ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2010Kommunale Krankenhäuser: Kein Auslaufmodell

POLITIK

Kommunale Krankenhäuser: Kein Auslaufmodell

Dtsch Arztebl 2010; 107(19): A-912 / B-802 / C-790

Osterloh, Falk

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LNSLNS Die privaten Krankenhausträger rüsten sich für weitere Übernahmen. Dennoch ist der allgemeine Abgesang auf die kommunalen Krankenhäuser leiser geworden. Eine Studie soll nun ihre Schokoladenseite noch einmal ins rechte Licht rücken.

Klamme Kommunen, Investitionsstau in Milliardenhöhe, rückständige Organisationsstrukturen. Kommunalen Kliniken haftet derzeit das Stigma des unrentablen Auslaufmodells an. Der Weg in die ausgebreiteten Arme privater Träger scheint da bisweilen die einzige Rettung zu sein. So prophezeite auch der Krankenhaus-Rating-Report 2010 Insolvenzen vor allem bei kleinen kommunalen Krankenhäusern und vermutete ab dem kommenden Jahr wieder vermehrte Privatisierungen. Weitere Belastungen drohen durch den Streik, den der Marburger Bund ab dem 17. Mai in den kommunalen Kliniken angekündigt hat.

Langfristig Marktführer
Doch die Kommunalen wollen nicht länger das Stiefkind unter den drei Krankenhausträgern sein. Und so hat der Interessenverband kommunaler Krankenhäuser (IVKK) beim Deutschen Krankenhausinstitut (DKI) eine Studie in Auftrag gegeben, die einmal speziell die Situation kommunaler Krankenhäuser beleuchten sollte. Diese Studie mit dem Namen „Das erfolgreiche kommunale Krankenhaus“ liegt nun vor, und sie bilanziert: „Die kommunalen Krankenhäuser tragen wesentlich zur flächendeckenden und wohnortnahen Versorgung bei.“ Und weiter: „Die kommunalen Krankenhäuser arbeiten genauso wirtschaftlich wie die anderen Trägergruppen.“

Die Autoren der Studie werten aktuelle Daten der amtlichen Krankenhausstatistik aus. Demnach haben die kommunalen Krankenhäuser mit 40,8 Prozent die meisten Fallzahlen, gefolgt von den freigemeinnützigen (35,5 Prozent), den privaten (14,1 Prozent) und den Unikliniken (9,6 Prozent). Auch beschäftigten die kommunalen Krankenhäuser die meisten Vollzeitkräfte (38,3 Prozent) vor den freigemeinnützigen (30,9 Prozent), den Unikliniken (18,5 Prozent) und den privaten Häusern (12,3 Prozent). Und die kommunalen Krankenhäuser bezahlten mit 55 326 Euro die höchsten durchschnittlichen Personalkosten je Vollzeitkraft, dahinter liegen die freigemeinnützigen mit 54 692 Euro, die Unikliniken mit 54 314 Euro und schließlich die privaten mit 52 709 Euro.

„Die kommunalen Krankenhäuser haben zwar aufgrund der Tarifbindung, der betrieblichen Altersvorsorge und einem überdurchschnittlichen Alter der Beschäftigten die höchsten Personalkosten“, erklärte der Leiter des Forschungsbereichs des DKI, Dr. Karl Blum, bei der Präsentation der Studie, „durch unterproportionale Sach- und Zinskosten können sie das jedoch wieder ausgleichen.“ Einen systematischen Zusammenhang zwischen Trägerschaft und Wirtschaftlichkeit gebe es daher nicht. Bei den Personal-, den Betten- und den Fallzahlen würden die kommunalen Krankenhäuser zudem langfristig Marktführer bleiben.

Welche Weichen für den Erfolg gestellt werden müssen, hat sich das DKI anhand von fünf hervorstechenden kommunalen Häusern angesehen. Ergebnis: „Ein maßgeblicher Erfolgsfaktor kommunaler Krankenhäuser ist die Umwandlung von einer öffentlichen in eine private Rechtsform“, heißt es in der Studie. Wichtig sei zudem, dass sich die Kommune zu ihrem Krankenhaus bekenne, die Politiker sich jedoch nicht in das operative Geschäft einmischten und die Geschäftsführung eine weitgehende Handlungsfreiheit und Entscheidungskompetenz besitze. Auch ein gutes Betriebsklima sei wichtig. „Die Privatisierung wird von manchen kommunalen Politikern als Allheilmittel dargestellt“, kritisierte der Schatzmeister der IVKK, Bernhard Ziegler. „Aber das stimmt nicht. Wenn die kommunalen Träger die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, werden wir auch in Zukunft eine Vielzahl kommunaler Krankenhäuser haben.“ Bei den kommunalen Trägern wachse derzeit die Erkenntnis, dass man die Häuser nicht unbedingt verkaufen müsse, ergänzte der Leiter des Geschäftsbereichs Beratung beim DKI, Stefan König.

Vor einigen Jahren habe es eine Privatisierungswelle in der Krankenhauslandschaft gegeben, sagte Ziegler. Die Krankenhäuser, die heute noch in kommunaler Trägerschaft seien, seien jedoch wirtschaftlich gut aufgestellt und ständen daher nicht zum Verkauf. „Es ist ganz gleichgültig, wie viel Geld die privaten Träger zusammengebracht haben. Wenn keine Krankenhäuser zum Verkauf stehen, werden sie auch keine kaufen können“, meinte Ziegler. Wenn ein kommunales Krankenhaus dennoch verkauft werde müsse, sei häufig nicht die fehlende Wirtschaftlichkeit des Hauses, sondern der bestehende Investitionsstau die Ursache.

Werteorientiert und innovativ
Bereits letztes Jahr hatten die beiden großen christlichen Kirchen eine ähnliche Studie über ihre Häuser veröffentlicht. Die mit dem Auftrag betraute Prognos AG titelte damals „Kirchliche Krankenhäuser – werteorientiert, innovativ, wettbewerbsstark“ und bescheinigte „Spitzenmedizin gepaart mit persönlicher Zuwendung“ und „medizinische Versorgung auf höchstem Niveau“.
Falk Osterloh
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