ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2010Internisten: Zentrale Rolle in der Versorgung

POLITIK

Internisten: Zentrale Rolle in der Versorgung

Dtsch Arztebl 2010; 107(19): A-906 / B-796 / C-784

Hibbeler, Birgit

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LNSLNS Die meisten Volkskrankheiten sind internistische Erkrankungen. Aus Sicht des Berufsverbandes Deutscher Internisten hat die Innere Medizin deshalb eine Schlüsselfunktion im Gesundheitssystem der Zukunft.

Alle reden vom demografischen Wandel, und die Prognosen sind eindeutig: Die Zahl Multimorbider, Pflegebedürftiger und Demenzkranker wird in den kommenden Jahren deutlich steigen. Trotzdem ist das Gesundheitswesen auf die anstehenden Veränderungen noch nicht angemessen vorbereitet. Das beklagt der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). Eine grundsätzliche Diskussion über die Strukturen in der Versorgung sei notwendig, mahnte BDI-Chef Dr. med. Wolfgang Wesiack bei einem Pressegespräch in Wiesbaden.

Beispiel Krankenhaus: Zwar nimmt die Anzahl älterer und chronisch kranker Patienten zu, doch das System der Diagnosis Related Groups (DRG) ist auf kurze Klinikaufenthalte ausgerichtet. „Ältere Patienten können aber nicht einfach in Kurzlieger verwandelt werden“, kritisierte Prof. Dr. med. Malte Mathias Ludwig, zweiter Vizepräsident des BDI. Auch er forderte eine politische Debatte über die Frage, wie künftig eine gute Basisversorgung, die spezialisierte Versorgung und die Krankenhausbehandlung aussehen sollen.

Weiterbildung soll besser strukturiert werden
Besorgt zeigt sich der BDI, was den Nachwuchsmangel angeht – nicht zuletzt angesichts des wachsenden Bedarfs an Fachkräften in der Patientenversorgung. Dieser betreffe aber nicht nur die Ärzte, auch qualifizierte Pflegekräfte und Physiotherapeuten würden dringend gebraucht, um die steigende Zahl alter Menschen gut zu betreuen, erläuterte BDI-Vizepräsident Dr. med. Wolf von Römer.

Ein ausgeprägter Nachwuchsmangel ist aus Sicht des BDI bei den Internisten bisher nicht zu verzeichnen. Die Zahl der Facharztanerkennungen in der Inneren Medizin steige weiterhin, das Fach sei beliebt und attraktiv. „Das stimmt uns zuversichtlich“, sagte Wesiack. Der BDI will sich aber trotzdem nicht zurücklehnen, sondern sich dafür starkmachen, dass das Fach noch attraktiver wird. Der Internistenverband setzt sich für eine qualitativ hochwertige, gut strukturierte Weiterbildung ein. Die Weiterbildung müsse außerdem zunehmend auch im ambulanten Bereich stattfinden.

Im künftigen Gesundheitswesen werden die Internisten eine zentrale Rolle spielen. Das steht für den BDI fest. „Ein Großteil der Volkskrankheiten sind internistische Erkrankungen“, sagte Wesiack. Die primärärztliche Versorgung könnten nicht allein Allgemeinmediziner leisten – auch wegen rückläufiger Zahlen in der allgemeinmedizinischen Weiterbildung. „Der Bedarf kann nur durch die wachsende Anzahl an Internisten kompensiert werden“, so der BDI-Chef. Darüber hinaus plädiert er dafür, den „Facharzt für Innere Medizin und Geriatrie“ einzuführen. Dieser solle maßgeblich an der Versorgung beteiligt sein. Zugleich stellte Wesiack klar: „Wir brauchen den internistischen Generalisten.“

Beim Deutschen Ärztetag in Dresden wird endgültig darüber entschieden, ob der bisherige „Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin“ in der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung wieder gesplittet wird. Schon vor drei Jahren hatte der Ärztetag zusätzlich den „Facharzt für Innere Medizin“ ohne Schwerpunkt erneut eingeführt. Auch die Allgemeinmedizin könnte jetzt wieder ein eigenständiges Gebiet werden.

In der Gesundheitspolitik der vergangenen Jahre sieht der BDI einige Fehlentwicklungen. Danach zählen für die Internisten die Hausarztverträge. BDI-Chef Wesiack bezweifelt, dass sich durch solche Vereinbarungen die Patientenversorgung verbessert. Den Weg des § 73 b SGB V hält er für grundsätzlich falsch: „Selektivvertäge machen in der Grundversorgung am wenigsten Sinn.“ Auch bei der gesetzlichen Regelung zu ambulanten Leistungen im Krankenhaus (§ 116b SGB V) gibt es nach Ansicht des BDI dringenden Änderungsbedarf. Der Verband plädiert dafür, die Möglichkeit zur ambulanten Behandlung auf wirklich seltene und spezielle Erkrankungen zu beschränken. Ein entscheidendes Kriterium müsse es außerdem sein, ob die ambulante Behandlung durch ein Krankenhaus in einer Region oder einer Stadt für die Sicherstellung der medizinischen Versorgung tatsächlich notwendig sei. „Es geht den Krankenhäusern vielfach nicht um Bedarf, sondern um neue Märkte“, monierte von Römer. Gerade bei onkologischen Erkrankungen gehen dem BDI die heutigen Möglichkeiten zu weit. Der Verband spricht sich für einen fachärztlichen Überweisungsvorbehalt aus.
Dr. med. Birgit Hibbeler
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