ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2010Kulturkalender: Geschichten von Liebe und Schmerz

KULTUR

Kulturkalender: Geschichten von Liebe und Schmerz

Dtsch Arztebl 2010; 107(18): A-872 / B-764 / C-752

Schuchart, Sabine

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LNSLNS Alle vier Wochen stellt das Deutsche Ärzteblatt eine Auswahl von herausragenden Ausstellungen vor, die Sie nicht verpassen sollten.

Berlin
Bis 9. August:
Frida Kahlo
Es war die Krankheit, die ihr Werk prägte. Nach einem Verkehrsunfall mit 18 Jahren litt Frida Kahlo (1907–1954) zeitlebens an chronischen Schmerzen und den Folgen zahlreicher Operationen. Ihr Leiden und ihre Verlustgefühle verarbeitete die große mexikanische Künstlerin in ihren Bildern, erfand dafür eine eigene fantastisch-surreale Symbolik. So verweisen etwa ihre Früchte auf Geschlechtlichkeit und Verletzungen. Bänder und Fäden repräsentieren Blutsbande beziehungsweise Verbindungen zwischen Menschen. Der Tod taucht als Totenkopf, mexikanischer Hund, als Skelett oder als Judasfigur auf. Allein ein Drittel ihres circa 150 Gemälde und Zeichnungen umfassenden Œuvres sind Selbstbildnisse. Erstmals in Deutschland ist nun nahezu das komplette Werk Frida Kahlos ausgestellt.
Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7/Ecke Stresemannstr. 110, tgl. 10–20 Uhr

Foto: Fritz-Behrens-Stiftung, Hannover
Foto: Fritz-Behrens-Stiftung, Hannover
Hannover
Bis 15. August:
Liebesgeschichten
Was die Liebe mit uns macht, was sie in unseren Köpfen und Körpern auslöst, hat Künstler immer wieder bewegt (Bild: Emil Noldes „Der Schwärmer“, 1919). Allein zwischen 1900 und 1960 widmeten sich so viele bedeutende Maler und Bildhauer von Archipenko und Beckmann über Gauguin, Grosz, Moore und Léger bis hin zu Picasso und Dorothea Tanning dem Thema, so dass wir auf diesem Streifzug durch die Zeit der Moderne die Liebe vielleicht auf einmal mit anderen Augen sehen.
Sprengel-Museum, Kurt-Schwitters-Platz, Di. 10–20, Mi.–So. 10–18 Uhr

Karlsruhe
13. Mai bis 3. Oktober:
Jürgen Klauke. Ästhetische Paranoia
Mit provokanten Inszenierungen seines Körpers suchte der Fotograf und Performancekünstler in den 1970er Jahren die Auseinandersetzung mit der Gesellschaft. Auch in seinen neueren Fotoarbeiten geht es um die menschliche Existenz mit ihren allgegenwärtigen Abgründen und Absurditäten. Dabei lässt sich Klauke insbesondere von dem Begriff der Paranoia leiten, reflektiert die Grundbedingungen des paranoiden Daseins. So entstanden Serien großformatiger Schwarz-Weiß-Fotografien, die er -„Ästhetische Paranoia“ oder „Wackelkontakt“ nannte. In der erstmals gezeigten Arbeit „Schlachtfelder“, einem 16 Meter langen Tableau aus 144 Farbfotografien, weist Klauke auf die „Schönheit des Schrecklichen“ hin, die im Verborgenen eines Schlachthofs herrscht.
ZKM/Museum für Neue Kunst, Lorenzstr. 19, Mi.–Fr. 10–18, Sa.–So.11–18 Uhr

Köln
Bis 22. August:
Wade Guyton
Flachbildscanner, Computer und Tintenstrahldrucker gehören zu den Arbeitsmitteln von Wade Guyton, einem hoch gelobten Nachwuchskünstler. Damit bedruckt der 1972 geborene Amerikaner allerdings nicht Papier, sondern 1,75 Meter breite Leinwände. Die sperren sich gegen die Behandlung, müssen wegen des Formats längs gefaltet und zweimal hintereinander durch den Drucker gezogen werden. Die dabei entstehenden Effekte wie Auslassungen oder Schleifspuren geben den mit monochromen schwarzen oder grauen Flächen bedruckten langen Leinwandbahnen einen fast plastischen Charakter.
Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, Di.–So. 10–18, 1. Do. im Monat 10–22 Uhr

Wolfsburg
13. Mai bis 3. Oktober:
Steiner und die Gegenwartskunst
Am 27. Februar 2011 jährt sich der Geburtstag von Rudolf Steiner zum 150. Mal. Für die Kunstszene ist dies bereits jetzt Anlass, sich mit seinem Weltbild auseinanderzusetzen. Künstler wie Kandinsky oder Mondrian erhielten wichtige Impulse aus Steiners ethischer Philosophie. Dieses Interesse scheint sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch zu verstärken.
In der Schau, die 2011 in Stuttgart zu sehen ist, beziehen unter anderem Meris Angioletti, Joseph Beuys, Tony Cragg, Olafur Eliasson, Helmut Federle, Katharina Grosse, Anish Kapoor und Giuseppe Penone Position zu Ästhetik und Denken Steiners.
Kunstmuseum, Hollerplatz 1, Mi.– So. 11–18, Di.11–20 Uhr
Sabine Schuchart


Foto: Wilhelm-Fabry-Museum
Foto: Wilhelm-Fabry-Museum
Der besondere Tipp
Verehrt oder verspottet – das Bild des Heilers
Albrecht Dürers mittelalterliche Hausbesuchsszene, das Porträt Louis Pasteurs von Albert Edelfelt oder Erich Salomons Foto der Chirurgenlegende Sauerbruch im OP – die Ausstellung spannt von der Antike bis hin zu Darstellungen des Mediziners in der zeitgenössischen Kunst (Bild: Maina-Miriam Munsky: „O. T. [Arzt]“, 1972) einen weiten Bogen. Dabei geht es immer um den – je nach Epoche völlig unterschiedlichen – subjektiven Blick des Künstlers und seiner Auftraggeber auf den Arzt. Dieser wird nicht nur heroisiert, sondern auch karikiert, erscheint ebenso als begnadeter Heiler wie als verzweifelter Kämpfer um Leben und Tod.
„Götter in Weiß. Arztmythen in der Kunst“ (bis 18. Juli): Wilhelm-Fabry-Museum, Benrather Straße 32 a, 40721 Hilden, Di./Mi./Fr. 15–17, Do. 15–20, Sa. 14–17, So. 11–13 und 14–18 Uhr
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