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In der letzten Zeit beeilt sich der/die eine oder andere Kassenchef/in (Fischer BEK, Kaluweit KKH Allianz etc.), sich in Interviews über den gesetzlich verordneten Zwang zur hausarztzentrierten Versorgung zu beklagen. Das sei teurer als die bisherige Versorgung und würde keine bessere Qualität als bisher bewirken. Kurzum, die Kassen zahlen kräftig drauf, und die Versicherten bekommen nur das, was die meisten ohnehin schon haben. Einen Hausarzt!

Selbstherrlich gehen sie davon aus, dass wer ein paar Euro pro Quartal mehr kriegt, konsequenterweise auch gleich mehr bieten muss. Hierbei wird von den Kassenführern nicht zur Kenntnis genommen, dass sie jahrelang und auch heute noch zum Billigtarif eine hervorragende hausärztliche Versorgung bekommen. Für ca. 15 Euro im Monat gibt es in der KV-Medizin ein Rundumwohlfühlpaket mit 24-Stunden-Notdienstversorgung und niedrigschwelligem Zugang zu allen hausärztlichen Leistungen, seien es Hausbesuche, Laboruntersuchungen, Präventionsleistungen, Ultraschalluntersuchungen und vieles mehr. Hausärzte aus vergleichbaren europäischen Ländern (z. B. Holland, England, Frankreich . . .) bieten längst nicht so ein umfangreiches Leistungsspektrum zu einem derartig billigen Preis wie deutsche Hausärzte! Das ist der Grund für den eklatanten Mangel an Nachwuchs, für die Emigration deutscher Ärzte ins Ausland und den jetzt schon spürbaren Mangel an Hausärzten in ländlichen Gebieten. – Als Hausarzt kann ich diesen Kassenchefs nur raten, schleunigst umzudenken und die hausarztzentrierte Versorgung auf eine sichere finanzielle Grundlage zu stellen. Das, was sie als Alternative zu einer gut funktionierenden Hausarztmedizin bekommen werden, ist eine teure Versorgung ihrer Patienten durch Spezialisten und Kliniken. Dann wird zum Beispiel der einfache Nackenschmerz nicht mit einer Untersuchung, einem Schmerzmittel und einigen Tipps zum rückengerechten Verhalten behandelt, sondern von Orthopäden, Radiologen und Neurologen maximal diagnostiziert (Röntgen, Gefäßdoppler, CT, MRT . . .), um dann am Ende nur für die hundertfachen Kosten das Gleiche zu machen wie der Hausarzt . . .

Die vom Gesetzgeber vorgesehene Umsetzung der hausarztzentrierten Versorgung ist nicht, wie viele Kassenchefs meinen, dazu gedacht, die Qualität der Versorgung zu verbessern, sondern zu verhindern, dass künftig die Versorgung durch Wegbrechen der Hausärzte schlechter und damit langfristig noch teurer wird.

Das Wort „Vertragsmonopol“ wird hier immer wieder negativ bemüht! Ich weise darauf hin, dass es demokratischer Wille der Hausärzte Deutschlands ist, dass der Hausärzteverband dieses „Monopol“ wahrnimmt. Er wurde demokratisch von über 50 Prozent aller Hausärzte dazu legitimiert. Die Kassen sollten das endlich zur Kenntnis nehmen und mit ihrem Gejammer darüber aufhören! Davor hatte die KV das Vertragsmonopol (nicht demokratisch legitimiert). Hat auf Kassenseite jahrzehntelang niemanden gestört. Warum auch, hatte man mit denen doch bisher leichtes Verhandlungsspiel und konnte zum Dumpingpreis hausärztliche Versorgung bekommen. Jetzt spekuliert man, mit einem blauen Auge davonzukommen, indem man im Schulterschluss mit den KVen billigere Add-on-Verträge aus dem Ärmel zaubert (Niedersachsen, Sachsen-Anhalt). Wollen die Hausärzte das nicht (Bremen), wird auf Konfrontation gegangen, geklagt und dreist mit Honorarverlusten und Verzögerungen bei den Zahlungen gedroht oder wie in Bayern auch durchgesetzt . . . Vorwerfen muss man Frau Fischer und den anderen Kassenchefs, dass in all den Jahren der Diskussion über 73 b-Verträge bisher kein einziger von ihnen selbst und nur durch sie entwickelter Vertrag den Hausärzten angeboten wurde . . . Stattdessen herrscht auf breiter Front nur dumpfe Fantasielosigkeit. Da verkommt die Überschrift des Interviews und die Aussage von Frau Fischer „Wir wollen Versorgung gestalten“ zur hohlen Phrase.
Per Christian Knöpfel, 37181 Hardegsen
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