ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2010IQWiG-Patienteninformation: Anders als die anderen

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IQWiG-Patienteninformation: Anders als die anderen

Dtsch Arztebl 2010; 107(19): A-918 / B-803 / C-787

Richter-Kuhlmann, Eva

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LNSLNS „Relevant, objektiv und unabhängig“: Ein Gutachten der Welt­gesund­heits­organi­sation erteilt der Website „Gesundheitsinformation.de“ beste Noten.

Er und sein Institut arbeiteten allein nach den Prinzipien der „evidenzbasierten Medizin“, die die Wirksamkeit einer Therapie ausschließlich auf der Basis wissenschaftlicher Studien beurteile, betont Prof. Dr. med. Peter Sawicki, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bei der Vorstellung des Gutachtens der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) am 6. Mai in Berlin. Dies gelte auch für die vom IQWiG erstellte Website „Gesundheitsinformation.de“. Ihre Inhalte seien anders als andere Patienteninformationen, nämlich ergebnis- und entscheidungsoffen. „Wir informieren Ärzte und Patienten auch über fehlendes Wissen – das ist selten in der Medizin“, erklärt der Internist.

Bestätigung und Lob kommt nun von der WHO. Sie war 2008 vom Institut gebeten worden, die Methoden, nach denen es seine Patienteninformationen erstellt, sowie die Qualität und Richtigkeit seiner Informationen zu bewerten. „Wir waren regelrecht beeindruckt von der Arbeit des IQWiG und der hohen fachlichen Kompetenz“, erklärt Dr. Kees de Joncheere, Regionalbeauftragter für Gesundheitstechnologie und Arzneimittel im WHO-Regionalbüro für Europa. „Relevant, objektiv und unabhängig“, so seien die vom IQWiG erstellten Gesundheitsinformationen. Es werde immer deutlicher, dass eine öffentlich finanzierte und wissenschaftlich unabhängige Einrichtung bei der Bereitstellung objektiver und unverzerrter Patienteninformationen eine wichtige Rolle spielen könne und auch spielen sollte, sagt de Joncheere. Die WHO will deshalb jetzt auf die IQWiG-Website verlinken und die Informationen für andere Länder zugänglich machen. „Eine Übersetzung in weitere Sprachen wäre ein echter Gewinn“, meint der WHO-Beauftragte.

Gesundheitsinformation.de: Die 2006 freigeschaltete Website enthält mittlerweile evidenzbasierte Informationen zu mehr als 500 Erkrankungen.
Gesundheitsinformation.de: Die 2006 freigeschaltete Website enthält mittlerweile evidenzbasierte Informationen zu mehr als 500 Erkrankungen.
Für das Institut und insbesondere für seinen Leiter Sawicki ist das überaus positive Votum der WHO ein großer Erfolg – gerade jetzt. Denn der unabhängigen Forschungseinrichtung, die im Zuge der Gesundheitsreform 2004 ins Leben gerufen wurde, steht ein Personal- und möglicherweise Kurswechsel bevor: Sawickis Vertrag läuft Ende August aus und ist aufgrund einer „Dienstwagenaffäre“ auch nicht verlängert worden. Bereits mit dem Antritt der schwarz-gelben Bundesregierung im Herbst 2009 war über solche Veränderungen spekuliert worden. Denn der Koalitionsvertrag sieht vor, die Arbeit des IQWiG „unter dem Gesichtspunkt stringenter, transparenter Verfahren zu überprüfen und damit die Akzeptanz von Entscheidungen für Patienten, Leistungserbringer und Hersteller zu verbessern“. Einige Beobachter werteten dies bereits vor einem halben Jahr als ein Zeichen für die Ablösung des pharmakritischen Institutsleiters.

Auch jetzt verdeutlicht Sawicki, dass er von seinen Prinzipien nicht abweichen würde. „Die Forderungen im Koalitionsvertrag sind zwar gut, aber ich bezweifle den Weg“, sagt er in Berlin. „Die Stringenz der Methoden darf nicht aufgeweicht werden. Informationen dürfen nicht diplomatischer werden, nur um allgemeine Akzeptanz zu erreichen“, betont Sawicki. „Akzeptanz muss von der Art der Methoden abhängen, nicht vom Ergebnis.“

Akzeptanz gefunden haben die IQWiG-Methoden zumindest bei der internationalen Expertengruppe der WHO, die an die Arbeit des Instituts internationale Qualitätsmaßstäbe anlegte. „Die Methoden des IQWiG sind ein valider, hochwertiger Ansatz, der das Risiko von Verzerrungen auf ein Minimum beschränkt. In den Prozess sind relevante Interessengruppen eingebunden. Auch die Einbeziehung von Informationen, die durch Interviews mit Patientinnen und Patienten gewonnen wurden, sowie die Berücksichtigung qualitativer Evidenz stellen eine wertvolle perspektivische Erweiterung dar“, resümiert de Joncheere.

Verbesserungspotenzial sieht die WHO bei den Kriterien für die Themenauswahl, der internen Dokumentation von Methoden und Arbeitsabläufen, den Verbreitungsstrategien und der Öffentlichkeitsarbeit. Zudem regt sie an, Methoden zu erarbeiten, mit denen die Auswirkungen der Gesundheitsinformationen bewertet werden können.
Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann
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