Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Der Übersichtsartikel lässt viele Fragen offen. Störungen der männlichen Fertilität – dient Sexualität denn nicht auch der Fortpflanzung? – werden beispielsweise nicht erwähnt. Wie wirkt sich bei Männern in den meisten muslimischen Ländern die Option, mehrere weibliche Partner haben zu dürfen, auf die Sexualfunktion aus? Ob Polygamie auch zu einer verbesserten Sexualfunktion beim Mann führt, könnte – auch wegen möglicher evolutionsgenetischer Vorteile – ein interessanter Aspekt sein (1).

Die Autoren fokussieren auf die „abendländisch- monogame“, heterosexuelle Paarbeziehung. Was „Liebe“ mit der Sexualfunktion des Mannes – vielleicht im Gegensatz zur weiblichen – zu tun hat, bleibt unklar. Was ist mit denjenigen Männern, die sich nicht in einer festen Paarbeziehung befinden? Geht man davon aus, dass Männlichkeit als kulturelle Bewertung des Geschlechts eine soziale Konstruktion darstellt, die gesellschaftlichen Veränderungsprozessen unterliegt (2), liegt die Vermutung nahe, dass die männliche Sexualität nicht mit postmodernen Vorstellungen von Männlichkeit korrespondiert. Dies stellt eine mögliche Ursache für männliche Sexualstörungen dar, die keiner Paartherapie, sondern vielmehr einer Distanzierung von klischeehaften Geschlechtstypologien bedarf. Der Versuch mit einem anderen Partner – vielleicht sogar als „ex iuvantibus“ Therapieversuch bestimmter Sexualstörungen – wird nicht erwähnt. Neue Alternativen, die Sexualität anders erfahrbar macht beziehungsweise einigen Männern sogar erst ermöglicht (zum Beispiel „Cybersex“), werden eher marginal diskutiert.

Die Bedeutung der Erotik für die intakte Sexualfunktion wird zudem kaum thematisiert. Das Geheimnis jener Paare, die viele Jahre erregend miteinander sexuell verkehren – was ohne die Integrität der männlichen Sexualfunktion nicht funktionieren dürfte – liegt offenbar darin, dass sie durch eine milde perverse Inszenierung wirksam aufeinander bezogen und miteinander verbunden sind (3).
DOI: 10.3238/arztebl.2010.0351

Dr. med. Dr. rer. nat. Michael G. Haufs
Hoher Heckenweg 147, 48147 Münster

Christian Gruhn
Königstraße 12, 48143 Münster

Dr. rer. soc. Pamela Wehling
Stühmerweg 4, 48147 Münster
1.
Hammer MF, Mendez FL, Cox MP, Woerner AE, Wall JD: Sex-biased evolutionary forces shape genomic patterns of human diversity. PLoS Genet 2008; 26: e1000202. MEDLINE
2.
Conell R: Der gemachte Mann. Konstruktion und Krise von Männlichkeiten. 3rd edtion. Opladen: VS Verlag für Sozialwissenschaften 1999.
3.
Sigusch V: Neosexualitäten. Über den kulturellen Wandel von Liebe und Perversion. 1st edition. Campus Verlag 2005.
4.
Rösing D, Klebingat KJ, Berberich H, Bosinski H, Loewit K, Beier K: Sexual dysfunctions in men – Diagnosis and treatment from a sexological interdisciplinary perspective [Sexualstörungen des Mannes – Diagnostik und Therapie aus sexualmedizinisch-interdisziplinärer Sicht]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(50): 821–28. VOLLTEXT
1. Hammer MF, Mendez FL, Cox MP, Woerner AE, Wall JD: Sex-biased evolutionary forces shape genomic patterns of human diversity. PLoS Genet 2008; 26: e1000202. MEDLINE
2. Conell R: Der gemachte Mann. Konstruktion und Krise von Männlichkeiten. 3rd edtion. Opladen: VS Verlag für Sozialwissenschaften 1999.
3. Sigusch V: Neosexualitäten. Über den kulturellen Wandel von Liebe und Perversion. 1st edition. Campus Verlag 2005.
4. Rösing D, Klebingat KJ, Berberich H, Bosinski H, Loewit K, Beier K: Sexual dysfunctions in men – Diagnosis and treatment from a sexological interdisciplinary perspective [Sexualstörungen des Mannes – Diagnostik und Therapie aus sexualmedizinisch-interdisziplinärer Sicht]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(50): 821–28. VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige