ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2010Börsebius: Nichts ist unmöglich

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Börsebius: Nichts ist unmöglich

Dtsch Arztebl 2010; 107(17): A-829 / B-725 / C-713

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LNSLNS Zugegeben, ich bin vielleicht parteiisch. Eine geschlagene Woche habe ich im Ausland auf meinen annullierten Rückflug gewartet und bin statt meines Heimatflughafens Köln in Hannover gelandet und war nach den tagelangen chaotischen Verhältnissen am Ende heilfroh, wieder zu Hause zu sein.

Kaum gelandet – nach kontrolliertem Sichtflug in der Nacht, nichts ist bekanntlich unmöglich – wurde ein paar Stunden später der gesamte europäische Luftraum komplett wieder freigegeben. Die Aschewolke habe sich verzogen, hieß es. Und alle Beteiligten nickten dankbar, inklusive Ascheminister Ramsauer.

Bei allem Respekt, so schnell kann sich auch die flinkste Wolke der Welt nicht aus dem Staub machen. Nicht die Wolke hat sich verändert, sondern die Verhältnisse. Die Industrie nahm sich der Sache gründlich an. Die Luftfahrtgesellschaften und Triebwerkhersteller einigten sich auf der Basis von Modellrechnungen und eigenen Testflügen auf Toleranzwerte, nach denen das gefahrlose Fliegen (noch) möglich war. Und siehe da: Plötzlich konnten 98 Prozent des gesamten europäischen Luftraums freigegeben werden.

Was lernen wir daraus? Wenn es ums Geld geht, hören Geduld und Freundschaft schnell auf. Die Politik dürfte trotzdem heilfroh gewesen sein, dass die Industrie das Heft des Handelns an sich gerissen hat. Und das war auch gut so, zu immens war mittlerweile die Gefahr geworden, durch ein weiteres Flugverbot die Konjunktur dramatisch abzuwürgen, die Folgen für die Finanzmärkte wären ebenso verheerend gewesen.

Wichtig ist jetzt nur, dass sich alle Beteiligten – Industrie und Politik sowie Luftaufsichtsbehörden – zusammensetzen und einheitliche Regeln für ähnliche Fälle entwickeln, immerhin lassen die nächsten Aschewolken mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht lange auf sich warten, neben dem bisherigen Übeltäter in Island gibt es ja noch einen erheblich größeren Nachbarvulkan, der im Zweifel viel größere Aschewolken ausspeien kann. Nichts ist unmöglich.

Es gibt im Übrigen für die Politik überhaupt keinen Grund, entweder beleidigt zu sein oder die Industrie zu beschuldigen, etwaige Sicherheitsinteressen von Bürgern zu verletzen oder verletzt zu haben. Bereits 2005 hatte die Internationale Zivilluftfahrtorganisation von der Politik Notfallpläne für Aschewolken gefordert. Bisher vergeblich. Das ist in der Tat unmöglich.
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