ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2010Entwickelte Produkte bevorzugen
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LNSLNS Der CME-Beitrag zur Behandlung kindlicher Notfälle (1) soll dem Leser ermöglichen, „angemessenes Handeln zu gewährleisten“. Eine Empfehlung zum Atemwegsmanagement im Zusammenhang mit der seltenen und – korrekterweise – als ultima ratio eingestuften Notkoniotomie kann dieses Ziel des Weiterbildungsbeitrags konterkarrieren: „Diese wird als Punktionskoniotomie mithilfe einer 14G-Venenkanüle durchgeführt, die entweder mit einem 3,5-mm-Tubuskonnektor oder über eine 10-mL-Spritze und einen geblockten Tubus an den Beatmungsbeutel konnektiert werden kann.“ Ein Buchkapitel zur transtrachealen Ventilation wird zitiert (2) und der Anschluss eines Beatmungsbeutels beschrieben – dies im Einklang mit weitverbreiteter Überschätzung des durch Koniotomie geschaffenen Atemweges zur suffizienten Ventilation (3).

Bedenklich erscheint die „Bastelanleitung“ für Notkoniotomiesets in Anbetracht der Verfügbarkeit designierter Medizinprodukte. Eine Venenverweilkanüle soll ein möglichst großes Lumen bei geringer Wandstärke und hoher Materialflexibilität bieten. Dieser Anforderung werden heutige Produkte gerecht, doch macht sie das ungeeignet für den Einsatz zur vorübergehenden Freihaltung des Atemweges nach Entfernung der Metallkanüle (dieser Schritt fand leider keine Erwähnung): sie knicken am Hautübergang rasch ab, wie die meisten Anwender aus ihrer praktischen Erfahrung mit venösen Zugängen wissen.

Im Vergleich des selbstgebastelten Sets unter Verwendung einer 14G-Venenverweilkanüle mit definiertem Innendurchmesser von 1,7 mm und herstellerabhängigem Außendurchmesser von 2,1 bis 2,2 mm (Wandstärke 0,4 bis 0,5 mm) bietet ein konventionell erhältliches Set zur Punktionskoniotomie (Innendurchmesser 2,0 mm) ein größeres Lumen, eine erheblich höhere Durchflussrate (Gesetz von Hagen-Poiseuille) und höhere Wandstabilität.

Entsprechend sollten für diese seltene Indikation entwickelte Produkte bevorzugt werden, um in Extremsituationen mit erheblichen Problemen bei der Oxygenierung eines Kindes zusätzliche Risiken, beispielsweise durch Suche nach Einzelteilen oder Dekonnektionen, zu reduzieren.
DOI: 10.3238/arztebl.2010.0302b

PD Dr. med. Harald Genzwürker
Dr. med. Christian Gernoth
Dr. med. Jochen Hinkelbein, DESA

PD Dr. med. Harald Genzwürker
Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Neckar-Odenwald-Kliniken gGmbH
Standorte Buchen und Mosbach
Dr. Konrad-Adenauer-Straße 37
74722 Buchen
E-Mail: harald.genzwuerker@neckar-odenwald-kliniken.de
1.
Meyburg J, Bernhard M, Hoffmann GF, Motsch J: Principles of pedi-atric emergency care. [Grundlagen für die Behandlung von Notfällen im Kindesalter]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106: 739–48. VOLLTEXT
2.
Greenfield RH: Percutaneous Transtracheal Ventilation. In: Henretig FM, King C (eds.): Textbook of pediatric emergency procedures. Baltimore: Williams & Wilkins 1997; 239–50.
3.
Genzwürker H, Ellinger K: Atemwegsmanagement: Alternative Techniken. Notfall Rettungsmed 2007; 10: 488–93.
1. Meyburg J, Bernhard M, Hoffmann GF, Motsch J: Principles of pedi-atric emergency care. [Grundlagen für die Behandlung von Notfällen im Kindesalter]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106: 739–48. VOLLTEXT
2. Greenfield RH: Percutaneous Transtracheal Ventilation. In: Henretig FM, King C (eds.): Textbook of pediatric emergency procedures. Baltimore: Williams & Wilkins 1997; 239–50.
3. Genzwürker H, Ellinger K: Atemwegsmanagement: Alternative Techniken. Notfall Rettungsmed 2007; 10: 488–93.

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