ArchivDeutsches Ärzteblatt36/1997Modedrogen: Ungleiches nicht vermischen

SPEKTRUM: Leserbriefe

Modedrogen: Ungleiches nicht vermischen

Grotenhermen, Franjo

Zum Medizinreport "Ecstasy und Analoga: Modedrogen ohne therapeutischen Nutzen" von Prof. Dr. med. Jürgen Fritze in Heft 28-29/1997:
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LNSLNS Unzureichend behandel-te Schmerzpatienten baden noch heute aus, was mit der Übertragung des Bildes vom verelendeten Fixer in der Bahnhofstoilette auf die medizinische Behandlung mit Opiaten angerichtet wurde. Soll dieser Fehler nun mit anderen psychotrop wirkenden Substanzen wiederholt werden? Es ist auffällig, daß Ärzte, die die Gefahr bei der Verwendung von MDMA (Ecstasy) vergleichsweise hoch bewerten, umgekehrt ihren therapeutischen Wert gering erachten . . .
Die Überschrift deutet an, daß es Herrn Prof. Fritze von vornherein nicht behagt, daß MDMA medizinisch verwendet wird. Er vermischt dazu argumentativ die Verwendung zu Genuß- und therapeutischen Zwecken . . . Eine Risikoabwägung zwischen möglicher Nebenwirkung, von der schließlich kaum ein Medikament frei ist, und erwartetem Benefit muß die realen Bedingungen der Anwendung einbeziehen. Die im Beitrag angesprochene lebensgefährliche Raver-Exsikkose beispielsweise ist bei der therapeutischen Verwendung von MDMA nicht zu erwarten. Auch Psychosen, Suizide oder Hospitalisation hat es nach Auskunft der Schweizerischen Ärztegesellschaft für Psycholytische Therapie (SÄPT) in der Folge der bisher etwa 800 psycholytischen Sitzungen mit MDMA in der Schweiz nicht gegeben . . . Ein Psychiater, der täglich mit einem selektierten Patientengut von hospitalisierten Personen mit ernsthaften Drogenproblemen konfrontiert ist, hat sicherlich Grund für eine skeptische oder abwehrende Haltung. Ärzte sollten jedoch nicht Ungleiches vermischen.
Dr. med. Franjo Grotenhermen, Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin, Maybachstraße 14, 50670 Köln
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