ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2010Aussenseiterkunst: Karl Bergenthal – „Das bist Du, und das bin ich!“

KUNST UND SEELE

Aussenseiterkunst: Karl Bergenthal – „Das bist Du, und das bin ich!“

PP 9, Ausgabe Mai 2010, Seite 194

Schütze, Gebhardt

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Leuchtende Farben – aus mehreren Schichten von Ölkreide und Aquarellfarbe sind typisch für Bergenthals Werke. Foto: Eberhard Hahne
Leuchtende Farben – aus mehreren Schichten von Ölkreide und Aquarellfarbe sind typisch für Bergenthals Werke. Foto: Eberhard Hahne
Mit diesem Titel wurde 1999 im Kunsthaus Kannen des Alexianer-Krankenhauses Münster eine Einzelausstellung von Karl Bergenthals Werken eröffnet. Der 1938 in Arnsberg mit einer Down-Behinderung geborene Künstler lebte von 1957 bis zu seinem Tod 2004 im Wohnbereich des Alexianer-Krankenhauses Münster. Dort begann er 1983 seine künstlerische Karriere in der gerade etablierten und vielfältig geförderten Kunsttherapie und gehörte später als eines der produktivsten und leidenschaftlichsten Mitglieder den Haus-Kannen-Künstlern an.

Seine Werke hatten bereits bei verschiedenen Präsentationen im In- und Ausland, zuletzt auf der CreArt’97 in Düsseldorf und im Museum de Stadshof Zwolle/Niederlande, das Interesse der Öffentlichkeit geweckt.

„Das bist Du, und das bin ich!“ waren seine Begrüßungsworte, denen er bei jeglichem Kontakt – wenn überhaupt – nur wenige zusätzliche Worte nachfolgen lassen wollte oder konnte. Vielmehr führte er den ihm vertrauten Gesprächspartner sogleich zu seinen Bildern; so auch zu seiner erst kürzlich in der Personalkantine des Alexianer-Krankenhauses ausgestellten, großartigen und mehrere Quadratmeter umfassenden Farbkomposition. Mit sichtbarem Stolz und emotional bewegt versuchte er mit allerlei Gesten die in lichtfrohen Farben geschaffenen Formen und Motive seines Werks zu erläutern. Das war die für ihn typische und angemessene Weise, sich mit seinen Mitmenschen in Kontakt zu bringen.

Seine Bilder zeichnen sich durch gelbe und orange-rote Farbtöne von erstaunlicher Leuchtkraft aus. Sie entstehen langsam und durch Überlagerung mehrerer Farbschichten aus Ölkreide oder Aquarellfarben. Bereits angelegte Strukturen und Motive können während des Malvorgangs, der sich häufig über mehrere Monate hinzieht, vollständig übermalt oder immer wieder verändert werden. In typischer Weise ist ein Raster von waagerechten und senkrechten Linien, die der Maler in Blei- oder Buntstift vorzeichnet, auszumachen. Hier „schreibt“ Bergenthal seine Motive ein: Freunde, Häuser, Geschenke, Tiere und Blumen findet er besonders interessant, da er 20 Jahre in der hauseigenen Gärtnerei beschäftigt war. Auch beginnt er seine Bilder mit symbolhaften Zeichen, die er lose über die Fläche verteilt, anschließend ausarbeitet oder auch wieder mit neuen Farbschichten überdeckt. Seine Bilder sind selten vollständig abstrakt. Immer wieder entdeckt man neue Figuren und Objekte. Häufig fügt der Maler auch Linienzüge als eine Art Bildunterschrift hinzu. Dr. Gebhardt Schütze
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