ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2010Randnotiz: Der Chef ist beleidigt

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Randnotiz: Der Chef ist beleidigt

Dtsch Arztebl 2010; 107(19): A-891 / B-783 / C-771

Hibbeler, Birgit

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LNSLNS Schon seit Tagen ist dicke Luft in der Abteilung. Warum, wusste niemand so recht. Doch nun ist es raus, denn der Chef hat zum Gespräch geladen. Erster und einziger Tagesordnungspunkt: die Evaluation der Weiterbildung. Bei der Assistentenbefragung der Ärztekammer hat die Abteilung schlecht abgeschnitten. Deshalb ist der Chef jetzt eingeschnappt.

Einige Assistenzärzte haben positive Ich-Botschaften eingeübt. Die meisten wollen aber lieber nichts sagen. Man will sich ja nicht unbeliebt machen. Damit fährt man immer noch am besten. Ändern wird sich eh nichts. Außerdem kommt für jeden der Tag, an dem es um das Zeugnis und letztendlich den Facharzt geht. Und wieso sollte der Chef einem alle Sachen bescheinigen, wenn man sich vorher darüber beschwert hat, dass man nichts lernt?

Der Chef versteht die Welt nicht mehr. So schlecht findet er seine Weiterbildung nicht. Die Assistenten von heute haben eben eine enorme Anspruchshaltung. Als er jung war, galt: Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Und der Einsatz, den er damals gezeigt hat – davon sind seine Assistenten weit entfernt. Überstunden will keiner machen, auch nicht, wenn eine interessante OP rein-kommt. Eigentlich wollte er immer nur operieren. Stattdessen muss er mehr und mehr organisieren. Spaß macht das nicht. Früher war es einfacher mit der Personalplanung. Aber heute: immer mehr Frauen, ständig die Schwangerschaften. Außerdem ist der Druck auf ihn größer geworden. Schließlich müssen die Zahlen stimmen. Er hält den Laden am Laufen – und seinen Kopf hin, wenn was schiefgeht. Und das ist jetzt der Dank, denkt der Chef so bei sich. Und dann sind alle da, er schließt die Tür. Das Gespräch beginnt.
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