ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2010Ausstellung: „Rassenhygienische“ Propaganda

KULTUR

Ausstellung: „Rassenhygienische“ Propaganda

Dtsch Arztebl 2010; 107(17): A-826 / B-722 / C-710

Gerst, Thomas

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Genau hinzuschauen, dazu lädt die Ausstellung „Gelenkte Blicke – rassenhygienische Propaganda und Politik im Kontext des Nationalsozialismus“ in der Medizinhistorischen Sammlung der Ruhr-Universität Bochum ein. Sie ist das Ergebnis eines im hochschulinternen Wettbewerb prämierten Projekts, das für Medizin- und Geschichtsstudierende angeboten wurde.

Die rassenhygienische Propaganda in der NS-Zeit war ausgesprochen gerissen, so dass es dem Betrachter auf den ersten Blick kaum gelang, sich ihrer Wirkung zu entziehen. Mit perfiden grafischen Methoden entstanden Bedrohungsszenarien, die sich den Anstrich von Wissenschaftlichkeit gaben. Die Grenze zwischen wissenschaftlicher Darstellung und Propaganda verschwamm.

Auf sieben Ebenen des Malakowturms präsentiert die Ausstellung fünf große Bereiche, angefangen bei der Evolutionstheorie, die allem vorausging. Zu jedem Bereich gibt es einen Einleitungstext und eine Säule mit Erläuterungen der Exponate, meist Bildtafeln und Bücher, dazu zwei Filmausschnitte. An einigen Stellen können die Besucher die Materialien direkt in die Hand nehmen. Da gibt es etwa eine Schulszene mit Kopien von Originalunterrichtsmaterialien, mit denen die damaligen Schüler zu eigenen Aktivitäten angeleitet wurden. „Trage Deine Sippe in den Stammbaum ein“, lautete die Aufgabe in Biologie, „Was kostet die Betreuung Erbkranker? Wie viele Arbeiter müssen dafür ihren Jahreslohn hergeben?“ in Mathematik.

Gleichzeitig wurde Angst erzeugt vor dem, was bei der Vermehrung angeblich mangelhaften Erbguts aus dem Volk zu werden drohte. Bedrückende Szenarien wurden entworfen und reißerisch bebildert, in denen bis ins Jahr 2000 vorausberechnet wurde, wie groß die Last durch die Alten, die Minderwertigen, Kriminellen oder die Ausländer für die jungen, gesunden Deutschen sein würde.

Die Ausstellung versucht, diese Propaganda durchschaubar zu machen. Das Material, das sonst nicht öffentlich gezeigt wird, bedarf der genauen Betrachtung, um entlarvt zu werden. TG


Öffnungszeiten vom 17. April bis zum 6. Juni im Malakowturm Julius Philipp, Markstraße 258 a, 44799 Bochum: Mi. 9–12 Uhr und 14–18 Uhr; Sa. 14–18 Uhr; So. 11–18 Uhr; Sonntags werden um 15 Uhr kostenfreie, öffentliche Führungen angeboten. Gruppenführungen zu anderen Terminen, auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten, sind möglich. Anfragen per E-Mail: gelenkte-blicke@rub.de
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema