ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2010Verhaltenstherapie: Hilfe für schwierige Situationen

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Verhaltenstherapie: Hilfe für schwierige Situationen

PP 9, Ausgabe Mai 2010, Seite 227

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In der Reihe „Psychologisches Know-how für die Praxis“ hilft das Buch Therapeuten und Beratern in schwierigen Therapie- und Beratungssituationen. Ob schweigende, aggressive oder antriebslose Patienten, ob Machtkämpfe, fehlende Rückmeldung oder Terminabsagen – schwierige Situationen in Therapie und Beratung kennen jede Psychotherapeutin und jeder Psychotherapeut. Wie sie zu meistern sind, zeigt dieses störungsübergreifende Praxisbuch. Die Autoren machen deutlich, dass sich das Buch auf spezifische Situationen und konkrete Erlebnis- und Verhaltensweisen bezieht und nicht auf schwierige Personen, die „Persönlichkeitsstörungen“ haben. Weil sie die Einschätzung vertreten, dass Beratung und Therapie viel Raum für unterschiedliche Meinungen lassen, erheben sie auch nicht den Anspruch, die einzig sinnvolle oder richtige Antwort auf spezifische Problemsituationen zu vermitteln. So ist den Autoren mit dem Buch eine Interventionssammlung gelungen, die im therapeutischen und beraterischen Alltag hilft, mit schwierigen Situationen besser fertig zu werden.

In einer kurzen Einführung wird die Leserschaft mit Merkmalen schwieriger Situationen vertraut gemacht, und die Autoren führen kurz in ihren theoretischen Hintergrund ein. Dann wird in einzelnen Kapiteln jeweils eine schwierige Situation behandelt. Die 24 beschriebenen Probleme sind alphabetisch geordnet. Es beginnt mit dem Thema „Abbruch der Behandlung durch den Klienten“. Initial wird eine Situation skizziert, wie sie jeder kennt: Ein Patient teil auf dem Anrufbeantworter mit, dass er die Behandlung nicht fortsetzen will. Die Autoren diskutieren das Thema Beendigung einer Therapie beziehungsweise verschiedene unterschiedliche Bedingungen, die zum Abbruch durch den Klienten geführt haben können. Im Behandlungsvertrag mag ein Passus verankert sein, der es beiden Seiten ermöglicht, mit einer Frist von zwei Wochen zu kündigen. Die Autoren erläutern die Gegebenheiten, in denen ein Abbruch mit Kontakt beziehungsweise ohne Kontakt erfolgt. Dann wird der Abbruch in einer Krisensituation behandelt. Der letzte Teil des Kapitels beschäftigt sich mit Auswirkungen von Behandlungsabbrüchen auf den Behandler. Viele Behandler verbinden einen Abbruch mit einer Kritik an der eigenen Person beziehungsweise am eigenen Vorgehen. Dies mag in manchen Fällen gerechtfertigt sein und kann zu Selbstkritik und Korrekturen Anlass geben. Der Behandler sollte im Umgang mit eigenen Fehlern als Vorbild auftreten und dem Patienten verdeutlichen, dass Fehler passieren können und ein Behandlungsabbruch nicht nötig ist. Wenn dies gelingt, können auf der Beziehungsebene wichtige Lernprozesse angestoßen werden. Wenn sich der Klient jedoch ohne weitere Erklärung der Behandlung entzieht, machen sich viele Behandler Vorwürfe, und es kann zu einer therapeutischen Selbstwertkrise kommen. Für die Therapeuten ist es wichtig, die konkreten Gründe des Abbruchs zu erfahren, um einschätzen zu können, ob diese Gründe überhaupt mit ihnen zu tun haben. Den Abschluss des Kapitels bietet eine Gegenüberstellung von „Dos & Don’ts“ in einer tabellarischen Form. Zu den Dos gehört es, die Gründe für den Abbruchwunsch zu klären, wenn das möglich ist. Der Abbruchwunsch soll grundsätzlich respektiert werden und das eigene Verhalten im Verlauf der Behandlung ist angemessen selbstkritisch zu reflektieren. Wenn der Abbruch nicht persönlich erfolgt ist, soll eine Kontaktaufnahme mit dem Klienten versucht werden (ein bis zwei Anrufversuche, ein abschließender Brief). Zu den Don’ts gehören gekränkte oder beleidigte Reaktionen. Jeder Abbruch wird grundsätzlich auf sich selbst bezogen, der Abbruch wird nicht akzeptiert, und es wird fortgesetzt versucht, den Patienten zu kontaktieren.

Auf diese Weise werden in anderen einzelnen Kapiteln weitere Themen behandelt wie beispielsweise abwertendes und überkritisches Verhalten, mangelnde Veränderungsmotivation, negative Gefühlsäußerungen und exzessives Jammern, Suizidalität, Verliebtsein bei Klienten, Verliebtsein von Behandlern oder zufällige Begegnungen mit Klienten im privaten Kontext. Im Anhang des Buches sind Vorlagen für Therapieverträge und Patientenanschreiben aufgeführt.
Joachim Koch

Alexander Noyon, Thomas Heidenreich: Schwierige Situationen in Therapie und Beratung. 24 Probleme und Lösungsvorschläge. Beltz, Weinheim 2009, 195 Seiten, kartoniert, 34,95 Euro
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