ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2010Nicotinsäure: Umfassende Modifikation der Lipidwerte

PHARMA

Nicotinsäure: Umfassende Modifikation der Lipidwerte

Dtsch Arztebl 2010; 107(17): A-827

Heinzl, Susanne

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LNSLNS Nach dem Ergebnis einer Metaanalyse reduziert Nicotinsäure signifikant das kardio- und zerebrovaskuläre Risiko.

Das kardiovaskuläre Risiko wird nicht nur durch erhöhte LDL-Cholesterin-Werte gesteigert, sondern auch durch niedrige HDL-Cholesterin-Konzentrationen und erhöhte Triglyceridspiegel. Das erklärt, warum trotz einer lipidsenkenden Therapie mit CSE-Hemmern das kardiovaskuläre Risiko immer noch bei 60 bis 80 Prozent liegt. Nicotinsäure kann sowohl die LDL-Cholesterin-Konzentration senken als auch Triglycerid- und Lipoprotein-(a)-Werte verringern sowie die HDL-Cholesterin-Konzentration erhöhen. Erstmals wurden nun in einer Metaanalyse* randomisierter kontrollierter Interventionsstudien die Wirkungen von Nicotinsäure auf klinische Endpunkte und die Progression der Atherosklerose untersucht. Die Einschlusskriterien erfüllten elf Studien mit 2 682 Patienten in der Nicotinsäuregruppe und mit 3 934 Patienten in der Vergleichsgruppe.

Die Analyse ergab, dass Nicotinsäure signifikant schwerwiegende koronare Ereignisse um 25 Prozent (p < 0,0001), Schlaganfälle um 26 Prozent (p < 0,007) und kardiovaskuläre Ereignisse um 27 Prozent (p < 0,0001) reduzierte. Im Gegensatz zu CSE-Hemmern wirkte Nicotinsäure nicht nur auf kardiovaskuläre Ereignisse, sondern auch auf die Schlaganfallrate, was mit der umfassenderen Modifikation der Lipidwerte erklärt wird.

Um auszuschließen, dass eine große Studie das Ergebnis dominierte, wurde die Analyse unter Ausschluss des Coronary Drug Project (CDP) wiederholt, von dem 60 Prozent der Daten zur Gesamtanalyse stammten. Die Häufigkeit koronarer oder kardiovaskulärer Ereignisse wurde auch weiterhin signifikant gesenkt. Beim Schlaganfall waren die Fallzahlen zu klein, um eine statistische Aussagekraft zu erreichen.

In einigen Studien in der Analyse war der Einfluss von Nicotinsäure auf die Progression der Atherosklerose untersucht worden: Unter Nicotinsäuretherapie stieg der Anteil der Patienten mit einer Regression der Atherosklerose um 92 Prozent, der Anteil der Patienten mit einer Progression ging um 41 Prozent zurück.

Möglicherweise wäre der Nutzen von Nicotinsäure noch höher, wenn die Compliance der Patienten verbessert werden könnte. So nahmen im CDP nur 57 Prozent der Patienten die Nicotinsäure in der Maximaldosis. Eine Antwort hierauf erhofft man sich von der derzeit laufenden HPS2-THRIVE-Studie (Heart Protection Study 2: Treatment of HDL to reduce the incidence of vascular events), in der die Wirkung von Nicotinsäure plus Laropiprant auf kardiovaskuläre Endpunkte wie kardiovaskulären Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall untersucht wird.
Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

*Bruckert E et al.: Metaanalysis of the effect of nicotinic acid alone or in combination on cardiovascular events and atherosclerosis. Atheroslerosis (2010), doi: 10.1016/j.atherosclerosis. 2009.12.023.

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