ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2010Integratives Vorgehen: Ausnahme oder Regel?

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Integratives Vorgehen: Ausnahme oder Regel?

PP 9, Ausgabe Mai 2010, Seite 225

MS

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LNSLNS Psychotherapeutische Verfahren kommen im Labor stets in Reinform zu Anwendung. Wie aber sieht es in der Realität aus? Wenden Psychotherapeuten ausschließlich diejenigen Verfahren an, für die sie ausgebildet wurden, oder greifen sie auch auf Verfahren anderer Schulen zurück? Um diese Fragen zu beantworten, führten Forscher der Fordham University eine Umfrage unter 201 Psychotherapeuten durch, die kognitive Verhaltenstherapie, humanistische und psychodynamische Psychotherapie anboten. Es zeigte sich, dass die Befragten überwiegend auf Methoden ihrer jeweiligen psychotherapeutischen Orientierung zurückgriffen, aber durchaus auch Ausflüge in benachbarte Gebiete unternahmen. So setzten Verhaltenstherapeuten häufiger als vermutet Techniken aus humanistischen und psychodynamischen Schulen ein. Beispielsweise legten sie Wert auf Beziehungsaspekte und interessierten sich für die Kindheit der Patienten. Umgekehrt bedienten sich psychodynamisch und humanistisch orientierte Therapeuten verschiedener verhaltenstherapeutischer Techniken wie Ermutigung zum Aufbau alternativer Verhaltensweisen oder Restrukturierung. „Schulenfremde Techniken werden eingesetzt, um eine Therapie auf einen Patienten und seine speziellen Bedürfnisse zuzuschneiden“, meinen die Autoren. Die Studie zeigte, dass in der Praxis weniger streng zwischen schulentypischen und schulenfremden Techniken unterschieden wird. Vielmehr bestimmen der Patient, der Therapieverlauf und die Kenntnisse, Erfahrungen und Präferenzen des Therapeuten, welche Techniken in die Therapie involviert werden. Und da viele Therapeuten über mehr als eine Ausbildung in einer Therapieschule verfügen, ist eine integrative Vorgehensweise wahrscheinlich keine Ausnahme, sondern eher die Regel. ms

Thoma N, Cecero J: Is integrative use of techniques in psychotherapy the exception or the rule? Psychotherapy Theory, Research, Practice, Training 2009; 46(4): 405–17.
Nathan Thoma, Fordham University, Dealy 206, 441
E. Fordham Road, Bronx, New York 10458, E-Mail: nthoma@gmail.com
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