ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2010Schulabsentismus: Behandlung ist ein großes Problem

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Schulabsentismus: Behandlung ist ein großes Problem

PP 9, Ausgabe Mai 2010, Seite 209

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LNSLNS Etwa fünf Prozent aller Kinder und Jugendlichen weigern sich, in die Schule zu gehen. Die Gründe für Schulabsentismus sind bei Schülern, Familien und Schulen zu suchen. Bei den Schülern findet man leistungs-, soziale und Trennungsängste, Kopf- und Bauchschmerzen, depressive und dissoziale Tendenzen, Teilleistungsstörungen und Antriebsminderung. Außerdem mangelt es vielen Betroffenen an Lerntechniken und sozialen Fertigkeiten. Auf schulischer Ebene sind es große Klassen mit vielen auffälligen Mitschülern, hohe Leistungsanforderungen und Mobbing durch Mitschüler, die Schulabsentismus begünstigen. Im familiären Bereich tragen psychische Störungen der Eltern und Schulabsentismus der Geschwister dazu bei. Familiäre Belastungen, chronische Konflikte, erzieherische Überforderung, Verstärkungsprozesse und hohe Leistungsansprüche fördern Schulabsentismus und halten ihn aufrecht. Als unmittelbare Auslöser gelten Klassen- oder Schulwechsel, Trennung der Eltern, somatische Erkrankungen und Schulferien. Erste Studien weisen auf eine mögliche Wirksamkeit kognitiv-behavioraler Therapie und medikamentöser Therapie (bei ängstlich-depressiv bedingtem Schulabsentismus) hin. Da Schulabsentismus ein komplexes Phänomen ist, plädieren die Autoren für eine multimodale Psychotherapie mit patienten-, familien- und schulzentrierten Bausteinen wie Training sozialer Fertigkeiten, Normalisierung des Schlaf-Wach-Rhythmus, Aufbau sozialer Aktivitäten, Elterntraining und adäquate Beschulung. Zugrunde liegende psychische Störungen und Substanzabhängigkeiten müssen vordringlich behandelt werden. Die Autoren geben allerdings zu bedenken: „Die Kinder und vor allem die Jugendlichen zur Behandlung zu motivieren und die erarbeiteten Interventionen umzusetzen, ist ein großes Problem.“ ms

Walter D, Döpfner M: Schulabsentismus bei Kindern und Jugendlichen – Konzept und Behandlungsempfehlungen. Verhaltenstherapie 2009; 19(3): 153–60.
E-Mail: daniel.walter@uk-koeln.de
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