ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/1997Eifelhöhen-Klinik: Harter Spar- und Konsolidierungskurs

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Eifelhöhen-Klinik: Harter Spar- und Konsolidierungskurs

Clade, Harald

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LNSLNS Mit einem harten Spar- und Konsolidierungskurs und einem teilweise geänderten Konzept will die Eifelhöhen-Klinik AG, einstmals auf ärztliche Initiative gegründetes börsennotiertes Klinik-Unternehmen, kurzfristig aus der Verlustzone kommen und 1998 wieder ein "leicht positives Ergebnis" erzielen. Das neue Klinik-Management will Personal abbauen, Marktnischen erschließen und Patienten auch aus dem Ausland gewinnen. Neben dem traditionellen Gebiet der Rehabilitationsmedizin soll künftig auch Akutmedizin angeboten werden.
Außergewöhnlich harsche Kritik wegen des Verlustes in 1996 und des für 1997 zu erwartenden Minusbetrages (noch 1995 betrug das KonzernBruttoergebnis 3,3 Millionen DM) mußten sich Vorstand und Aufsichtsrat der Klinik AG anläßlich der Aktionärshauptversammlung am 6. August in Nettersheim-Marmagen (Eifel) gefallen lassen. Während Vorstand und Aufsichtsrat die Verluste in erster Linie mit den Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen, insbesondere auf dem Reha-Sektor, begründeten, führten die anwesenden Aktionäre das katastrophale Ergebnis vor allem auf "hausgemachtes Mißmanagement", ein falsches Konzept und die aus dem Ruder laufenden Neubaukosten an den Standorten Zülpich und Bonn zurück.
So hat die Kaiser-Karl-Klinik in Bonn nach Angaben der Klinikleitung die veranschlagten Neubaukosten um 20 Millionen DM überschritten. Die Bettenzahl in Marmagen wurde leicht erhöht, obwohl abzusehen gewesen sei, daß auf dem Reha-Markt Einbrüche wegen staatlicher Sparaktionen hingenommen werden mußten.
Das Ergebnis: Verlust im Geschäftsjahr 1996 in Höhe von 12,4 Millionen DM bei einem Umsatz von 46,6 Millionen DM. Innerhalb der AG fielen die Umsätze um 4,8 Prozent auf 40 Millionen DM. Die Pflegetage im Stammhaus Marmagen (Fachklinik für Rehabilitation mit den Spezialitäten Innere Medizin; Orthopädie/
Traumatologie und Neurologie) reduzierten sich um neun Prozent. Niedrigere Belegung und hohe Fixkosten von fast 85 Prozent (gemessen an den gesamten Betriebskosten) führten zur schlechteren Ertragslage.
Scharf kritisiert wurde die Tatsache, daß die Aktionäre erst im November 1996 auf die Turbulenzen hingewiesen wurden. Am 23. Oktober wurde zwar mit Wirkung zum 13. Februar 1997 der Vorstandsvorsitzende, Dipl.-Kfm. Heinz Crovisier, abgelöst. Ein kompetenter Nachfolger wurde jedoch erst zum 1. Mai 1997 bestellt: Dipl.-Ökonom Arno Kuge, 46, bislang Geschäftsführer der Dr.-Ebel-Fachkliniken in Bad Karlshafen/Hessen.
Für 1997 zeichnet sich eine leichte Besserung ab: So stieg die Belegung im ersten Halbjahr geringfügig. Es wird allerdings erneut ein Verlust, und zwar in Höhe von sieben Millionen DM, befürchtet, der jedoch weitgehend aus der Rückstellung in Höhe von sechs Millionen DM ausgeglichen werden kann. Infolge der Turbulenzen ist der Kurs der Aktie von über 200 auf 97 DM (Stand: 9. August) gesackt.
Konzept der
Konsolidierung
Mit einem ganz auf Konsolidierung ausgerichteten Konzept beabsichtigt die neue Klinikleitung, neue Disziplinen in die Bonner Klinik zu bringen und die bestehenden Disziplinen in Marmagen mit entwicklungsträchtigen Subdisziplinen zu arrondieren (vor allem Schlaganfall-Rehabilitation). Die Klinik dort soll von 460 auf 300 Betten verkleinert werden.
Für Bonn werden weitere Anlaufverluste erwartet, da lediglich rund 75 der 124 Betten belegt werden könnten (so die Prognosen). Die bisher auf die Anschlußrehabilitation ausgerichteten Behandlungskapazitäten sollen um weitere Disziplinen und teilweise um eine Akutversorgung ergänzt werden.
Mit den Gesellschafterärzten der Kaiser-Karl-Klinik, Fachklinik für Orthopädie GmbH, die 49 Prozent der Anteile hielten, wurde mit Wirkung vom 31. Juli 1997 ein Ausscheiden gegen Rückerstattung ihrer Kapitalanteile vereinbart. Dies geschah nach den Worten von Arno Kuge, "um größeren Streit zu vermeiden", um dem Klinikkonzern einige Steuervorteile zu erhalten und um wieder mehr Entscheidungsflexibilität zu erlangen.
Trotz Verlust und heftiger Proteste auch von Aktionärs-Schutzvereinigungen wurden Vorstand mit fast 80 Prozent und Aufsichtsrat mit gut 64 Prozent des abstimmungsberechtigten Grundkapitals entlastet. Rechtsanwalt Hans Friedrich Dickel, Bankdirektor a. D., Krefeld, wurde als Vorsitzender des Aufsichtsrates wiedergewählt. Ebenfalls in den Aufsichtsrat wiedergewählt wurde Prof. Dr. med. Kurt Alphons Jochheim, Köln. Als Arbeitnehmervertreter wurde der Arzt Karl Vermöhlen, Nettersheim-Marmagen, von der Belegschaft bereits bestätigt. Dr. Harald Clade
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