ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/1997Alternativtherapien in der Gynäkologie: Phytopharmaka sind gerechtfertigt

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Alternativtherapien in der Gynäkologie: Phytopharmaka sind gerechtfertigt

Carr, Petra

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LNSLNS Als Alternative zu Hormonpräparaten werden Phytopharmaka immer häufiger verschrieben, sei es, daß die Patientinnen grundweg eine Hormonsubstitution ablehnen oder aus Risikogründen vom Arzt eine hormonelle Therapie abzulehnen ist. Die zwei wichtigsten Beschwerdefelder in der Gynäkologie sind das prämenstruelle Syndrom (PMS) und der Komplex der klimakterischen Beschwerden. Auf dem Workshop "Gynäkologische Pharmakotherapie" in Bad Herrenalb bezeichnete Dr. Thomas Rechlin (Erlangen) einen Behandlungsversuch mit Natursubstanzen als durchaus sinnvoll.
Im Gegensatz zu den Hormonen wirkten die Phytopharmaka möglicherweise über eine Modulation von hypothalamischen Funktionen und serotonergen und/oder dopaminergen Neurotransmittervorgängen, erklärte Rechlin. So bindet Cimicifuga racemosa (Remifemin®, Schaper & Brümmer) wahrscheinlich an Östrogenrezeptoren, jedoch ohne uterotrope beziehungsweise vaginotrope Effekte im Sinne einer östrogenen Wirkung. Experimentelle Ergebnisse, erläuterte Thomas Neßelhut (Erlangen), deuteten darauf hin, daß auch Patientinnen mit Mammakarzinom mit Cimicifuga therapiert werden können und eventuell sogar ein günstiger Einfluß auf den Verlauf der Tumorerkrankung erreicht werden kann. In-vitro-Versuche zeigten, daß durch Extrakte von Cimicifuga racemosa das Wachstum von östrogenrezeptor-positiven Mammakarzinomzellen gehemmt wird. In Kombination mit dem Zytostatikum Tamoxifen war diese Hemmung deutlich stärker als in der alleinigen Anwendung von Tamoxifen. Mehr als die Hälfte ihres Lebens müssen Frauen heute theoretisch ohne Eierstockfunktion auskommen, rechnete Prof. Ingrid Gerhard (Heidelberg) vor. Selbst wenn im Blut noch "normale" Östrogenkonzentrationen vorhanden sind, klagen viele Patientinnen bereits schon Ende 30 über typische Wechseljahrbeschwerden. Da diese nicht nur körperlich, sondern oftmals psychisch sind, bietet sich die Behandlung mit dem Kombinationspräparat Remifemin® plus an.
In einer multizentrischen Anwendungsbeobachtung in 186 Praxen von Gynäkologen erwies sich das Kombinationspräparat aus Cimicifuga racemosa (Traubensilberkerze) und Hypericum perforatum (Johanniskraut) in der Behandlung klimakterischer Beschwerden als wirksam. Nach einer Behandlungsdauer von zwölf Wochen wurde die Wirksamkeit von 81 Prozent der Frauen mit "gut" und "sehr gut" beurteilt, zwölf Prozent fanden die Wirksamkeit ausreichend und sieben Prozent unzureichend. Dabei waren die typischen Symptome wie Reizbarkeit, innere Anspannung, Konzentrationsschwäche, Nie-dergeschlagenheit, Angst, Schlaflosigkeit und Hitzewallungen signifikant und klinisch relevant gebessert. Die Verträglichkeit wurde zu 99 Prozent als "sehr gut" bezeichnet.
Seit Mai 1997 bietet Schaper & Brümmer ein neues Präparat zur Behandlung des prämenstruellen Syndroms mit einem Wirkstoff aus Vitex agnus castus an (Femicur® Kapseln). Der therapeutisch verwendete Extrakt wird aus den reifen, getrockneten Früchten des Mönchspfeffers (Keuschlamm) gewonnen. Er enthält Substanzen, die sanft auf die Hirnanhangdrüse wirken. Gerhard erläuterte, daß mindestens drei der Inhaltsstoffe für die dopaminantagonistische Wirkung verantwortlich sind. Durch diesen dopaminergen Effekt wird der erhöhte Prolaktinspiegel gesenkt und damit die zyklusbedingten Schmerzen. Eine Therapie des PMS erweist sich insofern oft als notwendig, als die Beschwerden so stark sein können, daß vor allem die Arbeitsfähigkeit stark beeinträchtigt ist.
Das Präparat aus Vitex agnus castus zeigt bei guter Verträglichkeit nach einer Therapiedauer von drei bis sechs Monaten (oder länger) eine deutliche Besserung der Symptomatik. Wirksamkeit und Verträglichkeit wurden auch in zwei multizentrischen Praxisstudien nachgewiesen. Bei 90 Prozent der Behandelten wurden die PMS-Beschwerden positiv beeinflußt. Darunter waren 32 Prozent der Frauen völlig beschwerdefrei. Ursula Petersen


Neues Medikament zur Raucherentwöhnung
Der Wirkstoff Zyban erhielt jetzt als erste nikotinfreie, verschreibungspflichtige Substanz die Zulassung der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA zur Raucherentwöhnung. Das Arzneimittel mit dem Wirkstoff Zyban, das bereits als Anti-depressivum (Wellbutrin®, Glaxo Wellcome) verkauft wird, stimuliert wie Nikotin die Freisetzung von Dopamin und Norepinephrin - zwei Botenstoffe, die Gefühl von Energie und Wohlbefinden vermitteln.
In Tests hörten 49 Prozent der Patienten, die Zyban einnahmen, nach vier Wochen auf zu rauchen. Patienten, die Zyban und das Nikotinpflaster kombinierten, zeigten mit 58 Prozent die besten Resultate. Petra Carr

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