ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2010Praxis-Panel: Ärzte können bei Honorarverhandlungen helfen

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Praxis-Panel: Ärzte können bei Honorarverhandlungen helfen

Dtsch Arztebl 2010; 107(17): A-787 / B-687 / C-675

Maus, Josef

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LNSLNS Die Kassenärztliche Bundesvereinigng (KBV) kann künftig Kostensteigerungen und Veränderungen bei den Leistungsdaten der Arztpraxen in die Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen einbringen. Der KBV-Vorstandsvorsitzende, Dr. med. Andreas Köhler, sieht darin eine große Chance für die niedergelassenen Ärzte, höhere Praxiskosten endlich auch adäquat abgedeckt zu bekommen. Allerdings muss die KBV solche Kostensteigerungen auch nachweisen können – und da liegt derzeit noch das Problem.

Kostensteigerungen in den Praxen sollen sich künftig stärker in den Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen niederschlagen. Foto: dpa
Kostensteigerungen in den Praxen sollen sich künftig stärker in den Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen niederschlagen. Foto: dpa
Bisher dienen in erster Linie die Daten des Statistischen Bundesamts als Grundlage für die Kostenbetrachtung bei den Honorarverhandlungen. Diese Daten sind weder ausreichend aktuell noch erlauben sie eine differenziertere Betrachtung der Arztgruppen. Köhler: „Zu wissen, welche Kosten beispielsweise eine HNO-Praxis hat, reicht nicht. Man muss auch wissen, ob dies eine Praxis ist, in der operiert wird und welche Geräte die Praxis vorhält.“ Mit derartig differenzierten und belegbaren Fakten könne man mit den Kassen auf einer ganz anderen Grundlage verhandeln, ist sich Köhler sicher.

Um eine solche Datenbasis zu gewinnen, will die Kassenärztliche Bundesvereinigung mit Hilfe des Zentralinstituts für die kassenärztlichen Versorgung (ZI) und mit Unterstützung der Berufsverbände ein Praxis-Panel aufbauen. Das ZI hat bereits Mitte März an circa 15 000 Praxen von Vertragsärzten und Psychotherapeuten Fragebogen geschickt. Ausgewählt wurden die Praxen im Rahmen einer Zufallsstichprobe, die Auswertung der Daten erfolgt anonym. Damit die Studie repräsentativ ist, müssten möglichst viele Ärzte und Psychotherapeuten daran teilnehmen. Das ist bei der ersten Erhebungswelle jedoch nicht gelungen. Deshalb gehen jetzt erneut Fragebogen an weitere rund 20 000 Praxen. Insgesamt erhoffen sich KBV und ZI ein Panel mit etwa 7 000 Ärzten bundesweit – eine vergleichbare Datengrundlage in dieser Größenordnung existiert bisher nicht.

Der Erhebungsbogen umfasst unter anderem Fragen zur Personalausstattung, zu medizinisch-technischen Geräten und zur Arbeitszeit der Praxisinhaber sowie der Mitarbeiter. Ferner werden Angaben zu den Einnahmen und Ausgaben der Praxis erbeten. Wer welche Angaben gemacht hat, ist bei der Auswertung der Daten weder für das ZI noch für die KBV erkennbar. Köhler dazu: „Wir haben kein Interesse daran, den einzelnen Arzt gläsern zu machen. Uns geht es nur um die Daten.“

Den zeitlichen Aufwand für das Ausfüllen des Fragebogens beziffert das ZI mit etwa einer Stunde. Einige Fragen müssen zudem vom Steuerberater beantwortet werden, der dafür nicht mehr als eine halbe Stunde benötigen dürfte. Insgesamt gibt es für die Teilnahme an der Erhebung eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 200 Euro je Praxis. Bis zum 28. Mai müssen die Ärzte und Psychotherapeuten die Bogen zurückgereicht haben. Mit Blick auf die anstehenden Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen für das Jahr 2011 appelliert KBV-Chef Andreas Köhler eindringlich: „Wir wissen um den Aufwand, aber ohne diese Daten haben wir überhaupt keine Chancen in den Verhandlungen. Auf den Tisch zu hauen und einfach mehr Geld zu fordern, funktioniert heute nicht mehr.“ JM
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