SPEKTRUM: Leserbriefe

Glosse: Machwerk

Lütz, Manfred

Zu der Glosse "Moral von oben" von Heinz Knapp in Heft 23/1997:
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LNSLNS Hirntote als "maschinenbetriebene Leichen" zu bezeichnen, ist menschenverachtender Zynismus, und die verdienstvolle Bemühung des Kardinals, zur Organspende zu ermutigen, als "Lizenz zum Töten" zu diskreditieren geht bewußt gegen unsere auf gespendete Organe wartenden Patienten und zeigt, daß Herr Knapp die ethische Debatte noch nicht einmal in Ansätzen kennt. Und er weiß dann wohl auch nicht, in welch unse-liger literarischer Tradition seine Lächerlichmachung der "Fleischwerdung Gottes", eines Glaubens, der immerhin die Christen aller Konfessionen verbindet, in unserem Jahrhundert in Deutschland steht.
Brisant wird dieses Machwerk, wenn man es auf dem Hintergrund der Tatsache sieht, daß das Deutsche Ärzteblatt als einzige mir bekannte medizinische Fachzeitschrift stets nur die eine Seite der Auseinandersetzung um das Hirntodkriterium hat zu Wort kommen lassen. Fast ein halbes Jahr nach dem Meisnerartikel, aber zwei Wochen vor der entscheidenden Bundestagsdebatte so ein Pamphlet auf den Markt zu werfen läßt Agitationsabsicht deutlich werden. Wer überzeugende Argumente hat, muß eine faire Darstellung von Gegenpositionen nicht fürchten, und wir Ärzte sind mündig genug, uns ein eigenes Urteil zu bilden. Leider muß festgestellt werden, daß die Bundes­ärzte­kammer einer solchen Entwicklung - wie zu hoffen ist unbeabsichtigt - Vorschub geleistet hat. Herabsetzende unsachliche Bemerkungen gegenüber der hirntodkritischen Position, eine mißlungene Broschüre, die die Kontroverse verschweigt und von Vertretern aller Fraktionen des Deutschen Bundestages mit Empörung zurückgewiesen wurde, zuletzt ein "Presseseminar", das nur Vertreter der einen Seite zur Sprache kommen läßt, das alles sind schwere Fehler der Öffentlichkeitsarbeit, die der Organspendebereitschaft schaden werden.
Zum Skandal wird diese Glosse allerdings dann, wenn man berücksichtigt, daß man jede andere Zeitung, die religiöse Gefühle verletzt, sofort abbestellen kann. Dieses bedeutsame Regulativ fehlt dem DÄ. Um so mehr ist es schon eine Frage des Anstands, daß man nicht eine solche Position mißbraucht und hemmungslos auf den religiösen Gefühlen von Zwangsabonnenten herumtrampelt.
Dr. med. Manfred Lütz, Wasserburgstraße 2, 53919 Weilerswist-Metternich
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