ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2010Hodgkin-Lymphom: Neuer Entstehungsmechanismus entdeckt

AKTUELL: Akut

Hodgkin-Lymphom: Neuer Entstehungsmechanismus entdeckt

Dtsch Arztebl 2010; 107(19): A-892 / B-784 / C-772

Richter-Kuhlmann, Eva

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Wiederholt auftretende Abschnitte im Genom, sogenannte LTRs (long terminal repeats), spielen bei der Entstehung des Hodgkin-Lymphoms eine wesentliche Rolle. Dies konnten Dr. med. Stephan Mathas, Forscher an der Charité - Universitätsmedizin Berlin und am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, Berlin, sowie Prof. Dr. Constanze Bonifer von der Universität Leeds, Großbritannien, jetzt erstmals nachweisen, wie sie in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Nature Medicine“ (doi 10.1038/nm.2129) berichten.

Es gelang den Forschern zu zeigen, dass das Wachstum der Hodgkin-/Reed-Sternberg-Zellen, der Krebszellen des Hodgkin-Lymphoms, wesentlich von einem Faktor abhängt, der normalerweise nicht auf den Ursprungszellen, den B-Zellen des Immunsystems, vorkommt: dem Faktor CSF1R. Beim Hodgkin-Lymphom fehlen den Zellen zwar die für das Überleben der B-Zellen nötigen B-Zell-Rezeptoren. Dafür aktivieren in den Hodgkin-/Reed-Sternberg-Zellen jedoch „aus dem Ruder gelaufene“ LTRs das Gen für die onkogene Tyrosinkinase CSF1R und sichern so das Überleben der Krebszellen.

Weitere Auswirkungen vermutet
Die Hodgkin-/Reed-Sternberg-Zellen sind möglicherweise nicht die einzigen Krebszellen, die mit diesem Mechanismus die normale Wachstumskontrolle unterlaufen. „Hinweise auf eine Aktivierung der LTRs und des Faktors CSF1R haben wir auch beim anaplastisch großzelligen Lymphom gefunden“, erklärte Mathas dem Deutschen Ärzteblatt. Der Krebsforscher vermutet deshalb, dass die Aktvierung des Faktors CSF1R durch LTRs auch bei der Entstehung weiterer Lymphome eine Rolle spiele. Mathas und Bonifer konnten ferner zeigen, dass in Hodgkin-Lymphomen nicht nur ein einzelnes LTR aktiviert wird, sondern Hunderte. Die Konsequenz dieser genomweiten Aktivierung ist in ihrem gesamten Ausmaß zwar noch unklar, könnte jedoch künftig für die Diagnose, den Verlauf und die Therapie der Krebserkrankungen von Bedeutung sein.

„Die onkogene Tyrosinkinase kann medikamentös inhibiert werden“, erläutert Mathas. Ähnliche Therapien würden bereits erfolgreich bei anderen Tumoren angewendet. Aber auch für die Diagnose und den Verlauf eines Hodgkin-Lymphoms sei der Faktor CSF1R relevant: So ließe sich die mRNA des Faktors molekularbiologisch mit PCR nachweisen und sei hochspezifisch für das Hodgkin-Lymphom.
Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema