ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2010Börsebius: Fakten, Fakten, Fakten

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Börsebius: Fakten, Fakten, Fakten

Dtsch Arztebl 2010; 107(18): A-876 / B-768 / C-756

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LNSLNS Die chaotischen Zustände um Griechenland haben gezeigt, wie schnell Börsen in die Knie gehen können. Da sich solche Panikattacken immer wieder ereignen können, ist die richtige Aktienauswahl wichtiger denn je. Für den Anleger ist es also wichtig, sich nicht (nur) auf sein Bauchgefühl zu verlassen, sondern liebe harte Fakten sprechen zu lassen. Es gibt freilich mehrere Analyseverfahren, mit denen solide und gewinnträchtige Aktien ermittelt werden können; die gebräuchlichsten möchte ich Ihnen hier vorstellen.

Der Klassiker auf der Suche nach günstigen Werten ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Hier wird der aktuelle Börsenkurs ins Verhältnis zum erwirtschafteten Gewinn des Unternehmens gesetzt. Die Regel: „Je niedriger das KGV, desto lohnenswerter“ erfüllen derzeit vor allem Hannover-Rück und Allianz sowie generell Banken und Versicherungen. Die Anhänger der Value-Lehre schwören indes auf das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), es werden also die tatsächlichen Werte eines Unternehmens in Relation zum Börsenkurs gesetzt. Die Investmentlegende Warren Buffet setzt zum Beispiel auf das KBV. Ein besonderes niedriges und attraktives KBV haben Heidelberger Druck, Praktiker und Evotec.

Wo bekomme ich eine besonders hohe Dividende? Wird diese Messlatte angelegt, ragen aus der Reihe der besonders spendablen Gesellschaften die Deutsche Telekom oder die Wohnungsbaugesellschaft GAGFAH heraus, wobei zu hoffen bleibt, dass die Ausschüttung nicht aus der Substanz geleistet wird, sondern aus dem tatsächlich erwirtschafteten Ergebnis.

Liebhaber der „wahren“ Ertragskraft einer AG setzen daher mehr auf das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV). Der Cashflow zeigt, welche Mittel dem Unternehmen tatsächlich zur Verfügung stehen. Demnach wären mit einem möglichst niedrigen KCV Pro-Sieben und QSC auf die Kaufliste zu setzen.

Persönlich, das so nebenbei, halte ich von der sogenannten Chartanalyse gar nichts. Die Anhänger dieser Lehre versuchen aus dem Verlauf des Aktienkurses auf Gesetzmäßigkeiten zu schließen, die Aufschluss über den künftigen Kurs einer Aktie ergeben (sollen). Nach meiner Erfahrung haben die Chartisten alle Löcher in den Schuhen.

Aber egal, ob KGV, KBV, Dividendenrendite oder KCV, die Krux ist hier nur, dass – je nach Kennzahl – die Favoriten wechseln. Außerdem haben diese Messgrößen alle den Nachteil, sich lediglich auf die Vergangenheit zu beziehen. Wie sich die Unternehmen in Zukunft entwickeln, ist im Zweifel ungewiss. Sie sehen, die vermeintlich harten Fakten sind am Ende doch nicht so sicher und können lediglich eine – wenn auch wichtige – Indikatorfunktion ausüben. Wer sichergehen will, mischt. Zum Schluss muss halt dann doch wieder das Bauchgefühl mitentscheiden.
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