-Gespräch dienen. Die Patienten, deren Studienteilnahme zwölf Wochen beträgt, wenden sich bedarfsweise während der Öffnungszeiten per Telefon an das telemedizinische Zentrum, ansonsten an den ärztlichen Bereitschaftsdienst des pneumologischen Netzwerks. Aus der besseren Einschätzung der Krankheit heraus und dem Gefühl zu mehr Eigenverantwortung sollen die Kranken sich so verhalten, dass es ihren Gesundheitszustand stabilisiert.

Laut Hersteller wurde das Telemedizinsystem bereits bei COPD-Patienten und weiteren Indikationen in den USA und den Niederlanden erfolgreich eingesetzt und in klinischen Studien geprüft. Neben einer Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität sei auch die Zahl der Klinikaufenthalte um bis zu 20 Prozent gesunken. „Unser Ziel ist es, zusammen mit den Krankenkassen dadurch die Versorgung der Patienten mit schwerer COPD zu verbessern“, betont der niedergelassene Pneumologe Weber. Langfristig will man eine Krankenkasse von dem Projekt überzeugen und zur finanziellen Unterstützung ins Boot holen.
Susanne Imhoff-Hasse
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