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LNSLNS Die Autoren bedanken sich für die vielen konstruktiven Rückmeldungen, die zeigen, welche Bedeutung dem Thema Sexualstörungen des Mannes zukommt und durch welche Vielfalt es gekennzeichnet ist. Den Autoren war vor allem wichtig, diese Komplexität darzustellen und den Zusammenhang zwischen Biologie, Psyche und soziokultureller Situation aufzuzeigen. Allerdings war von vornherein klar, dass sich dabei nicht alle Einzelheiten ausführlich darstellen lassen und deshalb finden einige Erkrankungen auch lediglich in grafischen Übersichten eine Erwähnung (zum Beispiel Induratio penis plastica, sexuell übertragbare Erkrankungen). Unreflektiert blieb der Zusammenhang zwischen Erektionsstörung und obstruktiver Schlafapnoe, für deren Hinweis die Autoren dankbar sind. Hingegen war eine umfassende Darstellung kultureller Unterschiede im sexuellen Erleben und Verhalten im Rahmen des Artikels nicht intendiert. Zu bedauern wäre der Eindruck, dass diese aus Sicht der Autoren nur marginale Bedeutung hätten – das Gegenteil ist der Fall.

Im Artikel wurde insbesondere darauf Wert gelegt, dass die Abklärung körperlicher Ursachen für Sexualstörungen ihre Berücksichtigung findet, und es wurden die Behandlungsmöglichkeiten in ihrer Vielfältigkeit in Tabellen und einer Grafik dargestellt. Es ging nicht um eine neue Gegenüberstellung und Bewertung einzelner Behandlungsverfahren, da für die Autoren das Ziel der Behandlung die Verbesserung der sexuellen Beziehungszufriedenheit ist und nicht die isolierte Behandlung einer Funktion. Auch wenn Statistiken hier glauben machen wollen, dass es anders sei, geht dies doch oft an der Realität des Patientenalltags vorbei (siehe Fallbericht). Forschungsarbeiten, die den Fokus auf die Erfüllung basaler Bedürfnisse ausrichten, sind Gegenstand einer komplexen Sichtweise und finden Anwendung in sexualtherapeutischen Behandlungen, bei denen der Einsatz von Medikamenten oder Hilfsmitteln aber ebenso seine Berechtigung hat. Dabei ist es in der Praxis leider nicht selbstverständlich, dass vor der Behandlung eine Sexualanamnese (Kasten) stattfindet, sondern vielfach wird „ex juvantibus“ ausprobiert. An dieser Stelle darf der kritische Hinweis erlaubt sein, dass der in einem Leserbrief vorgeschlagene Partnertausch nicht wirklich ärztliche Empfehlung sein kann, etwa um zu testen, wie sich dies auf die Sexualfunktionen auswirkt. Die Autoren verstehen Sexualität als etwas Beziehungsorientiertes, das in keiner Kultur nur auf Funktion zentriert ist, da – wie im Artikel erwähnt – die basalen Bedürfnisse kulturübergreifend sind und Sexualität als Körpersprache neben der sexuellen Lusterfüllung eben ganz entscheidend dazu beiträgt, ob sich ein Anderer angenommen und wertgeschätzt fühlen kann. Eine einseitige sexuelle Befriedigung zu Lasten oder auf Kosten des Anderen wird immer mit einer Veränderung auf der Beziehungsebene verbunden sein und darum Paaren diesbezüglich eine Entscheidung abverlangen. Auch sehen die Autoren sogenannte „neue Alternativen“ (zum Beispiel Cybersex) nicht als Äquivalent dafür, in einer realen Beziehung körpersprachlich durch einen Partner Gefühle zu empfinden und Erfahrungen zu sammeln, die im virtuellen Raum nicht live erlebbar sind. In der sexualmedizinischen Praxis stellen sich die Menschen vor, die unter ihrer wie auch immer verursachten Sexualstörung leiden, weil sie sich nicht mehr richtig, wertvoll, angenommen oder bestätigt fühlen, sich Anderen nicht zumuten wollen oder können. Dabei ist es die Aufgabe der Ärztinnen und Ärzte, sich wie in allen anderen Bereichen der Medizin diesen Menschen zuzuwenden, ihnen bei der Klärung der Ursachen zu helfen und die Multifunktionalität und Mehrdimensionalität von Sexualität bewusster werden zu lassen, damit trotz veränderter oder gestörter Sexualität die Lebenszufriedenheit verbessert werden kann.
DOI: 10.3238/arztebl.2010.0352

Dr. med. Dirk Rösing
Universitätsklinikum Greifswald
Anstalt öffentlichen Rechts
Klinik und Poliklinik für Urologie
Fleischmannstraße 42–44
17475 Greifswald
E-Mail: roesing@uni-greifswald.de


Interessenkonflikt
Die Autoren aller Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Rösing D, Klebingat KJ, Berberich H, Bosinski H, Loewit K, Beier K: Sexual dysfunctions in men – Diagnosis and treatment from a sexological interdisciplinary perspective [Sexualstörungen des Mannes – Diagnostik und Therapie aus sexualmedizinisch-interdisziplinärer Sicht]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(50): 821–8. VOLLTEXT
1. Rösing D, Klebingat KJ, Berberich H, Bosinski H, Loewit K, Beier K: Sexual dysfunctions in men – Diagnosis and treatment from a sexological interdisciplinary perspective [Sexualstörungen des Mannes – Diagnostik und Therapie aus sexualmedizinisch-interdisziplinärer Sicht]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(50): 821–8. VOLLTEXT

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