ArchivDeutsches Ärzteblatt36/1997Krankenhäuser: Häufigere Falldarstellung erwünscht

SPEKTRUM: Leserbriefe

Krankenhäuser: Häufigere Falldarstellung erwünscht

Schmauss, A. K.

Zu dem "Seite eins"-Beitrag "Münchhausen-Syndrom" von Dr. Harald Clade in Heft 18/1997:
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LNSLNS . . . Die geglückte Irreführung von Ärzten durch Simulation, Aggravation, Artefakte und vor allem beim Vorliegen des Münchhausen-Syndroms bei der klinischen Untersuchung und auch bei der Begutachtung ist viel häufiger, als Ärzte oder Funktionäre der Sozialversicherungen glauben, von Gesundheitspolitikern und Journalisten ganz zu schweigen. Die Kosten für die ambulante und stationäre Behandlung, das unrechtmäßig bezogene Krankengeld, den Produktionsausfall beziehungsweise die Renten für nicht vorhandene Unfallfolgen, Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit gehen in die Zigmillionen und belasten unser Sozialsystem erheblich.
Die Kosten sind nur ein Faktor dieses Problems. Ein weiterer ist die Gefährdung dieses Kranken durch invasive Diagnostik (wiederholte Röntgen-Untersuchungen, Arterio-, Veno-, Lymphographien, chirurgische Eingriffe usw.) . . .
Wie kann für den Arzt die Gefahr, von einem Patienten in die Irre geführt zu werden, verringert werden? Er hat seinen Beruf erwählt, um den Kranken zu helfen, daher ist es für ihn nur schwer vorstellbar, daß Patienten oft schwere Krankheitsbilder vortäuschen oder selbst erzeugen. Im Studium bekommt er einschlägige Patienten kaum einmal zu sehen, in den Lehrbüchern wird auf dieses Problem kaum eingegangen. Es sind viele Vorschläge unterbreitet worden, von der Informierung des Versicherungsträgers, die in jedem Fall erfolgen sollte, bis zur diskreten Tätowierung auf einer Ge-säßbacke. Sie sind wenig hilfreich. Nach den hier gewonnenen Erfahrungen hat die ausführliche Darstellung einschlägiger Fälle in den vielgelesenen medizinischen Zeitschriften (warum nicht im DÄ?) die beste Auswirkung . . .
Prof. Dr. med. habil. A. K. Schmauss, Krautstraße 6, 10243 Berlin
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